Berglen

Fasten für Spätentschlossene

1/2
Fasten
Zweimal am Tag gibt es Suppe mit viel Gemüse, mittags mit zwei Esslöffel Grieß. © Büttner / ZVW
2/2
Fasten
Nadja Münster hat eine Woche lang mit Gemüsesuppe, Tee und Herzwein gefastet. © Büttner / ZVW

Berglen. Wer den Eindruck hat, dass in diesem Jahr das Fasten an ihm vorbeigezogen ist, weil er den Einstieg an Aschermittwoch verpasst hat, für den hat Nadja Münster noch eine Fastenmethode parat, bei der auch Spätentschlossene einsteigen können. Nach ihrer Methode gibt es eine Woche lang viel Tee, zweimal täglich eine Gemüsesuppe und ab und an ein Gläschen Herzwein. „Danach fühlt man sich wie neugeboren“, sagt die Berglenerin und lacht.

Im Video: Nadja Münster aus Berglen, die vom Fasten nach Hildegard von Bingen überzeugt ist.

Der Blick von Nadja Münster wandert in die Ferne, schweift über Baumwipfel, geht weiter über Büsche und Sträucher, die allmählich blühen, und bleibt an den sattgrünen Wiesen hängen. „Bei solch einem Wetter fällt es einem deutlich leichter, zu fasten“, sagt sie und lächelt zufrieden.

Reinigende Wirkung

Gerade hat die 45-Jährige, die Mitglied bei den Berglener Landfrauen ist und da schon häufiger eine Gruppe beim Fasten betreut hat, eine Fastenwoche hinter sich. Fasten hat für die Expertin und vierfache Mutter eine reinigende Wirkung. Nach der Woche schmeckt es einem ganz anders und „man isst viel bewusster“, sagt sie, „und ist topfit“.

Dass man die Woche durchhält, ist überwiegend Einstellungssache. Ist das Wetter warm und frühlingshaft, fällt einem der Verzicht im Alltag deutlich leichter. Außerdem steht auf dem Fastenplan mindestens eine Stunde am Tag Bewegung an der frischen Luft. Umso später man im Frühling fastet, desto besser ist in der Regel das Wetter, so Münster.

Entlastungstage vor der Fastenwoche

Bevor es mit dem sechstägigen Fasten losgeht, rät Nadja Münster zu Entlastungstagen. In der Regel reichen dazu zwei Tage, Kaffeetrinker oder Raucher sollten schon früher beginnen, ihren Konsum zu reduzieren. Denn während der Fastenwoche ist beides tabu. Genauso gilt es auf Rohkost zu verzichten, Nachtschattengewächse im Allgemeinen wie auch Obst, Zucker, Fleisch, tierisches Eiweiß oder gar Süßigkeiten.

In den Entlastungstagen stimmt man sich auf die sechs Fastentage ein, beginnt damit, bewusst und weniger zu essen sowie ausgiebig zu kauen. Um den Körper auf die zweimal tägliche Suppenmahlzeit kombiniert mit viel Flüssigkeit einzustellen, sind leichte, vegetarische Mahlzeiten ratsam. Wer eine Familie hat, sollte vor der Fastenwoche den Alltag organisieren, so dass, „wenn man eine Auszeit braucht, man sich diese dann auch nehmen kann“.

Wilde Experimente

Während man selber wenig isst, sollte man nicht stundenlang in der Küche ein Festmahl für die Familie zubereiten. Nadja Münster rät zu einfachen Gerichten mit kurzer Zubereitungszeit. Manchen tue es gut, wenn sie wenig Termine in der Zeit haben. Letztendlich müsse das aber jeder für sich selber entscheiden.

Vor rund 20 Jahren hat die Berglenerin ihre Vorliebe fürs Fasten entdeckt. Damals hat sie gerade eine Ausbildung zur Heilpraktikerin gemacht. „Ich habe angefangen, wild zu experimentieren“, sagt sie und lacht. Beim Fasten nach Hildegard von Bingen ist sie schließlich hängengeblieben, variiert es mit eigenen Vorlieben, wie es ihr gerade zumute ist.

Nadja Münster: „Ich bin nicht fürs knallharte Fasten“

Morgens wird ein Esslöffel Öl „gezogen“, erklärt die Fasten-Expertin von den Berglener Landfrauen. Nadja Münster nimmt dazu Sonnenblumenöl, das sie mehrere Minuten lang schlürft und im Mund behält, um es am Ende wieder auszuspucken. Außerdem „wird der Tag mit einem Einlauf begrüßt“, erklärt sie und lacht. Dazu nimmt sie einen halben Liter lauwarmes Wasser.

Damit wird der Darm gereinigt. Manchen helfe es sogar in der Fastenzeit gegen Kopfschmerzen, erklärt sie. Morgens gibt es eine Kanne Fenchel- oder Kräutertee. Wem es danach ist, der kann als Frühstück auch ein Gläschen frisch gepressten Orangensaft trinken.

„Das ist die Schoki beim Fasten“

Mittags und abends isst die Berglenerin eine Dinkel-Fastensuppe nach dem Rezept von Hildegard von Bingen (siehe Rezept) mit püriertem Gemüse und reichlich frischen Kräutern. Darin sieht die Berglenerin den Unterschied zum traditionellen Heilfasten, wobei mittags eine leere Gemüsebrühe serviert wird.

„Ich bin nicht fürs knallharte Fasten“, gesteht Nadja Münster und lacht. Bei der Dinkel-Gemüse-Suppe habe man das Gefühl, dass man etwas isst. Steht sie fertig auf dem Tisch, nimmt sich Nadja Münster eine Auszeit. „Da darf mich keiner stören“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. „Man freut sich auf die Suppe und will die genießen“, sagt die 45-Jährige.

Wer zwischendurch ein Blutzuckertief verspürt, dem rät die Expertin zu einem Schnapsgläschen Herzwein. „Das ist die Schoki beim Fasten“, findet die Berglenerin. Motivation bekam die vierfache Mutter übrigens von ihrer neunjährigen Tochter, die aus Solidarität auf Süßigkeiten verzichtet hat. „Das fand ich toll.“

Der Herzwein

  • Den Herzwein bereitet Nadja Münster wie folgt vor: Sie nimmt einen Dreiviertelliter Weißwein, gibt einen Esslöffel Weinessig hinzu sowie einen Bund Petersilie. Das Ganze wird fünf Minuten gekocht. Dann gibt sie etwa 100 Gramm Honig hinzu. Erneut wird das Gemisch fünf Minuten gekocht. Zum Schluss wird der Herzwein geseiht und in eine Flasche gefüllt. „Nachdem der zehn Minuten gekocht hat, ist da kein Alkohol mehr drin“, sagt Nadja Münster und lacht.
  • Herzwein ist ein gutes Heilmittel nach der heiligen Hildegard von Bingen, erklärt die Berglener Fasten-Expertin. Er ist nicht nur während der Fastenwoche bekömmlich, sondern auch sonst. „Ältere Menschen, die etwas wetterfühlig sind, denen bekommt er auch sehr gut“, sagt die 45-Jährige.
  • Während der Fastenwoche ist er deshalb besonders bekömmlich, weil man auf Produkte mit Zucker verzichtet. Anstatt dem morgendlichen Marmeladen- oder Honigbrot gibt es lediglich eine Kanne Tee. Zwar enthält der Herzwein keinen Zucker, hat aber einen leicht süßlichen Geschmack.