Berglen

Berglenerin trainiert für die EM im Dogdancing

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Beim Stichwort „Katze“ springt Carmen Schmids Cairn-Terrier Yedi auf ihren Rücken, für Gimli ist dort dann kein Platz mehr, um auch fürs Foto zu posieren – nicht, dass er es nicht versucht hätte. © Ramona Adolf
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Dog Dancing
Beim Stichwort „Katze“ springt Carmen Schmids Cairn-Terrier Yedi auf ihren Rücken, für Gimli ist dort dann kein Platz mehr, um auch fürs Foto zu posieren – nicht, dass er es nicht versucht hätte. © Palmizi / ZVW
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Dog Dancing
Beim Stichwort „Katze“ springt Carmen Schmids Cairn-Terrier Yedi auf ihren Rücken, für Gimli ist dort dann kein Platz mehr, um auch fürs Foto zu posieren – nicht, dass er es nicht versucht hätte. © Palmizi / ZVW

Berglen. Der kleine Hund geht nicht einfach neben Carmen Schmid her – nein, er schwingt die Vorderbeine gestreckt von sich, die Brust erhoben, der Blick nach oben zum Frauchen. Bei Pferden heißt diese Gangart Piaffe. Bei Gimli ist es Ausdruck purer Vorfreude auf eine Trainingseinheit Dogdance. Eine Sportart, bei der die Tiere die Choreografie quasi selbst erfinden.

Klar hat auch Hundetrainerin Carmen Schmid aus Berglen noch was zu sagen, aber das Grundprinzip beim Dogdance (Hundetanz) ist es, zuerst den Hund etwas anbieten zu lassen. Das ist es, was der 52-Jährigen und ihren zwei Cairn-Terriern Gimli (12) und Yedi (7) so gefällt. „Rückwärtsgehen, Rollen oder Springen sind ganz natürliche Bewegungen. Bei Gimli habe ich erst nach fünf Jahren Dogdancing Figuren von mir dazugenommen.“ Aber woher weiß der Hund, wann er was machen soll? Ein schönes Erklärbeispiel ist die Geschichte von Yedi und dem Scharren.

Yedi dachte, Frauchen findet es toll, wenn er neben einem Baum steht

Terrier Yedi scharrt immer kräftig und ausgiebig mit den Hinterfüßen, wenn er sein Pipi an einen Baum gesetzt hat. Daraus kann man was machen, denkt sich sein Frauchen und macht ein knackendes Geräusch mit einem Klicker, wann immer er scharrt. Er weiß, dass das Klicken bedeutet: „Das jetzt gerade hast du gut gemacht. Gleich gibt es eine Belohnung.“ Yedi hat aber eine Weile gebraucht, um zu verstehen, was Carmen Schmid so belohnenswert fand. Pipi machen konnte es ja wohl nicht sein, also stellte sich der Hund ständig neben Bäume und schaute sein Frauchen erwartungsvoll an. Nix gab’s. Stattdessen wurde der Gassigang auf einen baumfreien Weg verlegt. Als er dann richtig verinnerlicht hat, dass es das Scharren ist, wofür er belohnt wird, konnte sie die Bewegung mit einem Sprachkommando verbinden.

„Hunde brauchen Abwechslung. Es soll spannend sein, aber so, dass sie leicht ein Erfolgsgefühl haben. Wenn der Lernschritt zu groß ist, fängt Gimli an, es ganz wild und verzweifelt zu probieren, und Yedi hört frustriert auf.“ Ganz unterschiedlich sind die beiden Hunde, und herrlich sind die Geschichten, die Carmen Schmid von ihnen erzählt. Gimli etwa hat sich nach Turnieren ganz gerne totgestellt, sich also still auf dem Boden gelegt oder sich in ihrem Arm so richtig schlaff hängen lassen. Daraus hat Carmen Schmid eine Choreografie gemacht, die sie 2012 bei Crufts, der weltgrößten Hundeshow in England, aufgeführt hat.

„Können Sie ihn bitte mal sterben lassen?“

Zu dem Stück „In der Halle des Bergkönigs“ von Edvard Grieg hat Gimli sich passend zur Steigerung der Musik immer schneller gerollt, bis er kurz vor Ende starb. 9000 Zuschauer applaudierten, während sie den sich tot stellenden Hund in ihrem Arm herumtrug. Dass er dabei still blieb, hatte sie in ihrer Garage mit lärmenden Freunden geübt. Das Publikum in England verstummte betroffen, als der Kleine wider Erwarten nicht sofort wieder lebendig wurde, sondern Carmen Schmid ihn auf einen Fels niederlegte und selbst den Blick senkte. Sie sah nicht, weshalb plötzlich alle kicherten – Gimli hatte nur für eine Sekunde den Kopf hochgehoben und ins Publikum geguckt. Noch Tage später sprachen Engländer, die die Show im Fernsehen verfolgt hatten, sie an: „Oh, der Hund ist so toll. Können Sie ihn bitte mal sterben lassen?“

Dass Gimli, der als Welpe krank und winzig war, viele Menschen begeistern kann, ist für Carmen Schmid das Größte. „Ich messe den Erfolg nicht an Preisen bei fünf Turnieren pro Jahr, sondern an dem Spaß, den die Hunde beim Training haben, an den Fortschritten, die sie machen, und an der Beziehung zwischen mir und dem Tier.“ Sie freut sich natürlich, dass sie sich jetzt für die EM qualifiziert hat, ihren wichtigsten Preis hat sie aber schon: 2013 war Gimli sehr krank und bei einem internationalen Turnier in Freiburg durfte er nur vom Schoß seines Frauchens zuschauen. Als sie spürte, wie gern der Hund mitmachen wollte, fragte sie die Veranstalter, ob die nicht noch irgendeinen Pausenfüller bräuchten. „Gimli und ich haben dann völlig improvisiert einfach nur für uns ein paar Minuten getanzt.“ Nach der offiziellen Siegerehrung kam die Jury auf sie zu. Für ihre bemerkenswerte Teamarbeit hatten sie spontan einen Sonderpreis geschaffen: „Gewinner der Herzen“.

Rutschiges Kostüm

Bei Dogdancing-Turnieren gibt es zwei Disziplinen: In der Disziplin „Heelwork to Music“ muss der Hund 18 Fußpositionen können, in jede Richtung: vorwärts, rückwärts, seitwärts, dazu gibt es viele Figuren. Hund und Mensch bewegen sich im Takt, machen gleichzeitig eine Drehung, der Hund läuft Slalom durch die Menschenbeine, tanzt mit seinen Pfoten auf ihren Füßen. In der Disziplin „Freestyle“ kann man kreativ zeigen, was der Hund am besten kann - apportieren oder wie Gimli: sterben. Die Juroren bewerten in der technischen Note: Ausführung, Inhalt, Schwierigkeitsgrad; in der künstlerischen Note: Teamwork, Dynamik, und Choreografie.

Bei dem Turnier, das für die Qualifikation zur Europameisterschaft Mitte September in Österreich diente, erreichte Yedi einen sehr guten 7. Platz mit der Choreografie zu „Les Passants“ von Zaz.

Mit Gimli zeigte Carmen Schmid bei der Qualifikation erstmalig ihre Choreografie zu „Come fly with me“ von Michael Bublé. Weil ihr Stewardessenkostüm aber leider rutschig war und sie Gimli festhalten musste, damit er nicht von ihrem Rücken rutscht, verpasste sie knapp den dritten Platz und landete auf dem fünften – der immerhin noch der Reserveplatz im Team Germany für die EM ist.

Die erfahrene Trainerin zeigt anderen Hundebesitzern in einem Kurs die Grundlagen des Dogdancing. Bei Interesse einfach eine E-Mail an: carmen.schmid@online.de