Berglen

Der familiäre Betrieb: Um den Mittagstisch im Restaurant des Landhotels Blessing in Lehnenberg wuselt auch der kleine Sohn der Wirtsfamilie herum

Landhotel Blessing
Simon und Susanne Blessing samt Sohnemann Thorin. © ALEXANDRA PALMIZI

„Hervorragend“ sei das Essen hier, er könne es nur empfehlen, lobt ein Gast, der gerade rauskommt. Gut muss es sein, denn sonst würde er wohl nicht immer wieder aus dem Raum Esslingen herfahren. Seit 20 Jahren ist er Stammgast am Mittagstisch von Blessings Landhotel in Lehnenberg. So weit sei’s ja nicht, und es lohne sich, entgegnet er dem Hinweis auf die Strecke.

Das gediegene Gasthaus, „gutbürgerlich“ ist fast untertrieben, kommt einem heimelig entgegen. Eine Tafel draußen erinnert daran, dass es seit 1924 „Heimat der Gastlichkeit“ sei. Wer die schon immer gesucht hat, der hat sie hier also offenbar gefunden. Gleiches gilt für die Heimatforscher, die stets brennend interessiert hat, wie eigentlich die Punkt-11-Uhr-Vesperpause nach Lehnenberg kam. Die Anekdote dazu findet sich ebenfalls auf einer Tafel am Eingang. Sie handelt vom Großvater Max und seinem Fuchswallach Hannes und ist zu schön, um sie hier auf ein paar nüchterne Zeitungszeilen zusammenschrumpeln zu lassen.

Bei aller authentischen, nicht wie in vielen Sternerestaurants aufgesetzten, Gastlichkeit, beim Thema Corona und dem damit erforderlichen Hygienekonzept kennt das Haus keinen Spaß und geht auch keine Kompromisse ein. Unmissverständlich wird der Gast beim Betreten daran erinnert, dass er auf dem Flur eine Mund-Nasen-Maske tragen muss, und ein Schild schickt ihn gleich zum Händewaschen in der angrenzenden Toilette. Wo das Wasser schon handwarm aus dem Hahn kommt.


Und wer sitzt oben drin, lässt es sich schmecken? Die beiden Altbürgermeister Gerhard Schnabel und Wolfgang Schille samt Gattinnen. Die wissen natürlich, wo’s gut ist. Und der Blick vom Fensterplatz nach draußen verzückt nicht nur mit einer Fernsicht über Waldhügel, sondern erhascht auch einen weiteren „Promi“, zwar von hinten, aber mit unverwechselbarer Kappe. Nanu, Jochen Friz kehrt hier mittags ein, hat der denn nicht seine eigene Versorgungsstelle? Ach so, das „Göckele“ in Rettersburg hat ja in der Wintersaison mittwochs zu.

Ob’s denn Fisch oder auch Wild sein dürfe

Also man kennt sich, die Atmosphäre ist familiär. Die Bedienung klatscht einem auch nicht gleich die Speisekarten auf den Tisch, sondern fragt, nicht zudringlich, sondern entgegenkommend, ob’s denn Fisch sein darf, und als das verneint wird, wie es denn mit Wild wäre. Uff, schon am Mittag, hinterher wartet ja noch das Büro? Also lieber nicht, draußen stand doch was von hand- und hausgemachten Maultaschen, wie wäre es denn damit? Aber natürlich, selbstverständlich, in der Brühe oder geschmelzt? Das bestellte Getränk kommt sofort, der kleine (und frisch angemachte) kleine Salat kurz darauf. Die Maultaschen werden mit der (berechtigten, die Bedienung trägt dabei Handschuhe, Maske ist eh klar) Warnung „Vorsicht, der Teller ist recht warm“, gereicht.

Hhhmmm, die beiden Maultaschen sind ausgezeichnet, war bei eigener Herstellung aber kaum anders zu erwarten. Sie sind auch so gehaltvoll, dass sie fürs Mittagessen vollkommen ausreichen. Die Brühe, in der sie liegen, ist deftig, wert, auch „solo“ ausgelöffelt zu werden. Der Blick schweift durch den Gastraum, wobei es hier mehrere gibt. Die Gaststätte ist gut besucht, erstaunlich gut für einen Mittwochmittag und auch dafür, dass sie ja angesichts ihrer Lage keine Laufkundschaft hat. Aber das Lokal von Blessings Landhotel ist in Berglen nun mal eine Institution, und sein Ruf geht weit drüber hinaus. Die Auswärtigen werden hier schnell integriert, können sich dieser besonderen Gastlichkeit kaum entziehen, selbst wenn sie es wollten, Gespräche entspinnen sich auch von Tisch zu Tisch oder drüber hinweg. Wie isch’s denn dieses Jahr mit d’ Äpfel? Seufzer, ja, immer diese „bösen Buben“, die ihren Obolus nicht ins Kässle entrichten. Eine vom „Mundraub“ betroffene Stücklesbesitzerin nimmt’s mit Humor. Sie hat ein Plakat aufgehängt, falls die Tunichtgute nächstes Jahr wiederkommen, sollen sie sich bei ihr melden, sie bekommen dann die Äpfel geschenkt, aber bitte nicht mehr sie einfach klauen. Beifälliges Schmunzeln in der Runde, als die Anekdote erzählt wird. So, jetzt aber doch mal ein Blick auf die Karte, wenigstens hinterher. Aha, der Ackersalat kommt vom Beinsteiner Feld, der Rostbraten ist natürlich „schwäbisch“, und die soeben genossenen Maultaschen waren „kesselfrisch“ und sie wären auch zum Mitnehmen gewesen. Die für sie verlangten knapp elf Euro sind ob ihrer Quali- und Quantität mehr als okay. Für bloß einen Euro drauf gibt es noch einen Salat dazu.

Es wird Zeit, mit dem Wirt zu reden, ja, und mit der Wirtin. Simon, 38, und Susanne, 31, Blessing. Sie haben 2018 übernommen, von seinem Vater, der Betrieb ist jetzt in der vierten Generation. Also, Mittagstisch gibt es bei ihnen „nur“ am Dienstag und Mittwoch, den beiden Tagen mit langem „i“, an allen Arbeitstagen ist das Lokal abends geöffnet, so könne man es sich leicht merken, erklärt sie herzlich über diese „Eselsbrücke“ lachend. Anders gesagt: Das Restaurant ist samstags und sonntags geschlossen, es sei denn, es ist auf Anfrage reserviert, für Familienfeiern etwa.

Mittagstischtage reduziert, um mehr Zeit für die Familie zu haben

Vor vier Jahren haben sie umgestellt, die Mittagstischtage reduziert und die beiden Ruhetage unter der Woche aufgehoben, sie sozusagen aufs Wochenende verschoben. Zum einen, um auch abends voll für die Hotelgäste da sein zu können, zum andern passt es so besser für sie, haben sie mehr Zeit für die Familie, für ihren kleinen Sohn, der übrigens, auf seine Art, zur familiären Atmosphäre des Betriebs beiträgt. Er heißt Thorin, was daher kommt, dass seine Mama zumindest gefühlt eine Isländerin sei und für den Betrieb „die gute Seele“, so ihr Gatte. Außerdem sorgt sie mit ihrer künstlerischen Ader für die Deko und stellt hier ihre eigenen Bilder aus. Auch das ein Anreiz zur Einkehr.

„Hervorragend“ sei das Essen hier, er könne es nur empfehlen, lobt ein Gast, der gerade rauskommt. Gut muss es sein, denn sonst würde er wohl nicht immer wieder aus dem Raum Esslingen herfahren. Seit 20 Jahren ist er Stammgast am Mittagstisch von Blessings Landhotel in Lehnenberg. So weit sei’s ja nicht, und es lohne sich, entgegnet er dem Hinweis auf die Strecke.

Das gediegene Gasthaus, „gutbürgerlich“ ist fast untertrieben, kommt einem heimelig entgegen. Eine Tafel draußen erinnert

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