Berglen

Berglesbond-Streit landet vor Gericht

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Auf den Bierbänken kommt man sich nahe, manchmal auch gefährlich nahe. Archivbild. © Ramona Adolf

Berglen. Es ist mehr als eine übliche Schubserei gewesen beim Richtfest des Berglesbonds, kurz vor Mitternacht, vor zwei Jahren. Eine der beteiligten Frauen landete unsanft auf dem Boden und schlug sich dabei so den Kopf an, dass sie für kurze Zeit das Bewusstsein verlor. Von ihrer Kontrahentin und deren Freund bekommt sie nun auf Vorschlag von Richterin Christel Dotzauer 2000 Euro Schmerzensgeld.

Es ging los damit, dass in dem allgemeinen Trubel, bei dem es, wie auf dem Wasen, gute Sitte ist, auf die Bierbänke zu klettern und ausgelassenst zu tanzen, sich die beiden Frauen, die mit dem Rücken zueinander standen, zu nahe und damit ins Gehege kamen. Wobei nach den Zeugenaussagen vor Gericht und damals gegenüber der Polizei davon auszugehen ist, dass den Streit die Ältere, eine 34-jährige Berglenerin, in nicht mehr ganz nüchternem Zustand angefangen, ja regelrecht gesucht hat. Die Jüngere, eine 23-jährige Studentin, bekam von ihr immer wieder den Ellbogen in den Rücken, eine Art Revierverteidigung per Rempler. Die auch nicht aufhörte, als die Jüngere Boden preisgab, um Abstand zu gewinnen.

Inhalt eines Bierglases über dem Kopf ausgeleert

Ein Wort gab das andere, vonseiten der Älteren auch die eine oder andere Beleidigung („Barbie“). Dann folgte ein Schubs, der die Jüngere von der Bank auf den Tisch beförderte. Die rappelte sich auf und revanchierte sich, indem sie der Kontrahentin ein Bierglas über den Kopf schüttete, was ihr aber selbst wiederum eine Bierdusche bescherte. Nun griff der Freund der Älteren ein. Der 32-Jährige, ebenfalls aus Berglen, packte zu, mit solchen Folgen, dass die Kapelle, vor deren Bühne sich das alles direkt ereignete, aufhörte zu spielen, der Sicherheitsdienst kam, der wiederum die Polizei alarmierte, ein Krankenwagen für die junge Frau angefordert wurde und diese ins Krankenhaus in Waiblingen kam, mit Abschürfungen, einer leichten Gehirnerschütterung in Folge einer Schädelprellung, einem kurzzeitigen Gedächtnisverlust und eine Woche lang Beschwerden, aber keinen bleibenden Schäden.

Später hatte der Streit noch Strafbefehle gegen den Mann und seine Freundin zur Folge, gegen die beide Einspruch einlegten, so dass das Ganze vor dem Amtsgericht Waiblingen landete, mit der Anklage der gemeinschaftlichen schweren Körperverletzung. Ein Vorwurf, der sich aber in der Verhandlung nicht bestätigte. Insbesondere wurde glaubwürdig, dass der Mann mit seinem Eingreifen eigentlich dem Zoff der Frauen ein Ende hatte setzen wollen, indem er beide runterzog, sein „Schlichtungsversuch“war aber, wenn man so will, ziemlich ungeschickt. Es blieben zudem Zweifel, ob die Angeklagte wirklich die Übeltäterin war, die bei dem folgenschweren zweiten Sturz des Opfers von der Bank mitbeteiligt war. In den Zeugenaussagen war nämlich die ganze Zeit von einer schwarzhaarigen Frau die Rede, die Angeklagte war und ist aber unübersehbar blond.

Der Sachverhalt stelle sich doch anders dar als in der Beweisaufnahme, der den Strafbefehlen zugrunde liege, so der Ankläger schließlich nach den Zeugenaussagen. Es sei sowohl bei der Frau, für den ersten Schubser von der Bank, als auch bei dem Mann nur von einer einfachen Körperverletzungen auszugehen. Diese beiden Straftaten hätten die Angeklagten in der Verhandlung eingeräumt. Es gebe also zumindest ein teilweises Geständnis von ihnen. Dem Mann sei zwar gute Absicht zu unterstellen, sein Einschreiten habe aber eben schwere Folge für das Opfer gehabt. Der Ankläger beantragte für die Frau eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 20 Euro, beim Mann eine von 50 Tagessätzen à 50 Euro, wobei der Unterschied bei den Tagessätzen sich aus dem großen Einkommensunterschied zwischen beiden ergibt.

Salomonischer Richterspruch

Die Wahrheitsfindung vor Gericht litt zum einen darunter, dass die Ereignisse über zwei Jahre her sind, entsprechend fiel es nicht nur den Zeugen schwer, sich genau zu erinnern. Zum andern sind die Zeugen – bis auf einen Angestellten des damals beauftragten privaten Sicherheitsdienstes, der seither viele solcher Vorfälle erlebt hat – alle mit einer der beiden Parteien befreundet. Die Aussagen waren offenkundig entsprechend „gefärbt“, mal mehr, mal weniger. Das Gericht ließ dies aber weise auf sich beruhen.

Auch in der Gerichtsverhandlung gab es ein Eingreifen und den Versuch zu schlichten, allerdings wesentlich überlegter. Nach dem Plädoyer des Anklägers und vor dem des Anwalts, das dann „ausfiel“, meinte die Richterin, man könne das alles durchaus so sehen wie der Staatsanwalt. Man könne aber durchaus auch von einer nur fahrlässigen Körperverletzung ausgehen und damit das Verfahren einstellen, gegen Zahlung eines Schmerzensgelds an das Opfer, damit sei diesem und dem Rechtsfrieden doch mehr gedient als mit einer Verurteilung der beiden Angeklagten, also in dem Falle Geldbußen, die in der Staatskasse landen. Der Vorschlag lautete: Die Angeklagte zahlt 500 Euro ans Opfer, der Angeklagte 1500 Euro. Mit allgemeiner Zustimmung zu diesem salomonischen Richterspruch endete die Verhandlung.