Berglen

Berglen betreibt Kläranlage weiter, muss sie aber dringend modernisieren

Kläranlage Erlenhof
Der Anlage beim Erlenhof schlägt zwar nicht die Stunde, aber sie muss in den kommenden Jahren erheblich modernisiert werden, was Millionen kosten und sich in steigenden Abwassergebühren niederschlagen wird. © Gabriel Habermann

Die Gemeinde Berglen wird ihre Kläranlage beim Erlenhof und damit die Abwasserreinigung in eigener Hand nicht aufgeben. Sie wird sich also nicht dem Zweckverband von Winnenden und Leutenbach (ZAB) anschließen, der das Klärwerk bei Weiler zum Stein betreibt. Das hat der Gemeinderat auf Empfehlung der Verwaltung in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen und damit auch, dass die Gemeinde weiterhin viel Geld in die Hand nimmt, um die Anlage zu modernisieren, zu ertüchtigen.

Allerdings eben deutlich weniger als bei einem Anschluss. Das haben umfangreiche, aufwendige Kostenvergleiche und Wirtschaftlichkeitsberechnungen samt Machbarkeitsstudie ergeben. Diese erhebliche Differenz ist ausschlaggebend für die Entscheidung. Bürgermeister Holger Niederberger verweist auf Nachfrage darauf, dass es zunächst so ausgesehen habe, als sei die Anschluss-Variante die wirtschaftlichere. Neue Ergebnisse im Laufe der Untersuchungen hätten allerdings gezeigt, dass dem nicht so sei. Nicht nur, aber mit eine Rolle spiele dabei die fällige Ausgleichszahlung (für in den letzten Jahren erfolgte Investitionen in die dortige Kläranlage) von Berglen bei einem Beitritt zum ZAB. Noch mehr falle ins Gewicht, dass auf die Frage, ob die Gemeinde auch im Falle der Entscheidung für die unwirtschaftlichere Variante Fördermittel vom Land erhalte (Umbau der Kläranlage zu einem „nur“ noch Regenüberlaufbecken), das Regierungspräsidium klar „Nein“ gesagt habe.

Bürgermeister: Die Anlage ist in keinem guten Zustand

Niederberger räumt ein, dass der Anschluss und damit die Weiterleitung des Abwassers aus Berglen zu einer größeren Kläranlage, dessen Reinigung dort, die ökologischere Lösung gewesen wäre. Die Sanierung und Modernisierung der bestehenden Berglener Kläranlage sei aber eben deutlich wirtschaftlicher. Niederberger betont auch die Dringlichkeit der Entscheidung und der durch sie getroffenen Klarheit, dass die erforderlichen Maßnahmen nun angegangen werden. Angesichts deren Umfangs „wird es nämlich sehr lange dauern, bis die Anlage in einem Zustand sein wird, in dem sie sein muss“. Letztlich habe man eine Entscheidung treffen müssen, ohne eine wirkliche Wahl zu haben. Mit der getroffenen Entscheidung bekomme man eine gewisse Kostensicherheit, was noch alles auf die Gemeinde zukomme: „Wir können also da selbst ein Auge drauf haben.“ Bei einem Anschluss an den ZAB hätte es dagegen gewisse Risiken, Unwägbarkeiten gegeben.

Dass allerdings auch so Berglen viel Geld in die Hand wird nehmen müssen, sei klar, auch das hätten die Untersuchungen ja gezeigt, so Niederberger. Vor allem aber müsse künftig kontinuierlich auch in die Instandhaltung der Anlage investiert werden. Das Gleiche gelte für das Kanalnetz. Im Gemeinderat sei bei der Beratung zum einen vom Sprecher der BWV-Fraktion Armin Haller der Fokus darauf gerichtet worden, dass die Gemeinde weiterhin eine eigene Kläranlage hat, zum anderen vom Sprecher der FBB-Fraktion Oliver Klenk, dass die Gemeinde damit alles selbst in der Hand habe. Die Sprecherin der SPD Susanne Reichart habe zwar von der, perspektivisch gesehen, „nur“ zweitbesten Lösung aus ökologischer Sicht gesprochen, die aber akzeptabel, auch in Ordnung sei und die die Fraktion deshalb mittragen könne.

In Betrieb seit 1977, mehrfach Um- und Ausbau seither

Die Berglener Kläranlage wird seit 1977 betrieben, ist also mittlerweile 44 Jahre alt. Das von ihre gereinigte Abwasser aus den 16 Teilorten und den Gruben in den nicht ans Kanalnetz angeschlossenen Oberweiler, Drexel-, Linsen- und Kieselhof wird in den vorbeifließenden Buchenbach eingeleitet. Es gab in dieser Zeit mehrere, über die Jahren hinweg verteilte Abschnitte mit Umbau- und Ausbaumaßnahmen, Optimierungen, die zum Teil sehr kostenträchtig waren und die nicht alle die versprochene Verbesserung brachten, vorsichtig formuliert.

Untersuchung durchs gleiche Fachbüro, das die ZAB-Anlage betreut

Weitere Sanierungen und Ertüchtigungen sind erforderlich, ja dringend. Vor mittlerweile vier Jahren regte die Verwaltung allerdings an, nicht umgehend in deren Planung einzusteigen, sondern zunächst nach anderen Lösungen zu suchen, nach einer Alternative, insbesondere den Anschluss an eine andere Kläranlage in der Raumschaft. Wobei dafür eigentlich nur die des ZAB infrage kam. Die Frage war also, ob dieser Anschluss möglich ist und wenn ja, ob er wirtschaftlicher wäre als die Ertüchtigung der bestehenden Kläranlage.

Mit den Untersuchungen dazu hat die Gemeinde das gleiche Ingenieurbüro beauftragt, das auch die ZAB-Kläranlage betreut, dieses also bestens kennt, damit deren Kennziffern bereits zur Hand hatte. Ergebnisse wurden dem Gemeinderat dreimal nichtöffentlich vorgestellt, Ende 2018, Anfang 2020 und im November vergangenen Jahres.

Als Ausgleichszahlung, im Fall eines Beitritts Berglens zum ZAB, wären knapp 4,2 Millionen Euro fällig. Inklusive dieser geht das Büro bei einem Anschluss von Investitionskosten von insgesamt rund 22,5 Millionen Euro aus, beim Fortbestand der Berglener Kläranlage von rund 10,5 Millionen Euro. Die jährlichen Betriebskosten wären beim Anschluss etwa 140.000 Euro niedriger. Mit dem Vergleich der Jahreskosten und dem „Projektkostenbarwertvergleich“ kommt das Büro zu dem Ergebnis, dass unter Berücksichtigung der Ausgleichszahlung an den ZAB der Anschluss an dessen Klärwerk auf 30 Jahre hin betrachtet um fast sieben Millionen Euro unwirtschaftlicher wäre als der Fortbestand und die Instandsetzung beziehungsweise Ertüchtigung der Berglener Kläranlage.

Für den Buchenbach wäre die Aufgabe der Anlage beim Erlenhof besser

Dieser „monetären“ Betrachtung steht der „gewässerökologische“ Vorteil gegenüber, den der Anschluss bedeuten würde, dass nämlich mit ihm es im Buchenbach von seinem Ursprung an der Markungsgrenze zu Rudersberg bis zur Anlage bei Weiler zum Stein künftig keine Einleitungen mehr gäbe. Allerdings wird auch die nun beschlossene Ertüchtigung der Berglener Anlage, ihre Modernisierung und damit verbesserte Reinigungsleistung (weniger Schadstoffe werden eingebracht) dem Buchenbach nutzen. Das RP sieht allerdings aufgrund der großen Differenz bei den Kosten diesen Aspekt im Hintergrund und damit eine Förderung auch des Anschlusses als nicht möglich an.

Die Gemeinde Berglen wird ihre Kläranlage beim Erlenhof und damit die Abwasserreinigung in eigener Hand nicht aufgeben. Sie wird sich also nicht dem Zweckverband von Winnenden und Leutenbach (ZAB) anschließen, der das Klärwerk bei Weiler zum Stein betreibt. Das hat der Gemeinderat auf Empfehlung der Verwaltung in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen und damit auch, dass die Gemeinde weiterhin viel Geld in die Hand nimmt, um die Anlage zu modernisieren, zu

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