Berglen

Jäger ärgern sich über den Forst

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Rolf Riker, Gustav Stauffer und Eric Lachenmaier (v.l.) an einem wiederholt heimgesuchten Stückle bei Mannshaupten. © Habermann / ZVW
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Sie finden immer was, hinterher ist der Ärger groß, aber nicht bei ihnen. © Gabriel Habermann

Berglen. Bald steht wieder eine Drückjagd gegen die Schwarzkittel an, im Bereich Hößlinswart, Reichenbach, Buoch, Anfang Januar eine im Bereich Schornbach, Birkenweißbuch, Streich und wiederum Hößlinswart. Jagdpächter Rolf Riker und Gustav Stauffer versprechen sich nicht allzu viel davon. Der Grund aus ihrer Sicht: Die Forstverwaltung beteiligt sich nicht. Ohne die Jagd auch im Staatswald sei der Aufwand praktisch sinnlos.

Video: Eine Rotte Wildschweine auf der Flucht durch den Bach.

105 Sauen sind laut Riker und Stauffer bei der letzten großen Drückjagd vor drei Jahren, an der der Forst teilnahm, erlegt worden. Die dürftige Jagdstrecke vor einem Jahr: nur 18 Sauen. Der Staat mache es sich einfach, indem er sich verdrücke, vor der Verantwortung davonstehle, klagen die beiden. Dieser habe in Berglen keine Feldflur, nur dort gebe es die Pflicht zu Schadensersatz, nicht im Wald.

Wildschweine pflügen Stückle um

Ihnen bleibt die Hoffnung auf einen harten Winter. Denn wenn alle Frischlinge durchkämen, sei die „Katastrophe“ vorprogrammiert. Damit meinen sie die Folgen, wenn sich so eine Rotte über eine Grünfläche hermacht. Die Abstände der „Überfälle“ werden immer kürzer. Riker zeigt dazu einen „umgepflügten“ Hang bei Hößlinswart, nahe dem Gehölzlehrgarten. Dreimal hat er den in diesem Herbst bereits mit seinem eigenen Wiesenhobel wieder eben gezogen. Vergeblich, vergangene Nacht waren die ungebetenen Besucher wieder da. Er resigniert: „Jetzt lasse ich es so liegen, es bringt ja eh nix.“ Das Ergebnis der Wühlarbeit: Der Pächter, ein Landwirt, kann das Gras an den betreffenden Stellen nicht abmähen, sonst kämen die Erdbollen mit ins Futter. Das Stückle wird so unnütz.

Sauen sind auf der Suche nach proteinreicher Nahrung

Laut Riker der Grund für die wiederholte Invasion: Die Sauen finden im Wald dieses Jahr keine Buchen- und Eichelmast, sind aber auf Proteine, das Eiweiß angewiesen: „Die sind auf die Wurzeln scharf.“ Der Hang ist eingezäunt, mit Stacheldraht. Der ist aber kein Hindernis für die cleveren Vierbeiner: „Die lupfen den Zaun mit ihren Rüsseln an und schlupfen drunter durch.“ Riker ist froh, dass er kaum Ackerland zu verpachten hat, sonst müsste er beim Schadensersatz ran. Seine Pächter hätten aber ohnehin Verständnis.

Bei der Fahrt durch den Wald kommt Riker mit der Unterscheidung von Staats- und Privatwald kaum hinterher, so schnell wechseln die Bereiche ab. Eine Drückjagd, ihr Aufwand, mache nur Sinn, wenn sie auf einer zusammenhängenden, revierübergreifenden Fläche erfolge. Das Sichraushalten des Forsts stelle das infrage. Riker und Stauffer verweisen dazu auf die Vorschrift, dass nur bis zu einem Abstand von mindestens 1000 Metern zu vielbefahrenen Straßen gejagt werden darf. Es gehe also um die Haftung, wenn etwas passiert. Das Gebiet reicht aber auf der einen Seite, Richtung Winterbach, bis zur B 29. Klar, die wird nicht gesperrt, aber andere Straßen seien doch in der Vergangenheit gesperrt worden, für die paar Stunden der Jagd.

Zu viele Schweine: Jäger kommen nicht mehr hinterher

Die Sauen seien nun mal hochmobil, legten im Gegensatz zu Rehwild, wenn sie aufgeschreckt werden, Kilometer zurück, seien ständig in Bewegung, wüssten genau, wo sie sich sicher abducken können, etwa in Brombeerhecken, im Walddickicht. Außerdem würden sie durch den intensiven Maisanbau immer fitter. Mittlerweile trügen die Bachen das ganze Jahr über. „Wir kommen nicht mehr hinterher, weil die sich derart vermehren“, so Riker. Einzeljagden mit hohem Zeitaufwand seien ohnehin sinnlos weil ineffektiv, ergänzt Stauffer.

Jagd absagen als Druckmittel

„Vielleicht sollten wir einfach mal die Jagd absagen, vielleicht machen dann die Landwirte einen solchen Aufstand, dass es sich der Forst anders überlegt“, sinniert Stauffer, der sich noch mehr ärgert als Riker. Er hat auf seinem Handy Videos von Rotten mit 20, 30 Tieren. Genießen mag oder kann er diese Art Tierfilme aber nicht so recht.


Kritik am „grünen“ Jagdgesetz

„Die schlampern in aller Seelenruhe durch den Wald, weil wir sie nur hin und her schieben“, berichtet Eric Lachenmaier, der Jagdpächter des Reviers Schornbach/Mannshaupten. Er hat auch Schäden, setzt aber vor allem auf Druck auf Bürgermeister, Abgeordnete und Ministeriale, darauf, dass sich von oben etwas tut. Er ist sich mit Riker und Stauffer aber einig: Das „grüne“ Jagdgesetz sei weltfremd.