Berglen

Für Windräder kein Investor in Sicht

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Auch der Bürgermeister der Partnergemeinde Gaschurn, Martin Netzer (2. v. r.), war Gast der Bürgerversammlung. Foto: Schneider © Schneider/ZVW

Berglen. Der lange Zeit umstrittene mögliche Standort für eine Windkraftanlage bei Breuningsweiler, vom Regionalverband „WN 25“ oder auch „Buocher Höhe 1“ genannt, ist Geschichte, seit kurzem ad acta gelegt. Was ist aber mit „Buocher Höhe 2“ beziehungsweise „WN 26“ , fragte ein Hößlinswarter Paar zur Bürgerversammlung bei der Verwaltung an. Bürgermeister Maximilian Friedrich gab dort Entwarnung.

Am liebsten wäre es den Hößlinswartern wohl, der Begriff „Buocher Höhe“ wäre bei der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses des Regionalverbandes ganz von der Landkarte verschwunden, auf der die Vorranggebiete für potenzielle Windkraftanlagen in der Region Stuttgart eingezeichnet sind. Aber den Gefallen tat ihnen der Ausschuss nicht, was aber auch keine Überraschung ist. „WN 26 oder „Buocher Höhe 2“ steht nach wie vor drin. Es hat sich nämlich an der Beurteilung von dessen Eignung – oder Nichteignung, würden die Hößlinswarter und vielleicht auch noch andere Berglener sagen – nichts geändert, auch wenn die beiden genannten Hößlinswarter anderes argwöhnen.

Sie erinnern noch mal daran, dass der Abstand zur nächsten Wohnbebauung am Ortsrand kaum einen Kilometer beträgt. Und wundern sich, wohl nicht als Einzige, warum das K.-o.-Kriterium für den Standort bei Breuningsweiler nicht auch für den bei Hößlinswart gilt: der aus Sicht der Flugsicherung für den Stuttgarter Flughafen zu geringe Abstand zum sogenannten Drehfunkfeuer in Affalterbach, im Pilotensprech „Luburg“. Einfacher ausgedrückt: deren Befürchtung, Windkraftanlagen dort könnten den Flugfunk beeinträchtigen. Sie verlangt deshalb generell einen Mindestabstand von 15 Kilometern.

In diesem Radius liegt zwar „WN 25“. Ob aber dem nur deshalb nun endgültig das Totenglöcklein geläutet hat, sei dahingestellt, spielt für Berglen ohnehin nicht die entscheidende Rolle. Da zählt, dass es von „Luburg“ nach „WN 26“ mehr als 15 Kilometer sind, wenn auch nicht viel mehr. Wobei man sich fragen könnte, ob Flugfunk so feinfühlig ist, dass er genau ab Kilometer 15 plus x nicht mehr störanfällig ist. Aber in der Vorgabe steckt eine Sicherheitsreserve (früher, bis 2009, galt ein Drei-Kilometer-Radius). Es ist bezeichnenderweise nur von „Bedenken“ die Rede, was aber, wenn es um das höchstsensible Thema Sicherheit beim Fliegen geht, mehr als ausreicht, um die Reißleine zu ziehen beziehungsweise den Stecker, um im Bild zu bleiben.

Der Grund und Boden dort gehört der Gemeinde

Friedrich verwies in seiner Antwort zunächst auf die Zuständigkeit des Regionalverbands. Der gebe im Übrigen auch die Mindestabstände zur nächstgelegenen Wohnbebauung vor. Aber, und das ist aus Sicht des Bürgermeisters entscheidend, der Standort liegt nicht nur weitestgehend auf Berglener Gemarkung, sondern der Grund und Boden auf dieser gehört vollständig der Gemeinde Berglen. Sie hat also das Sagen, was dort passiert und vor allem was nicht. Gemeinderat und Verwaltung hätten „mehrfach und klar“ zum Ausdruck gebracht, den Standort „nicht aktiv zu forcieren“, sondern diesen „nur im Falle einer umfangreichen Bürgerbeteiligung bei aktiver Zustimmung der Bürgerschaft zu entwickeln“, so Friedrich.

„Mit fast schon an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“

Ohne Einverständnis der Gemeinde könne folglich dieser Standort nicht realisiert werden. Sein Eindruck sei, dass Gemeinderat und Gemeindeverwaltung „die Einschätzung teilten, dass der Standort kritisch zu betrachten ist“. Friedrich verwies auch darauf, dass bislang, zumindest seit er im Amt ist, kein Investor Interesse gezeigt habe. Es sei deshalb „mit fast schon an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ davon auszugehen, dass der Standort Buocher Höhe 2 zwar im Regionalplan als Vorranggebiet stehenbleibe, „jedoch faktisch nicht zur Umsetzung kommen wird“, so der Bürgermeister.


"Erhebliche Auswirkungen zu befürchten"

Bei „WN 26“ handelt es sich um eine 32,5 Hektar große Waldfläche, die zum überwiegenden Teil auf Berglener Gemarkung liegt, zum kleineren Teil auf Remshaldener. Laut Umweltbericht zum Verfahren dienen über 80 Prozent der Fläche der Naherholung. Sie gehört wie viele andere zum regionalen Grünzug, liegt fast komplett im Landschaftsschutzgebiet, aber ebenfalls auch nahezu komplett im Wasserschutzgebiet.

Laut Windatlas weht dort der Wind durchschnittlich mit 5,5 bis sechs Metern pro Sekunde (100 Meter über Grund), was knapp über dem Mindestlimit für Wirtschaftlichkeit liegt (wobei für die insgesamt noch andere Faktoren maßgeblich sind). Der Standort liegt 450 Meter über Meereshöhe.

In der Gesamtbeurteilung heißt es in dem Umweltbericht, es wären erhebliche Auswirkungen auf Fauna, Flora, Biodiversität, Erholungsfunktion und Landschaftsbild zu erwarten.

Zur sicheren Flugführung werden auch bodengestützte Navigationsanlagen betrieben, neben den Radaranlagen, die zur Ortung der Flugzeuge notwendig sind, sogenannte „Funkfeuer“. Sie übermitteln dem Piloten Richtungs- und Entfernungsangaben, bezogen auf deren Standort. Um sicherzustellen, dass durch Bauwerke in der Umgebung keine störenden Auswirkungen auf deren Signale entstehen können, werden Schutzbereiche festgelegt. Diese stellen keine „Bauverbotszone“ dar, sondern sie zeigen an, wo bei der Bauleitplanung die Interessen der Flugsicherung zu berücksichtigen sind. Bei den Navigationsanlagen hat sich gezeigt, dass insbesondere die sogenannten UKW-Drehfunkfeuer besonders von Windenergieanlagen gestört werden können. Quelle: DFS