Berglen

Die Berglesolympiade lebt auf zum Jubiläum der Gemeinde Berglen

berglesolympiade
Diethard Fohr 1997 beim Schleifenrennen. © privat

Zu den Festivitäten anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Gemeinde gehört auch ein Revival der Berglesolympiade am Sonntag, 3. Juli. Die ist zwar nicht ganz so alt, ist aber kaum weniger beliebt gewesen als etwa das „Richtfest“ des Berglesbond. Der Macher der Neuauflage ist kein anderer als der „Erfinder“ damals: Diethard Fohr, der Tausendsassa, dem Berglen so viel zu verdanken hat, unter anderem auch die legendäre SSV-Mostprobe.

Fohr kann sich noch sehr gut erinnern, wie das war damals. 1978 wurde er Vorsitzender des Vereins, mit 27 Jahren. „Not macht erfinderisch“, umschreibt er die Entstehung der Veranstaltungsreihe. Der SSV war nicht gut bei Kasse. Es wurde also überlegt, wie man zu Einnahmen kommt. Zweimal fand eine Hocketse bei der Schule in Steinach statt, mit wenig Resonanz, anders gesagt, es waren laut Fohr schlicht und einfach Pleiten. Die Berglesolympiade sollte aber noch etwas bewirken, nämlich zum Zusammenwachsen der damals noch jungen Gemeinde beitragen.

Ursprünglich war es ein Urlaubsimport aus Nordfriesland

Die „Idee“ entstand, genauer gesagt übernahm Fohr bei einem Urlaub in Nordfriesland. „Die machten das unter anderem mit Gummistiefelweitwurf.“ Der Spaß, die Gaudi, sollte im Vordergrund stehen. Es war also ein Import aus dem hohen Norden ins Schwäbische, allerdings bei den „Disziplinen“ an die dortigen Gegebenheiten angepasst, vor allem die Landwirtschaft. 1980 war die Premiere. 13 Mannschaften machten mit. Ort des Geschehens war der alte Sportplatz im Erlenhof Richtung Kottweil, wo später das Baugebiet Sophienstraße entstand. „Das war ein Volksfest, wie auch in den Jahren darauf“, so Fohr, der ganze Hang sei von Zuschauern bevölkert gewesen. Der Musikverein Weißbuch stellte alleine drei Mannschaften. Die Hößlinswarter „Elche“ waren dabei, ein Team aus der gleichnamigen Straße, eine Clique aus dem Gebiet Oberer Brühl in Rettersburg, die Landfrauen, der Gemeinderat, der Gastgeber, der SSV, natürlich.

Eine Disziplin: Reifenwechsel, für viele Frauen das erste Mal

Einige der Disziplinen im Lauf der Jahre: Hufeisenwerfen, Zielwurf, Bierkrugschieben, Radfahrstaffeln, Schubkarren-Staffellauf, Most-Biathlon, Wettmelken (natürlich nicht an leibhaftigen Kühen, sondern an einer aus Holz, mit Plastikeutern, zur Verfügung gestellt von der damaligen Südmilch), Mohrenkopfschleuder, Flaschensteigen mit Skibrillen, Reifenwechsel (für viele der Frauen, die teilnahmen, war das das erste Mal überhaupt, dass sie das machten, das Autohaus Strobel in Oppelsbohm stellte das Auto dafür zur Verfügung). Beim 40-Jahre-Jubiläum des SSV 1997 gab es eine Indoor-Variante, in der Steinacher Halle.

2001 fand die Berglesolympiade zum bislang letzten Mal statt, es war das 15. Mal, Fohr war da nicht mehr Vorstand. Wie so vieles habe sie eben an den Menschen gelegen, die sich dafür engagieren, „es ist danach eben eingeschlafen“. Zum jetzigen Jubiläum der Gemeinde kam diese auf den Verein zu, wegen des Wandertags an Himmelfahrt und eben dem Wunsch, die Veranstaltung noch einmal zu organisieren. Fohr, mittlerweile 72, aber rührig wie eh und je, ließ sich also noch mal vor den Karren spannen, gerne natürlich.

Bei der dritten Auflage 1982 kam der Promi-Wettbewerb dazu

An was erinnert er sich noch, unabhängig von den Unterlagen, die er gesammelt, bewahrt hat? 1982, bei der dritten Auflage, begann es mit einer zusätzlichen „Prominenten“-Olympiade, die Liste der Sieger (genannt „Obermeister“) liest sich in der Tat wie ein „Who is who“ der Berglen. Da gab es also fortan auch Einzelsieger, die Berglesolympiade wurde ja eigentlich als Mannschaftswettbewerb ausgetragen. Bereits beim zweiten Mal durften allerdings auch Kinder ran (mit zehn Spielstationen und fast 100 Teilnehmern). Bei den Mannschaften gab es immer fünf Disziplinen, bei den Promis drei. Erster Sieger bei ihnen war ausgerechnet der Bürgermeister. Gerhard Schnabel sei ganz stark gewesen, „der hat in brütender Hitze mit hochrotem Kopf Holz gesägt wie der Weltmeister“, erinnert sich Fohr. Beim zweiten Mal gewann Manfred Winkelhock, der Rennfahrer, der leider zwei Jahre später bei einem Rennen tödlich verunglückte, fast 20 Jahre später siegte sein Sohn Markus. „Sängerbarde“ Eberhard Aupperle gewann sogar zweimal, ebenso der Oppelsbohmer Schulrektor Hartmut Hengst. Sein Steinacher Kollege Werner Walter-Krause wollte ihm da natürlich nicht nachstehen. Der Hößlinswarter Pfarrer Karl Barth, der einige Jahres später und damit viel zu früh an einer Krankheit starb, gewann, ebenso seine Kollegen Wilfried Wassermann, der später in New York eine deutsche Kirchengemeinde aufbaute, und Horst Rüb, Sandra Wagner, die Olympiamedaillengewinnerin im Bogenschießen und heutige Ortsvorsteherin von Schornbach, Manfred Brutscher, Kämmerer der Gemeinde und ebenfalls später verunglückt, bei einem Motorradunfall. Das „Dream Team“ vom Musikverein trat 1994 unter dem Namen „Potzblitz II“ an, gewann somit dreimal in Folge. Die Damengymnastik des SSV war sogar viermal erfolgreich. Mit der 15. Auflage enden die Listen 2001.

Was erwartet die Zuschauer bei der 16. Ausgabe 21 Jahre später? Fohr will vorab nicht viel verraten. Sieben Promis haben bislang zugesagt, darunter der neue Bürgermeister Holger Niederberger und sein Vorgänger und heutige OB von Backnang Maximilian Friedrich, von dem bekannt ist, dass er sportlich ist und auch da ziemlich ehrgeizig sein kann. Pfarrerin Kerstin Günther und ihr Kollege Markus Kettling machen mit, der SWR-Moderator Jürgen Hörig, der in Ödernhardt wohnt, sein Kollege Kersten Eichhorn, der in Oppelsbohm wohnt, die ehemalige Schwäbische Waldfee Sara Bareiß, geborene Zaiss.

Die Disziplinen sind wie immer streng geheim bis zum Start

Bei den Teams hat er erst neun Meldungen, „da sind noch einige am Kämpfen mit sich“, erklärt Fohr die bisherige Zurückhaltung, unter anderm erwartet er noch den Gemeinderat, die Gemeindeverwaltung, die Feuerwehr und den Berglesbond, „da gäbe es also noch einiges Potenzial“. Er hofft, dass auch aus den „neuen“ Baugebieten, die nach 2001 entstanden, was kommt. „Es wäre toll, wenn die dort sich zu einer Mannschaft zusammentun.“ Es wird eine Premiere geben: Zum ersten Mal dürfen Mannschaften „gemischt“ antreten, bei den Herren darf es neben vier Männern auch eine Frau sein, bei den Frauen umgekehrt.

Was für Disziplinen sind geplant? Daraus macht Fohr ein Geheimnis, verweist nur darauf, dass Tauziehen ja immer dabei war, also die Kraft oft entscheidend war. Es sei schwer, allen gerecht zu werden, es werde deshalb einen Mix aus Schnelligkeit, Kraft, Geschicklichkeit und Mobilität geben. Aber was genau, das sei ja nie vorher verraten worden, damit werde er erst zum Start rausrücken und das wisse bis dahin auch nur er. Immerhin: Der sogenannte Pezziball werde eine Rolle spielen. Aber wie? Geht es ums Gleichgewicht, die Balance darauf halten, oder wird damit geworfen? Er schüttelt dazu viel- beziehungsweise nichtssagend schmunzelnd den Kopf, hält sich bedeckt, mehr ist ihm nicht zu entlocken. Was er aber garantieren könne, sei Spaß, der solle im Vordergrund stehen. Er rate also, es locker anzugehen. Und er wirbt für den Besuch, unter anderem damit, dass man ja auch gut von der Terrasse des Vereinsheims zuschauen könne, weil die Veranstaltung direkt davor auf dem Kunstrasenplatz stattfindet, eingebettet zudem in den „Tag der Offenen Tür“ des SSV.

Zu den Festivitäten anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Gemeinde gehört auch ein Revival der Berglesolympiade am Sonntag, 3. Juli. Die ist zwar nicht ganz so alt, ist aber kaum weniger beliebt gewesen als etwa das „Richtfest“ des Berglesbond. Der Macher der Neuauflage ist kein anderer als der „Erfinder“ damals: Diethard Fohr, der Tausendsassa, dem Berglen so viel zu verdanken hat, unter anderem auch die legendäre SSV-Mostprobe.

Fohr kann sich noch sehr gut erinnern, wie das war

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