Berglen

Aus für Whisky „Glen Buchenbach“: Gericht urteilt gegen Waldhornbrennerei

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Den Whisky aus Oppelsbohm gibt's weiterhin, doch zukünftig muss er anders heißen. © Gabriel Habermann

Es ist vorbei mit dem „Glen Buchenbach“. Der schon mehrfach ausgezeichnete schwäbische Whisky der Waldhornbrennerei Klotz aus Oppelsbohm muss zukünftig anders heißen. Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg hat geurteilt, Familie Klotz hat das Urteil akzeptiert, ist zwar enttäuscht, zaubert aber einen neuen Namen und einen neuen Slogan.

„Wir lassen uns das Whisky-Brennen nicht verbieten“, sagte Jürgen Klotz von der Oppelsbohmer Waldhornbrennerei noch am morgen. Und so ist’s auch nach der Urteilsverkündung, die die schwäbischen Whiskymacher allerdings nicht vor Ort miterlebt haben. Dass der schottische Whisky-Gigant, die Scotch Whisky Association, sich durchgesetzt hat, haben sie dennoch gleich erfahren. Und machen sofort öffentlich: Dann heißt der Hochprozenter in Zukunft halt „Buchenbach Gold“.

Den "Glen" will sich Jürgen Klotz nicht nehmen lassen

„Uns war es wichtig, das Wort Buchenbach zu erhalten. Das ist der Bach vor unserem Haus. Und Gold fanden wir passend, weil unser Whisky flüssiges Gold ist“, erklärt Klotz. Den „Glen“ will er sich dennoch nicht nehmen lassen. Und da die Bezeichnung nur für Whisky tabu ist, wird künftig der Gin des Hauses „Glen Buchenbach“ heißen. Und jede Spirituose aus der Waldhornbrennerei bekommt auf dem Etikett den Zusatz „Aus dem verbotenen Tal“.

Das Urteil ist der Schlusspunkt eines Jahre währenden Rechtsstreits. „Wir respektieren und akzeptieren das Urteil selbstverständlich – aber wir verstehen es nicht“, sagt Jürgen Klotz. Doch dass die Schotten aller Wahrscheinlichkeit nach gewinnen, hatten die Oppelsbohmer längst geahnt. Schon im Februar 2019 entschied das Landgericht Hamburg, dass das Wort „Glen“ eine schottische Herkunft assoziiere.

Die Enttäuschung ist dennoch groß: „Wir haben zahlreiche sehr gute und schlüssige Belege geliefert, dass das Wort Glen, eine Bezeichnung für Tal, nicht schottischer Herkunft ist und deshalb auch keine schottische Herkunft damit verbunden werden kann“, sagt der Rechtsanwalt der Waldhornbrennerei, Sven Mühlberger. „Diese Argumente und die Sachlage hätten auch eine andere Entscheidung gerechtfertigt.“

Das Gericht urteilt: "Glen" ist eine unzulässige Anspielung

Das Gericht erklärt in seiner Urteilsbegründung, dass durch die Angabe „Glen“ in „Glen Buchenbach“ eine unzulässige Anspielung auf die geschützte geografische Angabe „Scotch Whisky“ vorliege. „Die Angabe ,Glen‘ in ,Glen Buchenbach‘ ruft aus Sicht des europäischen Durchschnittsverbrauchers einen unmittelbaren gedanklichen Bezug zu Waren hervor, die die geschützte geografische Angabe ,Scotch Whisky‘ tragen, wenn diese Angabe – und das ist der Streitgegenstand – auf einem Whisky angebracht ist.“ Zwar existierten, so das Gericht, auch Glen-Whiskys, die nicht Scotch Whiskys seien, das seien aber nur vereinzelte. Dazu zählen die Whiskys „Glendalough“ aus Irland, „Glen Breton“ aus Kanada und „Glen Fargo“ aus Amerika. Die Scotch Whisky Association hat jedoch, so die Ausführungen des Gerichts, relevante Verkaufszahlen dieser Whiskys in Deutschland und im Gebiet der Europäischen Union bestritten und deswegen nicht gegen sie geklagt. Gegen die deutschen Whiskys „Glen Idis“ aus Coburg und „Glen Els“ aus dem Harz sei die Scotch Whisky Association dagegen bereits erfolgreich vorgegangen.

Die Auseinandersetzung dauerte fast ein Jahrzehnt

Die Auseinandersetzung zwischen der kleinen Berglener Waldhornbrennerei und der Scotch Whisky Association dauerte fast ein Jahrzehnt und ging zwischenzeitlich bis vor den Europäischen Gerichtshof. Mitte 2013 war es, als sich die Scotch Whisky Association, ein „Whisky-Goliath mit Milliardenumsatz“, wie die Agentur der Waldhornbrennerei formuliert, via Anwaltsschreiben beim „Brennerei-David“ aus Berglen meldete. Der Familienbetrieb wehrte sich daraufhin neun Jahre gegen die Schotten. „Aber der Gegner ist einfach übermächtig und verfügt über mehr Mittel“, sagt Jürgen Klotz.

Allerdings: Dank dieses die Gemüter erregenden und die Zeitungsseiten füllenden Verfahrens ist der Oppelsbohmer Whisky auch unter Menschen, die keine Whisky-Fans sind, und weit über die Berglener Grenzen hinaus bekannt geworden. „Die beste Werbung für deutschen Whisky macht die Scotch Whisky Association“, spöttelt Jürgen Klotz. Bis zum 31. März darf er die Restbestände noch unter dem Namen „Glen Buchenbach“ verkaufen. Zum 1. April dann bekommt das umkämpfte Destillat seinen neuen Namen, und aus dem schönen Buchenbachtal wird das „verbotene Tal“. Klingt magisch. Und ist kein Aprilscherz.

Es ist vorbei mit dem „Glen Buchenbach“. Der schon mehrfach ausgezeichnete schwäbische Whisky der Waldhornbrennerei Klotz aus Oppelsbohm muss zukünftig anders heißen. Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg hat geurteilt, Familie Klotz hat das Urteil akzeptiert, ist zwar enttäuscht, zaubert aber einen neuen Namen und einen neuen Slogan.

„Wir lassen uns das Whisky-Brennen nicht verbieten“, sagte Jürgen Klotz von der Oppelsbohmer Waldhornbrennerei noch am morgen. Und so ist’s auch

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