Berglen

Aus Schafwolle wird Dünger: Der Rettersburger Jochen Blessing lässt den nachwachsenden Rohstoff zu Pellets verarbeiten

Dünger aus Schafwolle
Auch gut zur Schneckenabwehr. © ALEXANDRA PALMIZI

„Was macht man mit der Wolle?“ Das sei das Problem – und die Frage, die Jochen Blessing stellt und auch gleich selbst so beantwortet: Einmal im Jahr muss man/er die/seine Schafe scheren. Die nächstgelegene Ablieferstation ist in Welzheim. Dort bekomme er 50 Cent fürs Kilo. Pro Schafe fallen etwa drei Kilo an, macht also 1,50 Euro. Der Schafscherer aber koste ihn alleine schon drei Euro. Klar sage jetzt jeder, ja, da macht man halt Socken und Pullover draus. Diese Weiterverarbeitung sei heutzutage aber nur noch schwer bis kaum zu vermarkten, so Blessing. Die Discounter mit ihrer Billigbaumwollware seien da aber eine übermächtige Konkurrenz. Die Alternative sei angesichts dessen für ihn gewesen, die Wolle als „Sondermüll“ auf die Deponie zu bringen, sie also auf eigene Kosten zu entsorgen. Bis, ja bis er von seinem Schafscherer den Tipp bekommen habe: Schafwolle als Dünger.

Hier kommt nun Peter Elsäßer, Naturparkführer und wie Blessing aktiv in der Berglener Streuobstinitiative, ins Spiel. Nämlich mit dem Anliegen, Schafe zum Beweiden eben auch in Streuobstgebieten einzusetzen, sozusagen als Unternutzung dort, wie es einst durchaus üblich gewesen sei. Das erspare den Besitzern der Stückle das Mähen, wenn man die Schafe zweimal im Jahr drauf lasse. Elsäßer betont außerdem die Natürlichkeit, den ökologischen Nutzen des Schafwolldüngers, der ohne jegliche Zusatzstoffe sei. Drittens sei dies ein Langzeitdünger. Damit etwa die Pflanzen im Balkonkasten im Frühjahr einmal zu düngen, reiche fürs ganze Jahr, weil dieser Dünger seine Nährstoffe sehr langsam abgebe. Aus dem gleichen Grund bestehe nicht die Gefahr zu überdüngen und die wasserspeichernden Pellets könnten sehr sparsam eingesetzt werden. Schafwolle könne nämlich bis zu einem Drittel ihres Gewichts an Wasser aufnehmen und diene so als Wasserspeicher für die Pflanze.

Vollständig organisch und zu 100 Prozent abbaubar

Die Nährstoffzusammensetzung sei ähnlich wie bei Horndünger und sei ideal für fast alle Pflanzen, vor allem für Gemüse- und Beerenpflanzen, ausgenommen Moorbeetpflanzen wie Azaleen oder Heidelbeeren oder Rhododendron, der auf sauren Böden wächst. Dieser Dünger sei, weil vollständig organisch und damit zu 100 Prozent abbaubar, für Bio- und Demeterlandwirtschaft zugelassen, so Elsäßer weiter. Wenn man die Düngerpellets lückenlos um die Pflanzen herumlege und angieße, eigneten sie sich zudem hervorragend zur Schneckenabwehr, weil die ungebetenen Gäste Schafwolle mieden. Die Pellets bewahrten nämlich deren typischen Eigengeruch. Der Dünger sei also für Gartenbesitzer interessant. Eines sind die Pellets aber nicht: Zum Verzehr geeignet, sie sollten also außerhalb der Reichweite von Kindern sicher gelagert werden.

Das Kilo kostet neun Euro

Blessing hat etwa 50 Mutterschafe und einen Bock derzeit in Unterstand und Stall auf seiner Hofstelle zwischen Rettersburg und Linsenhof stehen. Im Zeitraum April/Mai steht die Schur an. Natürlich denkt er bereits weiter, nämlich an eine Wollesammelstation dort. Je mehr Interessierte mitmachen, auf den Zug aufspringen, umso wirtschaftlicher wird es. Er vermarktet die Düngepellets aus seiner eigenen Schafschurwolle das Kilo zu neun Euro. Dazu aus der Wolle weiterverarbeitet werden sie in Beuren. Bei allem Idealismus, den man da aufbringe, müsse das Ganze eben auch wirtschaftlich sein, betont Blessing. Da muss er allerdings lachen: Also davon leben, überhaupt von seiner Schafhaltung, könne er natürlich nicht, aber doch seinen Teil zum Kreislauf beitragen.

Während des Interviews vor Ort kommt eine Mutter mit ihren zwei Buben vorbei, Besuch für die Schafe. Sie sind nicht zum ersten Mal da und als die Mama nach einer Weile wieder loswill, sind die Jungen kaum wegzukriegen von den Tieren. Streichelzoo, das wäre noch so eine Idee.

Laut den Pelletsherstellern in Beuren, Frank Adolf und Sabine Laubengeiger, die auch selbst vermarkten und die Wolle aus den umliegenden Gemeinden beziehungsweise aus dem Neuffener- und dem Kirchheimer Tal bekommen, hält die Düngewirkung sechs bis zehn Monate an. Je nach Größe würden bei Grün- und Blühpflanzen zehn bis 30 Gramm benötigt (ein Esslöffel entspricht etwa zehn Gramm). Bei Gemüsesorten zwischen 50 und 120 Gramm je Quadratmeter, bei Obst- und Beerengehölzen 120 bis 140 Gramm je Gehölz.

„Was macht man mit der Wolle?“ Das sei das Problem – und die Frage, die Jochen Blessing stellt und auch gleich selbst so beantwortet: Einmal im Jahr muss man/er die/seine Schafe scheren. Die nächstgelegene Ablieferstation ist in Welzheim. Dort bekomme er 50 Cent fürs Kilo. Pro Schafe fallen etwa drei Kilo an, macht also 1,50 Euro. Der Schafscherer aber koste ihn alleine schon drei Euro. Klar sage jetzt jeder, ja, da macht man halt Socken und Pullover draus. Diese Weiterverarbeitung sei

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