Berglen

Berglener Gesangverein hat kaum noch Stimmen: Sängerlust Steinach löst sich auf

sängerlust
Beim Ausflug nach Graz 2011. © privat

Die „Sängerlust“ Steinach tritt in Würde, mit einer guten Tat, ab: Der Backnanger Kinder- und Jugendhospizdienst erhält aus dem Vereinsnachlass 1500 Euro gespendet. So ganz endgültig ist das „Ableben“ allerdings (noch) nicht. Den monatlichen, geselligen Treff – jeweils am letzten Montag – im Vereinsheim der Eintracht Rettersburg soll es weiterhin geben. Kann gut sein, dass da zwischendrin auch gesungen wird. Und man werde außerdem immer wieder mal gemeinsam essen gehen, versprechen die beiden Vorsitzenden Paul Frank (zusätzlich Schriftführer) und Bernd Pilz (außerdem Kassierer). Die langjährigen sozialen Kontakte sollen erhalten bleiben, wobei es eigentlich schon längst um Freundschaften geht.

Die beiden jüngsten Sänger sind 70 und 74

Der Sängerlust geht es wie vielen anderen Gesangvereinen und Chören: Die, die noch da sind, werden immer älter und Jüngere kommen keine nach. Frank, 74, und Pilz, 70, sind die beiden Jüngsten und müssen darüber selbst schmunzeln. „Die meisten anderen bei uns sind zwischen 80 und 90.“ Aber so viele sind sie ohnehin gar nicht mehr. Seit zwei Jahren haben sie keinen Dirigenten mehr und treten auch nicht mehr selbstständig auf. Sie könnten es auch nicht, „wir sind einfach nicht mehr singfähig“, meint Pilz mit trockenem Humor, schließlich braucht es für Chorgesang zumindest vier Stimmen – Bass und Tenor, Alt und Sopran – und darüber verfügen sie nicht mehr, bei vier verbliebenen Frauen und vier restlichen Männern ist die Bandbreite zu eng: „Das bekommen wir nicht mehr hin.“

In seiner Not ist der Verein schon vor 15 Jahren eine Verbindung mit der Eintracht Rettersburg eingegangen, hat für Auftritte eine Chorgemeinschaft gebildet, was bis vor etwa zwei Jahren noch leidlich funktionierte, dann gab Corona ihnen sozusagen vollends den Rest, „brach uns vollends das Kreuz“, so Pilz. Es gab noch ein Problem: Das bisherige Arrangement, abwechselnd in Rettersburg, im Sommer im dortigen Vereinsheim, im Winter im Bürgersaal im neuen Feuerwehrgerätehaus in Steinach, zu üben, platzte, als notgedrungen, um den Bedarf an Betreuungsplätzen decken zu können, die Gemeinde den Saal zum Kindergarten machte. Von da an ist das Vereinsheim ganzjährig die Übungsstätte gewesen.

Immerhin kommen bei den Treffen so um die 20 Leute zusammen, von beiden Vereinen wohlgemerkt, wobei die offen, also Neulinge auch künftig stets willkommen sind, Interessierte dürfen jederzeit gerne vorbeischauen. Ob die auch aus dem Neubaugebiet Hanfäcker kommen werden, bezweifeln Frank und Pilz aber. Dort seien vor allem junge Familien mit kleinen Kindern, die hätten vorerst zumindest andere Interessen und Sorgen. Ja, es gab mal einen Versuch der Verjüngung, der „Junge Chor“, aber das war nicht von Dauer.

Das Jubiläum zum 100. Geburtstag ließ Corona nicht zu

Die „Sängerlust“ wurde 1920 gegründet, eigentlich hätte also 2020 der Hundertjährige gefeiert werden können, aber die Pandemie schob auch bei ihnen dem Jubiläum einen Riegel vor. Pilz, seit seiner Pensionierung bei der Berufsfeuerwehr in Stuttgart, seit zehn Jahren dabei, ist eigentlich noch ein Frischling im Vergleich zu Frank, der seit einem halben Jahrhundert im Verein ist. Als er anfing, seien sie noch etwa 40 (männliche) Sänger gewesen, erinnert er sich. Die Stärke hätten sie in etwa noch bis vor rund 20 Jahren halten können. Damals gab es auch einen Frauenchor, der in den Verein integriert wurde, mit einer eigenen Dirigentin. Die Proben waren nacheinander, waren die Frauen fertig und gingen nach Hause, kamen die Männer und legten los. Marlis Palm schließlich brachte alle in einem gemischten Chor unter ihre Fittiche und führte den schließlich mit der Eintracht zusammen, anfangs noch in 14-tägigem Wechsel des Probenorts.

Zeltfeste, Fahneneinmärsche: Erinnerungen an bessere Zeiten

Frank erinnert an die Zeltfeste, die Fahneneinmärsche der Vereine, auf dem Festplatz im Erlenhof, oder die Vatertage oben am Waldspielplatz Kottweil oder die Chorvorträge in der Steinacher Halle. Pilz stimmt in den wehmütigen Abgesang ein: Wieder gehe ein Stück Kultur und Geschichte verloren. Als er einst nach Steinach zog, da sei man zur Feuerwehr und zum Gesangverein gegangen, „damit hat man zum Flecken gehört“, ergänzt Frank. Die ersten Auflösungserscheinungen habe es aber bereits nach der „Zusammenlegung“ gegeben. Also, der Gemeindereform wohlgemerkt, mit der Aufgabe der Selbstständigkeit der bisher neun Gemeinden. Da hätten schon welche nicht mehr mitgemacht, seien also nicht bereit gewesen, in andere Teilorte mitzugehen. Wenn man bedenke, dass das ein halbes Jahrhundert her sei, habe der Verein doch ziemlich lange durchgehalten. „Wir haben ja auch noch lange mehrtägige Jahresausflüge gemacht.“ Oder bis vor sechs Jahren noch das Kirbefest.

Noch mal zur Spende an Sternentraum: Der Beschluss dazu bei der jüngsten (letzten) Hauptversammlung war einstimmig, ebenso der, den Verein innerhalb der nächsten zwei Jahre aufzulösen. „Ein Gesangverein ohne Sänger geht halt nun mal nicht“, fasst Frank zusammen. Na ja, sie hätten ja immer noch das Vereinsheim für die Treffen und es gebe ja immer noch die Leute dafür, sieht Pilz das Glas wenigstens halbvoll. Freilich, stimmt Frank zu, Steinach und Rettersburg bräuchten sich gegenseitig, die einen, also sie, eben einen ein bisschen mehr. Aber das Verhältnis sei eh bestens, die Vorstände kennten sich schon ewig. Und Pilz schaut schon vorwärts: Am 26. Juni wird es wieder

Die „Sängerlust“ Steinach tritt in Würde, mit einer guten Tat, ab: Der Backnanger Kinder- und Jugendhospizdienst erhält aus dem Vereinsnachlass 1500 Euro gespendet. So ganz endgültig ist das „Ableben“ allerdings (noch) nicht. Den monatlichen, geselligen Treff – jeweils am letzten Montag – im Vereinsheim der Eintracht Rettersburg soll es weiterhin geben. Kann gut sein, dass da zwischendrin auch gesungen wird. Und man werde außerdem immer wieder mal gemeinsam essen gehen, versprechen die

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