Backnang

Nach dem F3 in Fellbach geht das Backnanger Erlebnisbad Wonnemar baden: Insolvenz

wonnemar
Das Wonnemar in Backnang hat Insolvenz angemeldet. Der Badebetrieb geht aber weiter. © Wonnemar

Die Corona-Pandemie ist ein Grund, dass die Bäder in finanziell schwieriges Fahrwasser geraten sind. Aber nicht der einzige. Nach dem Fellbacher Erlebnisbad F3 hat es nun das Backnanger Wonnemar erwischt. Der private Betreiber, die Interspa-Gruppe mit Sitz in Stuttgart, hat Insolvenz angemeldet.

Beim F3 wie beim Wonnemar handelt es sich um sogenannte öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP). Die Städte hatten jeweils die Millionen teuren Investitionen gestemmt und die jährlichen Defizite ausgeglichen; betrieben wurden die Bäder von privaten Unternehmen. In Fellbach ist nach dem Rückzug des Betreibers, der G1 Beratungs- und Einkaufsgesellschaft für Bäder mit Sitz in Österreich, die Stadt selbst eingesprungen und betreibt das Bad künftig in eigener Regie. Eine Kritik an der Fellbacher ÖPP-Konstruktion lautete, dass der Betreiber sieben Jahre lang Gewinn machte, das Bad jedoch in dieser Zeit heruntergewirtschaftet habe. In Backnang zieht sich die Interspa-Gruppe nicht zurück, sondern plant eine Insolvenz in Eigenverwaltung.

Wonnemar bleibt trotz der Insolvenz weiter geöffnet

Das spezielle Verfahren hat laut einer Pressemitteilung der Interspa-Gruppe keine negativen Folgen auf den Betrieb des Erlebnisbads. Das Bad bleibt während des Sanierungsprozesses wie gewohnt geöffnet. Für die Besucher ergeben sich im Betrieb keinerlei Einschränkungen. Die rund 70 Mitarbeiter des Bads wurden bereits über den Stand der Dinge und die weiteren Schritte unterrichtet. Ihre Löhne und Gehälter sind für drei Monate über die Bundesagentur für Arbeit gesichert. Entlassungen soll es laut Geschäftsführung keine geben.

In der Mitteilung heißt es weiter, dass das Bad im Frühjahr  während des Corona-bedingten „Shutdowns“ dreieinhalb Monate schließen musste und erhebliche Verluste erlitten habe. Bei einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung handelt es sich um ein klar strukturiertes Verfahren, mit dem sich Unternehmen binnen weniger Monate grundlegend restrukturieren und sanieren können. Die Betriebsgesellschaft wendet damit ein speziell im deutschen Recht vorgesehenes Sanierungsinstrument an, das die Umstrukturierung von Unternehmen erleichtern und beschleunigen soll, die zwar finanziell unter Druck stehen, aber operativ gesund sind. Die unternehmerische Verantwortung bleibt während des Sanierungsverfahrens weiterhin in den Händen des Unternehmens selbst (“Eigenverwaltung”). Entsprechend gibt es auch keinen Insolvenzverwalter, sondern lediglich einen gerichtlich bestellten „Sachwalter“, der ähnlich wie ein Aufsichtsrat das Verfahren im Interesse der Gläubiger überwacht. Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das zuständige Gericht den bekannten Stuttgarter Sanierungsexperten Jochen Sedlitz von der Kanzlei Menold Bezler. Der Sanierungsprozess und das Eigenverwaltungsverfahren sollen bereits im ersten Halbjahr des kommenden Jahres abgeschlossen werden.

 Das Erlebnisbad Wonnemar Backnang gehört zur interSPA-Gruppe, die deutschlandweit sechs Familien- und Erlebnisbäder und Thermen sowie ein 4-Sterne-Hotel betreibt. Insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 600 Mitarbeiter. Die Besitzgesellschaft des Bades ist nicht von der Eigenverwaltung betroffen. Die finanziellen Probleme der Interspa-Gruppe hängen wohl auch mit den teuren Umbaupannen des Ingolstädter Wonnemars zusammen. 

F3: Der private Betreiber stieg aus, die Stadt Fellbach übernahm

In Fellbach war im Sommer der private Betreiber wegen drohender Verluste aufgrund der monatelangen Schließung ausgestiegen. Der Gemeinderat beschloss im Juli einstimmig, dass die Städtische Holding die F3-Betriebsgesellschaft übernehmen darf. Gebäude und Grundstück gehörten der Stadt bislang schon. Über den Kaufpreis und andere Vertragsbedingungen haben Stadt und der bisherige Betreiber Stillschweigen vereinbart. Die Mitarbeiter sollen übernommen und weiterbeschäftigt werden, für Badegäste sollte sich zunächst nichts ändern.

Mit dem Betreiber hatte es schon vor Corona „inhaltliche Differenzen“ bei den Bereichen Pflege, Wartung und Instandhaltung des Bades gegeben, so der Erste Bürgermeister Johannes Berner und Stadtwerke-Chef Gerhard Ammon, die die Städtische Holding Fellbach leiten: „Der Zustand des Bades lässt aktuell eine deutlich stärkere Beanspruchung erkennen, als dies aufgrund des bisherigen Zeitablaufs zu erwarten wäre. Teilweise ist dies auf unsachgemäßen Gebrauch durch die Betreibergesellschaft zurückzuführen“, schreiben die Holding-Chefs. Probleme gab es demnach von Anfang an. – Die Stadt Fellbach hat übrigens die Interspa vorübergehend mit dem Management des F3 beauftragt. Dieses Interimsmanagement in Fellbach ist von der Insolvenz nicht tangiert, erkärte ein Sprecher von Interspa auf  Anfrage.

Die zwei anderen Erlebnisbäder im Kreis, das Winnender Wunnebad und das Oskar-Frech-Bad in Schorndorf werden von den Städten selbst betrieben.

Die Corona-Pandemie ist ein Grund, dass die Bäder in finanziell schwieriges Fahrwasser geraten sind. Aber nicht der einzige. Nach dem Fellbacher Erlebnisbad F3 hat es nun das Backnanger Wonnemar erwischt. Der private Betreiber, die Interspa-Gruppe mit Sitz in Stuttgart, hat Insolvenz angemeldet.

Beim F3 wie beim Wonnemar handelt es sich um sogenannte öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP). Die Städte hatten jeweils die Millionen teuren Investitionen gestemmt und die jährlichen

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