Backnang

Gewaltverbrechen in Backnang: 25-jährige Frau ist tot, ihr Lebensgefährte tatverdächtig

Tötungsdelikt, Seehofweg, Backnang, 04.05.2021
Spurensuche: Eine 25-Jährige ist in Backnang einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen. © Benjamin Beytekin

Am Dienstagnachmittag hat die Polizei gegen 17 Uhr eine 25-jährige Frau tot in einer Wohnung im Seehofweg in Backnang aufgefunden. Wie die Polizei mitteilt, gilt der 29-jährige Lebensgefährte der Frau als tatverdächtig. Der Mann ist, so die Polizei, in Syrien geboren. Ob er als Flüchtling hier im Rems-Murr-Kreis gelebt hat oder ob seine Lebensumstände andere sind, ist noch nicht bekannt und wird ermittelt.

Polizeiangaben zufolge hatte der Mann gegen 12.45 Uhr auf der Landstraße zwischen Großbottwar und Aspach einen Verkehrsunfall verursacht und war anschließend zu Fuß geflüchtet. Wie die Backnanger Kreiszeitung berichtet, hatte dieser Unfall auf dem Autobahnzubringer die Ermittlungen erst ins Rollen gebracht. Der Mann soll einen Audi gefahren haben, der sich aus bisher unbekannten Gründen überschlagen hatte. Die Polizei vermutet, dass kein anderes Fahrzeug an dem Unfall beteiligt war. Das Fahrzeug blieb neben der Fahrbahn liegen. Vermutlich beim Versuch gegenzusteuern hatte der 29-Jährige die Kontrolle über seinen Audi verloren und war nach links von der Fahrbahn abgekommen. Dort überschlug sich das Fahrzeug und kam wieder auf den Rädern zum Stehen.

Zunächst fehlte vom Fahrer jede Spur

Als der Unfall von einem Zeugen gemeldet wurde, fehlte vom Fahrer des Unfallwagens bereits jede Spur. Einsatzkräfte der Polizeipräsidien Aalen und Ludwigsburg suchten im umliegenden Hardtwald nach dem flüchtigen Fahrer, auch mit Hilfe eines Helikopters, der nahezu eine Stunde lang über dem Hardtwald kreiste. Außerdem war die Feuerwehr Großbottwar im Einsatz. Vier Stunden später kam der 29-Jährige offenbar an den Unfallort zurück und wirkte, wie es hieß, unverletzt.

Das Auto, das er gefahren hat, war laut Polizei nicht gestohlen. Ob es dem 29-Jährigen gehört hat, ist noch nicht bekannt.

Gegen 16.30 Uhr wurde der Mann dann von der Polizei aufgegriffen und äußerte bei seiner Vernehmung den Hinweis auf seine tote Lebensgefährtin. Daraufhin wurde er festgenommen. Mittlerweile befindet er sich in Haft.

Über die Hintergründe ist noch nichts bekannt

Bei der Überprüfung der Wohnung fanden die Ermittler die tote Frau. Die Kriminalpolizei nahm noch am Dienstagnachmittag die Ermittlungen zu den Todesumständen auf, wobei sich der Verdacht eines gewaltsamen Todes erhärtete. Motiv und Tathintergründe werden noch ermittelt und können nicht veröffentlicht werden. Offenbar handelt es sich bei dem Opfer um eine Deutsche mit türkischer Abstammung. Eine Obduktion wurde angeordnet. Noch in dieser Woche wird ein rechtsmedizinisches Institut laut Polizei die Obduktion vornehmen.

Sollte es sich um eine Beziehungstat handeln, würde sich dieser Fall einreihen in eine traurige Statistik: In Deutschland stirbt (statistisch) an fast jedem dritten Tag eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners. Statistisch wird alle 45 Minuten eine Frau Opfer von vollendeter und versuchter gefährlicher Körperverletzung, ausgehend vom (Ex)-Partner. 2020 sind in Baden-Württemberg 19 Frauen durch Partnergewalt ums Leben gekommen.

In der Analyse „Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen“ des Bundesfamilienministeriums (auch Männer werden Opfer, aber weniger häufig) heißt es, Gewalt gegen Frauen im privaten Umfeld habe „nichts mit Herkunft, Bildung oder Einkommen der Betroffenen zu tun. Die Forschung belegt, dass jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt durch den eigenen Partner erlebt. Gewalt unter (Ex-)Partnern dürfte in vielen Fällen mit veränderten Frauen- und Männer-Rollenbildern zu tun haben, zumindest legen das verschiedene Untersuchungen nahe. Es geht um Macht, und Verlust von Macht könnte zu Aggression führen.

Frühere Fälle aus dem Rems-Murr-Kreis

Auch im Rems-Murr-Kreis registriert die Polizei jedes Jahr eine Vielzahl von Fällen in Zusammenhang mit Partnerschaftsgewalt – wobei in den Berichten der Polizei natürlich nur jene Fälle auftauchen, die angezeigt werden. Vieles spielt sich im Verborgenen ab.

Zu lebenslanger Haft ist erst vor wenigen Wochen ein 37-Jähriger wegen Mordes verurteilt worden. Der Mann hatte in Allmersbach im Tal seine Ex-Freundin, mit der er nur ein paar Monate zusammen gewesen war, und deren neunjährige Tochter getötet. Wegen Tötung wurde vor gut einem Jahr ein 31-Jähriger verurteilt, der seine frühere Partnerin im Juli 2019 nach einem Streit in Endersbach erwürgt hatte.

Ein damals 40-jähriger Kosovare wurde im Herbst 2019 wegen versuchten Mordes zu acht Jahren Haft verurteilt. Er hatte seine viel jüngere Ex-Freundin an deren Arbeitsplatz in einem Casino in Fellbach mit einem Messer attackiert. Die Frau überlebte nur, weil sie sich mit aller Macht gegen den Angriff wehrte. Das Verfahren wurde später neu aufgerollt und das Urteil auf sieben Jahre verringert. Im Herbst 2017 tötete ein Mann seine ehemalige Lebensgefährtin und Mutter seines Sohnes. Die 22-jährige Frau, die noch ein weiteres Kind hatte, starb in Backnang-Strümpfelbach.

Am Dienstagnachmittag hat die Polizei gegen 17 Uhr eine 25-jährige Frau tot in einer Wohnung im Seehofweg in Backnang aufgefunden. Wie die Polizei mitteilt, gilt der 29-jährige Lebensgefährte der Frau als tatverdächtig. Der Mann ist, so die Polizei, in Syrien geboren. Ob er als Flüchtling hier im Rems-Murr-Kreis gelebt hat oder ob seine Lebensumstände andere sind, ist noch nicht bekannt und wird ermittelt.

Polizeiangaben zufolge hatte der Mann gegen 12.45 Uhr auf der Landstraße

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