Berglen

Geplante Schließung der Kreissparkasse-Filiale in Oppelsbohm: Kunden sauer

kreisparkasse
Die Filiale, zentral und an der Ortsdurchfahrt gelegen, wird sich zum SB-Terminal verkleinern. © speiser

Die Filiale der Kreissparkasse in Oppelsbohm ist eine von 13 im Rems-Murr-Kreis, in denen ab Anfang Oktober nur noch Selbstbedienung-Automaten stehen werden. An diesen können nicht nur Auszahlungen und Einzahlungen (Zweites wichtig vor allem für Gewerbebetriebe) getätigt, sondern auch Kontostände abgefragt und ausgedruckt, Überweisungen und Daueraufträge getätigt werden.

Die Kreissparkasse gibt als Grund für die Angebotsverringerung den immer weiter zurückgehenden Bedarf für persönliche Beratung vor Ort an. Sie habe in den 13 Filialen in den vergangenen Monaten eine durchschnittliche Kundenfrequenz von gerade mal zwei pro Stunde „gemessen“. Serviceleistungen, für die ein Mitarbeiter benötigt werde, würden kaum noch nachgefragt, 90 Prozent der Kunden würden stattdessen Onlinebanking machen oder die Selbstbedienungsterminals nutzen. Zudem werde immer mehr mobil mit dem Handy bezahlt, werde an Supermarktkassen in 70 Prozent der Fälle die Ware mit Handy oder Karte bezahlt und werde immer öfter dort Geld abgehoben. Über 60.000 ihrer insgesamt 200.000 Kunden im Kreis nutzten die Sparkassen-App, tätigten ihre Bankgeschäfte also mit dem Smartphone.

Freitagmorgen kurz nach 9 Uhr an der Oppelsbohmer Filiale: Innerhalb einer halben Stunde geht rund ein halbes Dutzend Kunden rein, das macht auf die Stunde hochgerechnet doch etwas mehr als die von der Kreissparkasse „berechneten“ vier stündlich. Als sie wieder rauskommen, ergibt sich die Gelegenheit, einige von ihnen nach ihrer Meinung zu fragen. Keine(r) sagt „Nein“, niemand verweigert, wenn man so will, die Aussage, die meisten sind überrascht, wissen noch gar nichts davon, argwöhnen aber sofort, dass es um wohl eine komplette Schließung gehe. Der Anteil derer, die in der Filiale sehr wohl auch Beratung in Anspruch nehmen, ist überraschend hoch. Ist Oppelsbohm da und auch bei der Frequenz ein „Ausreißer“?

Junge Familie hat die Finanzierung der Wohnung über die Filiale gemacht

Anke Rupp, 32, kommt mit ihrer kleinen Tochter, die ältere, vier Jahre alt, besucht den Waldkindergarten, von dem diese und auch sie selbst begeistert sei, berichtet die Mama. Also, was die „neue Nachricht“ angehe, sie hat bisher nichts davon gewusst, da sei sie „zwiegespalten“. Ja, sie mache viel, ja fast alles, online. Aber sie hätten die Finanzierung der Wohnung über die Kreissparkasse gemacht, da habe es natürlich Beratungsbedarf gegeben und gebe es nach wie, die Bank vor Ort sei also bislang ihr direkter Ansprechpartner. Zumal ihr Mann, der ohnehin aus Oppelsbohm stammt, den Filialleiter gut persönlich kenne. Von daher sei die Änderung nicht optimal.

Sie wohnen in dem Gebäude, in dem die Filiale ist, es sind also nur ein paar Schritte dorthin, dieses „Heimspiel“ sei für sie natürlich sehr geschickt, so Anke Rupp, die aus Strümpfelbach stammt, wo es gar nicht so viel anders sei als in Oppelsbohm. Das dürfte wohl als Kompliment zu verstehen sein.

„Katastrophe“, meint ein Senior sofort unumwunden. Er sei Kunde hier, solange es die Filiale dort gebe. Auch er hatte noch nichts mitbekommen. Er mache, was Bank angehe, eigentlich alles dort, so der 82-Jährige aus Birkenweißbuch, der auf die Schließung der nahen Filiale im nahen Schornbach vor einigen Jahren verweist. Auch er denkt erst ungläubig an eine komplette Schließung, die könne er sich hier beim besten Willen nicht vorstellen. Ja okay, SB-Automat gut und schön, dass wenigstens so einer hier bleiben soll, aber er habe in der Filiale ja auch schon Verträge abgeschlossen, Geldanlagen getätigt, also sehr wohl Kundenberatung in Anspruch genommen. Auch er lobt den Filialleiter: „sehr guter Mann.“ Da werde er künftig wohl nach Waiblingen oder Winnenden müssen, befürchtet der Mann.

„Ned gut“, sagt Kurt Rieth. Er brauche ab und zu Beratung, so der 75-Jährige aus Ödernhardt, der von der Änderung bereits aus der Zeitung weiß. Erst vergangene Woche habe er einen größeren Betrag, der über das Limit am Automaten hinausgeht, abheben wollen. Da sei ihm gesagt worden, das gehe hier nicht mehr, er müsse dafür nach Winnenden, aus Sicherheitsgründen würden in den kleinen Filialen keine größeren Geldsummen mehr aufbewahrt. „Jetzt hebe ich halt Tag für Tag 1000 Euro ab, bis ich beisammen hab’, was ich brauche.“ Er habe nämlich keine Lust, dafür extra nach Winnenden zu fahren. Früher habe man solche Beträge noch vorab „bestellen“ und in der Filiale dann abholen können.

16-Jährige hat sich für eine Reise eben eine zweite EC-Karte in der Filiale geholt

Auch für eine 16-Jährige, deren Familie in Oppelsbohm wohnt, die ihren Namen nicht in der Zeitung stehen haben will (obwohl sie einen sehr wohlklingenden Vornamen hat), ist die Nachricht neu. Geld abheben, Einzahlungen, also das erledige sie eh alles online, von daher störe sie der Wegfall persönlicher Beratung also eigentlich nicht, weil sie die so gut wie nie brauche. Aber halt, warum war sie denn gerade in der Filiale? Upps, sie hat sich dort eine zweite EC-Karte besorgt, zur Sicherheit für ihre anstehende England-Reise nach dem gerade erfolgreichen Realschulabschluss. Das wäre natürlich am verbleibenden SB-Automaten nicht gegangen. Oha, sie kommt ins Grübeln.

Die Filiale hat bislang von Montag bis Freitag von 9 bis 12.30 Uhr, dazu Montag und Dienstag zusätzlich von 14 bis 16 Uhr sowie Donnerstag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Kein Grund zum Klagen also. Dazu Beratungszeiten vor Ort, nach Terminvereinbarung, Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr, das ist „ein Wort“, aber eben bald „Geschichte“. Die Filiale liegt in der Ortsmitte, in direkter Nachbarschaft die Apotheke, wenige Meter zu Fuß vom Metzger, Bäcker und Rathaus entfernt, ebenso eine Zahnarztpraxis.

Eine bessere Lage im Ort gibt es nicht und in den anderen Teilorten erst recht nicht

Im Gebäude selbst, auf der Fassade steht etwas großspurig „Ärztehaus“, sind noch eine Hausarztpraxis und eine psychiatrische Praxis, gegenüber ein Hörgeräteakustiker, ein Friseursalon, ein Physiozentrum, schräg davon der Verkaufsladen einer Brennerei. Selbst der Netto-Markt am Ortsrand ist noch gut zu Fuß erreichbar. Alles kompakt beieinander also, Oppelsbohm ist nach wie vor ein Dorf. Eine bessere Lage in dem Ort als die der Filiale gibt es nicht und in den anderen vielen Teilorten schon gleich gar nicht. Sie ist prominent an der Stirnseite des Gebäuderiegels platziert, zur Straße hin. Das Gebäude war anfangs ob seiner Dimensionen, mit Mix aus Wohnungen, Praxen und Bankfiliale,  durchaus nicht unumstritten.

Was sagt der Bürgermeister zur neuesten Entwicklung? Andernorts gibt es Schultheißen, die ob der Schließungs- oder Angebotsverringerungspläne, sei es der Kreissparkasse oder der Volksbank, auf die Barrikaden gehen, wohl wissend, dass die Kommunen kaum etwas zu sagen, geschweige denn zu entscheiden haben, und dass die Geldinstitute damit tatsächlich auf das geänderte und sich immer weiter verändernde Kundenverhalten reagieren. Der Vorstand der Kreissparkasse sei jüngst bei ihm im Rathaus gewesen, habe ihn über die Pläne informiert, berichtet Holger Niederberger. „Als Bürgermeister habe ich da ja wenig mitzureden.“ Ihm gehe es aber, und darauf habe er gegenüber der Bank gedrungen, um Lösungen für Kunden mit Beratungsbedarf, also die, die dass Angebot auch wirklich annehmen. Auf seine Nachfrage, wie viele das seien, sei ihm gesagt worden, einer bis anderthalb im Schnitt pro Stunde, etwa fünf am Tag. Insgesamt, überhaupt, seien es zwischen 100 und 200 Kunden.

Für diese brauche es künftig „niederschwellige Alternativen“, habe er daraufhin gefordert. Ihm sei versichert worden, dass es Personal geben werde, das vor allem Ältere bei der Bedienung des SB-Automaten eingewöhne, einweise. Außerdem sei zugesagt worden, dass es fürs Geldabheben eine telefonische Option geben werde, nämlich bei der Bank anzurufen, über ein Passwort einen bestimmten Betrag zu bestellen und sich das Geld noch am gleichen Tag zustellen zu lassen. Wobei die Möglichkeit, Geld per Telefon zu überweisen, es ohnehin gibt. Ihm sei außerdem versichert worden, dass das SB-Terminal „definitiv bleibe“, „auf unbestimmte Zeit“, ob darunter aber zum Beispiel 20 Jahre zu verstehen sind, dahinter mache er selbst ein Fragezeichen, so Niederberger. „Aber gut, wenigstens ist beziehungsweise bleibt das SB-Terminal da, das ist aus meiner Sicht sehr wichtig.“

Volksbank-Filiale zieht in Räume des ehemaligen Regionalregalladens um

Dass auch mit der Volksbank-Filiale im Ort, kaum 100 Meter entfernt, etwas „passieren“ wird, bestätigt der Bürgermeister. Auf das Grundstück kommt ein Wohngebäude, die Filiale zieht um an den Platz bei der Bushaltestelle in der Ortsmitte, in die Räume, wo früher der „Regionalregalladen“ war. Dann sind es keine 50 Meter Entfernung mehr zum künftigen SB-Automaten der verbliebenen Konkurrenz. Nach dem, was er bislang dazu gehört hat, solle auch die neue Voba-Filiale „personalbesetzt“ sein, bleiben. Aber ob das auf Dauer so sein wird, auch da meldet Niederberger Zweifel an.

Die Filiale der Kreissparkasse in Oppelsbohm ist eine von 13 im Rems-Murr-Kreis, in denen ab Anfang Oktober nur noch Selbstbedienung-Automaten stehen werden. An diesen können nicht nur Auszahlungen und Einzahlungen (Zweites wichtig vor allem für Gewerbebetriebe) getätigt, sondern auch Kontostände abgefragt und ausgedruckt, Überweisungen und Daueraufträge getätigt werden.

Die Kreissparkasse gibt als Grund für die Angebotsverringerung den immer weiter zurückgehenden Bedarf für

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