Berglen

ATP in Berglen: Wo Skorpione, Schlangen und Spinnen sich wohlfühlen

Aqua-Terrarik-Laden
Marjan Schneider mit einer Skorpion-Krustenechse und Praktikantin Lisa Terla, die immer wieder aushilft, mit einem Fidschileguan. © Gabriel Habermann

Was macht eigentlich der Skorpion, den jüngst ein Winnender Ehepaar unfreiwillig, als blinden Passagier im Gepäck, aus dem Urlaub in der Toskana mitgebracht hat? Es bekam daraufhin den Tipp, den kleinen, aber womöglich nicht ungefährlichen Gast, mittlerweile Waldemar genannt, zum Aquaristik-Terraristik-Fachgeschäft (ATP) in Steinach zu bringen. Dort war er willkommen und wurde unter seinesgleichen aufgenommen, in einer Box mit Sand, Futter (Heimchen und Heuschrecken) und Wasser. Die Fachleute dort wussten auch gleich, wen sie da vor sich haben: einen Vertreter von „Euscorpicus italicus“ und dass der für Menschen ungefährlich ist.

Das bestätigt auch Mitarbeiter Marjan Schneider bei einer Visite, um nachzuschauen, wie es dem kleinen Kerl mittlerweile geht: „Sehr gut, sogar super“, versichert der 29-Jährige. Dass zu ihnen allerlei exotisches Getier gebracht wird, passiere öfters. „Wir sind praktisch für die die Notaufnahme und wir machen Tierrettung.“

Vor ein paar Wochen befreiten sie eine Ringelnatter, die sich in einem Kellerabfluss verfangen hatte. Sie brachten sie bei Bürg in ein für sie passendes Habitat, so Schneider, und ließen sie dort frei. Oder eine Polizeistreife brachte mal eine Kornnatter her. Einer der Beamten kannte ATP, weil er dort Kunde war. Die Kornnatter ist zwar völlig harmlos, sie ist aber hierzulande nicht heimisch. Die musste also irgendwo bei einem Halter ausgebüxt sein. Ein Chamäleon, das mit einem Darmproblem gebracht wurde, konnten sie trotz Behandlung nicht retten.

Madagaskar-Boa in Weinstädter Garten

Vor kurzem wurde in einem Garten in Weinstadt eine Madagaskar-Boa entdeckt, eine Art, die streng geschützt ist. Die landete, von der alarmierten Polizei, mittels eines fachkundigen Kollegen, eingefangen, vorübergehend in der Wilhelma, vorübergehend, weil die keine Tierauffangstation ist. Oder es sei auch an die Aufregung um die plötzlich allerorten entdeckten Nosferatu-Spinnen erinnert, die, aus dem Mittelmeerraum stammend, mittlerweile hierzulande heimisch werden.

Schneider war früher Kunde bei ATP, hält daheim selbst Reptilien wie Schlangen und einen Leguan. Im ATP verkaufen sie aber auch Skorpione, Waldemar zum Beispiel wäre als Haustier, weil ungefährlich, zulässig, den könne man bedenklos in die Hand nehmen, was Schneider denn auch „als Beweis“ prompt vorführt. Es gebe unter diesen Vertretern der Wirbellosen, die zur Ordnung der Spinnentiere gehören, „mindergiftige“, für den Menschen ungefährliche, was für die allermeisten Arten zutreffe, und nur einige sehr giftige, für den Menschen gefährliche. Aber giftig im Sinne von gefährlich für andere Tiere seien eigentlich alle.

Und trotz allem: Für Laien, und das sind wohl die allermeisten, ist stets Vorsicht im Umgang mit Skorpionen geboten. Schneider hat früher selbst welche gehalten beziehungsweise gezüchtet. Zwei Familien seien da gebräuchlich, Buthidae (die größte mit rund 900 Arten, etwa 20 davon mit auch für den Menschen tödlichem Gift) und Scorpionidae (etwa 160 Arten, vor allem die großen Kaiserskorpione sind beliebt als Terrarientiere, bei den meisten Arten ist das Gift relativ harmlos, bei einigen ist es auch für den Menschen gefährlich).

 Woher kommt bei ihm die Faszination für diese exotischen Tiere? „Das kann ich gar nicht sagen, die war bei mir schon als Kind da“, meint Schneider, der zu Hause in Ilsfeld-Abstatt vor allem Schlangen hält. Mit zwölf bekam er seine erste Königsphython, das sei eigentlich, das Standardtier, mit dem man anfange. Mittlerweile habe er selbst einen halben Zoo daheim. Die Frage nach dem Grund für seine Faszination könne man durchaus auch Leuten stellen, die Pferde halten oder Fische in einem Aquarium, meint Schneider.

Sein Tipp: Erst mal sich beraten lassen, herausfinden, was man eigentlich will

Welchen Rat hat er für Anfänger? Also, erst mal zu ihnen, ins Fachgeschäft kommen, sich beraten lassen, um herauszufinden, „was das Richtige für einen ist“. Echsen eigneten sich sehr gut als „Einstieg“ – wegen ihrer höheren Intelligenz mehr als Schlangen, wobei es auch bei denen Unterschiede gebe, Schlange nicht gleich Schlange sei –vor allem Leguane, die man sogar soweit bringen könne, auf den Namen, den man ihnen gibt, zu hören, und einem aus der Hand zu fressen. Echsen bräuchten viel Aufmerksamkeit, Schlangen eher nicht. „Das ist also auch eine Frage, was man selbst will, haben möchte.“ Nicht zuletzt sei das Ganze auch eine Platzfrage.

ATP hat auch Schlangen und Vogelspinnen im Sortiment. Eine von diesen nimmt er auf die Hand, gestatten, „Brunhilde“, die aus Amerika stammt, auch diese sei vom Wesen, ihrer sehr ruhigen Art geeignet für Anfänger. Er hat ein Tattoo von ihr auf dem Handrücken. „Berta“ dagegen hat mehr Temperament, „die ist nicht so gemütlich“. Beide haben wenig Gift, sind zwar für Insekten gefährlich, aber nicht deswegen. Schneider betreibt hier aber kein Marketing, denn die beiden sind nicht zu verkaufen, sie sind nämlich seine Vorzeigetiere bei Vorträgen in Schulen und Kindergärten.

Deutlich mehr Vorsicht ist bei einer asiatischen Baumvogelspinne angesagt: „Die kann einen schon mal für zwei Wochen außer Gefecht setzen.“ Aber, betont er: In den vergangenen zehn Jahren sei er noch nie von einem Skorpion oder einer Vogelspinne gestochen worden. Gewusst wie, sei halt das A und O beim Halten dieser Tiere, zum Beispiel wann, bei wem, man am besten eine Pinzette verwendet, es also nicht mit der Hand anfasst.

Der berühme Pfeilgiftfrosch nimmt das Gift durch die Nahrung auf

Oder anderes Beispiel: der berühmt-berüchtigte Pfeilgiftfrosch. Der ist nicht selbst giftig, sondern nimmt das Gift über die Nahrung auf, verteilt es über seine Drüsen in der Haut auf seinem Körper, wird erst dadurch, durch Berührung mit ihm, also giftig. Noch ein Tier, das tödlich sein kann: die Skorpion-Krustenechse, eine der wenigen Echsen, die Gift produzieren (ein Toxin in den Unterlippendrüsen, das zu den Zähnen des Unterkiefers weitergeleitet wird).

Vom sehr giftigen Gelben Mittelmeerskorpion (mit fünf auffälligen Streifen auf dem Rücken) haben sie auch ein Exemplar hier. Dessen Gift kann aber auch „gemolken“ werden, bestimmte Proteine daraus separiert und in der Medizin beim Behandeln von Tumoren eingesetzt werden.

ATP, das, wenn man so will, eine eigene Welt für sich ist, liegt ziemlich unscheinbar an der Steinacher Ortsdurchfahrt. Aber der Einzugsbereich geht weiter über den Teilort und Berglen hinaus, die Kunden kämen teilweise sogar aus Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Aalen, so Schneider.

Was macht eigentlich der Skorpion, den jüngst ein Winnender Ehepaar unfreiwillig, als blinden Passagier im Gepäck, aus dem Urlaub in der Toskana mitgebracht hat? Es bekam daraufhin den Tipp, den kleinen, aber womöglich nicht ungefährlichen Gast, mittlerweile Waldemar genannt, zum Aquaristik-Terraristik-Fachgeschäft (ATP) in Steinach zu bringen. Dort war er willkommen und wurde unter seinesgleichen aufgenommen, in einer Box mit Sand, Futter (Heimchen und Heuschrecken) und Wasser. Die

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