Backnang

BW-Bank schließt fast die Hälfte der Filialen: Im Rems-Murr-Kreis wird die Filliale Backnang dichtgemacht

Einkaufsstraße
Die Zentrale-Filiale der BW-Bank in der Stuttgarter Königstraße © ALEXANDRA PALMIZI

Die BW-Bank macht fast jede zweite Filiale dicht. In Stuttgart solle sich allerdings nur wenig ändern, im Rems-Murr-Kreis sei die Filiale Backnang betroffen, die geschlossen werden soll. Der Kahlschlag sei mit eine Folge der Corona-Pandemie. Immer mehr Leute regelten ihre Bankgeschäfte über das Internet.

Die BW-Bank will 41 Filialen dauerhaft schließen. Von derzeit 100 Zweigstellen sollen bis Ende 2022 59 übrig bleiben, wie Andreas Götz, der LBBW-Generalbevollmächtigte für das Privatkundengeschäft, am Montag in Stuttgart mitteilte. Sehr viele Kunden nutzten auch ohne stationäre Filiale gerne und problemlos den Service und die Beratungsleistungen. Die Zahl der Filialbesuche sei rückläufig. Ein Hauptgrund sei noch der Gang zum Geldautomaten. Immer mehr Gespräche würden telefonisch, per Chat oder Videokonferenz abgehalten.

 Reaktion auf steigenden Kostendruck

Mit dem Umbau reagiert die BW-Bank auch auf steigenden Kostendruck. Aktuell zähle der Privatkundenvertrieb 1000 Mitarbeiter, sagte Götz. Nach dem Umbau solle er noch 900 Beschäftigte umfassen. Die BW-Bank ist eine Tochter der größten deutschen Landesbank. Die LBBW hatte vor wenigen Wochen angekündigt, dass bis 2024 die Verwaltungsaufwendungen gegenüber 2019 um 100 Millionen Euro sinken sollen

Im Stadtgebiet Stuttgart, wo die BW-Bank die Sparkassenfunktion wahrnimmt, führt dies im Vergleich zur aktuellen Situation nur zu geringen Veränderungen. Hier unterhält die Bank ein Netz von 33 Filialen, von denen derzeit 25 geöffnet sind. Die übrigen acht Standorte wurden bereits wegen Corona geschlossen. Außerdem werden die Filialen Charlottenstraße und Westend geschlossen. Die Filiale Schmidener Straße wird dagegen wieder geöffnet. Damit verfüge die BW-Bank in der Landeshauptstadt auch künftig über ein dichtes Standortnetz mit 24 Filialen. Hinzu kommen rund 60 SB-Center und Geldautomatenstandorte. „Wir sind uns unserer Rolle als Sparkasse in Stuttgart sehr bewusst. Deswegen halten wir hier ein sehr engmaschiges Filial- und Standortnetz aufrecht“, betont Götz.

In der Region rund um Stuttgart werden vier Filialen geschlossen

In der Region rund um Stuttgart werden bis Ende 2022 vier Filialen geschlossen: Backnang, Herrenberg, Leinfelden und Nellingen. Insgesamt ist die BW-Bank dann in der Region an 14 Standorten vertreten.

Außerhalb des Großraums Stuttgart schließlich werden die Standorte in Bad Mergentheim, Calw, Friedrichshafen, Heidenheim, Öhringen, Schwäbisch Gmünd und Singen geschlossen. Die Standorte Leutkirch, Biberach und Tuttlingen werden zu reinen Beratungsstandorten.

Nach gegenwärtigem Planungsstand wird lediglich die Filiale Charlottenstraße in Stuttgart noch in diesem Jahr geschlossen, die restlichen zwölf im Laufe des kommenden Jahres. Die Filiale Schmidener Straße wird voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres eröffnet.

Mit der Straffung des Filialnetzes geht ein Stellenabbau einher, der Teil des bereits

angekündigten sozialverträglichen Abbaus von insgesamt 700 Stellen im gesamten LBBW-Konzern in den kommenden

Jahren ist. Verdi-Gewerkschaftssekretär Christian Miska sagte, die Nachricht von Filialschließungen sei nicht gänzlich überraschend gekommen, die Dimension übertreffe die Befürchtungen aber deutlich. „Fingerspitzengefühl bei Personalfragen sollte daher jetzt oberstes Gebot sein. Wir erwarten daher von der Bank jetzt einen klaren Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.“

Rund die Hälfte der 600 000 BW-Bank-Privatkunden nutzt  das Online-Banking

Götz sagte, aktuell seien von der BW-Bank 70 Filialen geöffnet. 30 Filialen seien coronabedingt geschlossen. Künftig hat die Bank dann nur noch 59 Filialen und zusätzlich etwa 100 SB-Service-Center und Geldautomatenstandorte. „Betriebswirtschaftlich können wir es uns zudem nicht erlauben, Filialen dauerhaft aufrecht zu erhalten, wenn sie sich nicht rechnen.“ Zugleich kündigte die Bank an, eine Online-Beratung aufbauen zu wollen. 70 Beschäftigte aus den Filialen sollen dorthin wechseln.

Rund die Hälfte der 600 000 BW-Bank-Privatkunden nutzt nach Angaben von Götz aktiv das Online-Banking. „Unser Ziel ist es, bis Ende nächsten Jahres über 100 000 digital-affine Kunden überwiegend in der Online-Beratung zu betreuen.“

Verdi-Funktionär Miska sagte weiter, auch ohne Filialabbau sei die Arbeitsbelastung im Vertrieb sehr hoch – teilweise zu hoch.