Berglen

Erich-Gin aus Berglen in London ausgezeichnet - auch Tastings im alten Wohnzimmer vom Opa wieder möglich

1/3
Erich Gin
Jochen und Tim Andrä (von links) in der Reichenbacher Gin-Zentrale. © Benjamin Büttner
2/3
Erich Gin
Hellblau kommt der Sommergin aus der Flasche. © Benjamin Büttner
3/3
Erich Gin
Beim Mischen färbt er sich violett. © Benjamin Büttner

In der Ortsmitte von Reichenbach, genauer an der Heußstraße, da brennen Tim und sein Vater Jochen Andrä an Samstagen Schnaps, was das Zeug hält. „Meistens zweimal im Monat. Dann aber von morgens bis abends“, erzählt Jochen Andrä. Sind die beiden nach dem Brennprozess beschwipst? „Das kann man so sagen. Nicht nur vom Probieren. Wir atmen ja auch die Dämpfe ein“, antwortet Jochen Andrä lachend. Da sei man abends froh, wenn man ins Bett komme, beziehungsweise falle.

Vater und Sohn haben sich dem Gin verschrieben und diesen nach dem Schwiegervater beziehungsweise Opa, Erich, benannt. Was erst als Schnapsidee begann, ist inzwischen ziemlich erfolgreich. So erfolgreich, dass die beiden mit ihrem Erich Gin bei Prämierungen in Berlin und London jeweils mit Gold ausgezeichnet worden sind.

Mit dem alten Kessel ist das Schnapsbrennen umständlich

Seit 2019 verkauft Tim Andrä den Wacholderschnaps deutschland- und sogar europaweit über einen eigenen Online-Shop. Im vergangenen Jahr haben die beiden rund 1800 Liter Gin hergestellt. Nach den Auszeichnungen müssen sie sich womöglich auf eine höhere Nachfrage einstellen. „Eigentlich sind wir schon an unseren Kapazitätsgrenzen angelangt“, erzählt Jochen Andrä. Mit einem Auge schaue man sich nach einem anderen, flächenmäßig größeren Standort um. „Der Brennkessel ist aus den 90er Jahren. Da wird es so langsam auch Zeit, dass wir nach etwas Zeitgemäßem gucken“, meint Jochen Andrä. Den Kessel heizen sie vor dem Brennvorgang mit Holz hoch, was knapp zwei Stunden Zeit in Anspruch nimmt. „Da gibt es heutzutage voll automatisierte Anlagen“, weiß er.

Der Preis für Reinalkohol hat sich durch die Coronapandemie erhöht

Auch wenn ein Lkw frische Ware liefere, sei es schwierig. Das Haus vom Opa dient als Gin-Zentrale. Es ist alt, die Gänge sind schmal. Vor dem Eingang einen Parkplatz zu finden für Lieferanten - nicht einfach. Ist es durch die Corona-Pandemie eigentlich schwieriger geworden, an die Zutaten zu kommen? „Was den Neutralalkohol betrifft, ja. Bis wir da etwas bekommen haben, hat wirklich lange gedauert und die Preise sind deutlich gestiegen“, berichtet Tim Andrä. Den Wacholder beziehen die Schnapsbrenner aus Kroatien. Von dort bekomme man ganzjährig eine konstante, gute Qualität.

In der Freizeit packt Tim Andrä die Pakete

Tim Andrä arbeitet beim Energieanbieter EnBW, nach Feierabend kümmert er sich um den Gin: verpackt Lieferungen oder beantwortet E-Mails. „Teilweise ist das schon ziemlich stressig“, erzählt er. Durch die Corona-Pandemie habe sich die Situation zumindest dahingehend verbessert, dass er sich im Home-Office die Heimfahrt spart.

Glücklich sind die beiden, dass bei einem gleichbleibend niedrigen Infektionsgeschehen wieder Gin-Tastings möglich sind. Diese finden im alten Wohnzimmer von Opa Erich statt, das die beiden renoviert haben. „Ende Juli veranstalten wir das erste Tasting. Weitere folgen“, erzählt Tim Andrä. Nicht nur Gin-Liebhaber können sich also bald wieder vor Ort in den Berglen ein Urteil über die Spirituose bilden. Auch Großkunden können den Schnaps wieder vor Ort testen und müssen dazu nicht einmal nach Berglen kommen. „Die ersten Messen finden wieder statt“, weiß Tim Andrä. Angemeldet habe er einen Stand unter anderem auf der „0711 Spirits“ im Stuttgarter Römerkastell, aber auch im Dezember auf einer großen Messe im britischen Liverpool. „Da bin ich allerdings noch skeptisch, ob diese tatsächlich stattfindet“, zweifelt Tim Andrä mit Blick auf die Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Großbritannien.

In der Ortsmitte von Reichenbach, genauer an der Heußstraße, da brennen Tim und sein Vater Jochen Andrä an Samstagen Schnaps, was das Zeug hält. „Meistens zweimal im Monat. Dann aber von morgens bis abends“, erzählt Jochen Andrä. Sind die beiden nach dem Brennprozess beschwipst? „Das kann man so sagen. Nicht nur vom Probieren. Wir atmen ja auch die Dämpfe ein“, antwortet Jochen Andrä lachend. Da sei man abends froh, wenn man ins Bett komme, beziehungsweise falle.

Vater und Sohn haben

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper