Berglen

Brandschutzunterricht an der Nachbarschaftsschule

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Feste draufhalten, sagt Kommandant Ronald Schmid, so ein Feuerlöscher hält was aus. © Speiser / ZVW
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Großer Empfang bei der Rückkehr: Die Feuerwehrleute stehen Spalier.
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Mit der Trage kann man Verletzte bergen, die Kinder testen gleich mit, wie sich’s in ihr liegt.

Berglen. Punkt 8 Uhr löst Hausmeister Wolfgang Kövilein den Alarm aus, nichts für schwache Nerven, der Heulton geht durch Mark und Bein. Keine Minute später spazieren die ersten Schüler erstaunlich gelassen und geordnet in Zweierreihen die Treppe runter und aus der Nachbarschaftsschule raus. Es soll brennen, im zweiten Stock der Aula, so das Szenario der Übung. Die Räumung der Schule klappt wie am Schnürchen.

An der neuen Sporthalle vorbei läuft die Schülerkette mit ihren Lehrern, alles andere als in Panik, auch nicht einfach über die Straße, sondern nimmt, wie es sich gehört, die Unterführung, um sich am Sammelplatz für solche Alarmfälle, beim alten Sportplatz, aufzustellen, auch das nicht wild durcheinander, sondern wohlgeordnet in Klassen.

Kaum eine weitere Minute vergeht, da rückt schon der Löschzug der Wehr mit zwei Fahrzeugen an, sogenannten HLFs (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug). Was die Abkürzung bedeutet, weiß nachher bei der „Brandschutzerziehung“ ein Viertklässler sofort, da dürfte der Papa wohl selbst ein Floriansjünger sein.

Platz für die Wehr ist dank neuen Pausenhofs reichlich, Aufstellung zum Einsatz, Schläuche ausrollen, ins Gebäude bringen, Spritzen einsatzbereit machen, alles geht ruckzuck, bloß „Wasser marsch“ fehlt noch. Na, ist auch gut so, das gäbe sonst eine schöne, teure Sauerei drinnen und das für nichts, ist ja nur ‘ne Übung.

Der Löschzug steht Spalier, als die Schüler zurückkehren

Die Kinder kommen zurück, wieder in vorbildlicher Formation, und dürfen durchs Spalier der Feuerwehrleute, einige klatschen sogar ab, wie bei der Fußball-WM. Kiebitze vom benachbarten Kindergarten äugen rüber. Man kann es ihnen förmlich ansehen: Sie wollen auch mal die Feuerwehr bei sich haben.

Die Männer haben sich extra einen Tag von ihrem Broterwerbjob freigenommen. Noch sinnvoller dürfte Urlaub wohl selten genutzt werden. Und: An den Tag werden sich die Kinder sicher noch lange erinnern. Denn wenn schon mal alles da ist, Fahrzeuge, Schläuche, Spritzen, Wasser, hydraulische Spreizer und Schere, wird es auch gleich vorgeführt und ausprobiert.

Feuerwehrmann Ralf - bei der Feuerwehr gibt’s nur du und keine Nachnamen - zeigt, wie man richtig alarmiert, nämlich dem Mann am anderen Ende der Leitung möglichst Infos zu den sogenannten „W“-Fragen (wer, was, wann, wo) mitteilen. Die Notrufnummer 112 kennen alle Kinder sofort.

Die Kleinen erfahren von Ralf, der aus Birkenweißbuch kommt, wie er erzählt, auch, dass mittlerweile nur noch jeder fünfte Einsatz Löschen bei einem Brand ist. Bei den vier anderen geht es um „technische Hilfeleistung“, worunter sehr viel zu verstehen ist, bis hin zum „meine Katze vom Baum retten“, wie ein Mädchen gleich vorschlägt.

Auch Erste Hilfe gehört beim Einsatz der Feuerwehr dazu, wie jemanden sicher bergen. Was die Kinder mit einer Trage und Kissen drunter, die sich aufpumpen lassen, auch gleich mal üben. Nebendran staunen die Kleinen, welche gewaltige Kraft der hydraulische Spreizer hat. Einen ausgedienten Blecheimer verformt er, als sei der aus Pappe. Ja, mit diesem Gerät ist nicht zu spaßen, da sollte keiner den Daumen oder Zeh dazwischenbringen.

Auch bei der Spritzübung sind die Kinder verblüfft: Der Strahl reicht vom Pausenhof bis hoch aufs Dach der Schule. Da könnte man gleich mal die vielen, großen Fenster in einem Zug von außen putzen. Beim Üben mit dem Feuerlöscher, für das die Wehr sogar wirklich ein kleines, jederzeit kontrolliertes Feuerchen entfacht, ermuntert der Kommandant der Wehr den Nachwuchs, nicht zu zaudern, nicht zimperlich zu sein.

So ein Feuerlöscher sei robust, könne und müsse viel aushalten, also unbesorgt mutig rangehen, so Ronald Schmidt. Er ist selbst das beste Vorbild dafür.


Auch Nachwuchswerbung

Einmal im Jahr muss die Schule das Räumen ihres Gebäudes bei einem angenommenen Alarmfall üben.

Der Projekttag in der Schule ist für die Feuerwehr nebenbei auch Nachwuchswerbung. Sie zeigt bei diesem ein Video von der Jugendfeuerwehr. Die Schüler haben außerdem Infoflyer mitbekommen.

Die Jugendfeuerwehr übt regelmäßig alle zwei Wochen am Montag. Die nächsten Termine sind 23. Juli am Gerätehaus Oppelsbohm, nach den Sommerferien am 17. September in Steinach, am 1. Oktober wieder in Oppelsbohm, Beginn jeweils 18.30 Uhr. Die Jugendlichen werden dazu von der Wehr an den Bushaltestellen in den Teilorten abgeholt und nach dem Üben wieder zurückgebracht.

An diesem Wochenende findet ein 14-Stunden-Tag der Jugendfeuerwehr statt, bei dem es am Samstag um 10 Uhr eine Übung am Gemeindebauhof in Oppelsbohm gibt.

Die Kontaktdaten für Interessierte stehen auf der Internethomepage der Gemeinde, am besten eine Mail schreiben.