Berglen

Jawort an der Hangkante

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Symbolbild. © Laura Edenberger

Berglen. Heiraten unter freiem Himmel: Wo, wenn nicht in den Berglen bietet sich das geradezu an? Natur, landschaftlich reizvolle Stellen gibt es dort reichlich. Die Gemeinde will, nachdem der Wunsch laut Verwaltung immer wieder an sie herangetragen werde, einen Trauungsplatz im Gewann Scheuenberg bei Öschelbronn anlegen.

Die auserkorene Stelle liegt südlich von Öschelbronn, an der Verlängerung der Ginsterstraße, rund 300 Meter vom Ortsrand und etwa zehn Meter entfernt vom Feldweg. Sie bietet Aussicht aufs Buchenbachtal, bei passender Witterung gar bis zur Schwäbischen Alb, liegt an der Kante eines Streuobstwiesenhangs, der steil nach Süden abfällt, ist also schon ein Aussichtspunkt. Das mittlerweile stark verwilderte Grundstück hat die Gemeinde geschenkt bekommen.

Planungen von Landschaftsarchitekt Wolfgang Blank

Vorgesehen ist, vom Feldweg einen Wiesenweg aus Schotterrasen dorthin anzulegen. Der Trauungsplatz selbst soll laut Planung von Landschaftsarchitekt Wolfgang Blank als eine eingeebnete, ovale Fläche ebenfalls mit Schotterrasen angelegt werden, etwa 30 Quadratmeter groß sein und mit Granitpflastersteinen eingefasst werden. In die Fläche sollen zwei Ringe aus Messing eingelegt werden. Dahinter ist ein „Bilderrahmen“ (2,5 Meter auf vier Meter) aus Holz vorgesehen, der die Aussicht betont und vor dem die Zeremonie stattfinden soll. Da Trauungen dort nur in der warmen Jahreshälfte stattfinden sollen, wird dieser Rahmen nur von Mitte März bis Mitte Oktober aufgestellt. Für die Zeremonie (Unterschriften) wird ein Tisch aus Natursteinquader gesetzt. Oberhalb des Platzes soll eine 50 Zentimeter hohe Sitzmauer den Übergang zum umgebenden Gelände, eine mit diesem verträgliche Sitzmöglichkeit bilden. Ebenfalls nach Norden hin sollen drei Kirschbäume als Einfassung des Platzes gesetzt werden.

Der Standort liegt im Landschaftsschutzgebiet 

Da der Standort im Außenbereich und dort wiederum im Landschaftsschutzgebiet liegt, stellt sich die Frage nach der Verträglichkeit des Platzes damit. Nur das Brautpaar und körperlich eingeschränkte Personen sollen bis zum Platz fahren dürfen. Dafür werden entlang des Feldwegs zwei Stellplätze mit Schotterrasenfläche angelegt. Die Hochzeitsgesellschaft muss ihre Fahrzeuge am Parkplatz des Friedhofs, etwa 600 Meter entfernt, abstellen, was laut Verwaltung einen Fußweg von fünf bis zehn Minuten bedeutet. Die Gemeinde will im Anschluss an die Zeremonie einen Ständerling an dem Platz zulassen, der aber nicht länger als zwei Stunden dauern darf.

Verwaltung: Behörden haben keine grundsätzlichen Bedenken

Die Verwaltung hat, als sie im Bau- und Umweltausschuss die Planung vorstellte, versichert, dass in einem Vorgespräch Umweltschutzamt und Baurechtsbehörde keine grundsätzlichen Bedenken geäußert hätten. Mit dem Trauungsplatz könne „unsere reizvolle Landschaft auch in einem Bereich zur Geltung gebracht werden, wo dies bislang nicht der Fall war“, warb Bürgermeister Maximilian Friedrich. Die Idee sei toll, stimmte Christa Jooß, SPD, zu. Aber es müsse sichergestellt werden, dass nicht, wie zu befürchten, wild entlang des Feldwegs beim Platz geparkt wird. Man werde das mit Überlassungsvereinbarungen, inklusive Verpflichtung, die Vorgaben einzuhalten, regeln, so Friedrich.

Bürgermeister Friedrich: "Wir reden hier also von wenigen Malen"

Auch er finde die Idee gut, aber die Frage aus seiner Sicht sei, wie denn die Getränke und die Happen für die Ständerlinge zu dem Platz kommen, so Rolf Hammer, BWV. Man werde zwar zulassen, dass die mit dem Auto dorthin gebracht werden, so Bauamtsleiter Reiner Rabenstein. „Aber wenn das entladen ist, muss es zum Parkplatz beim Friedhof zurückgefahren werden. Wir werden die Leute darauf vorher hinweisen.“ Die Anzahl der standesamtlichen Trauungen halte sich in Berglen insgesamt ohnehin in Grenzen und wenn das Wetter nicht mitmache, sei das Ganze eh nicht möglich, gab Friedrich zu bedenken: „Wir reden hier also von wenigen Malen.“

Seit 2011 rechtlich zugelassen

Die Verwaltung geht von Materialkosten für den Trauungsplatz bei Öschelbronn in Höhe von etwa 12 000 Euro aus. Den Platz anlegen soll der Bauhof der Gemeinde, im bevorstehenden Frühjahr.

Heiraten unter freiem Himmel ist rechtlich in Baden-Württemberg seit 2011 möglich. Auch kirchliche Hochzeiten können im Freien stattfinden. Unter freiem Himmel kann auch bedeuten: am See, am Strand, im Wald, auf der Wiese, im Park, im Garten, auf dem Bauernhof.

In Ludwigsburg kann sich ein Paar im Mathildengarten des Blühenden Barocks, auf der Südseite des Residenzschlosses, das Jawort geben. Falls das Wetter nicht mitmacht, steht als kurzfristiges Ausweichquartier das Glasschauhaus der Orangerie zur Verfügung.

In Stuttgart kann unter anderem auf der Terrasse des Marmorsaals im Weißenburgpark, auf der Dachterrasse des Weissenhofmuseums im Haus Le Corbusier, im Brunnenhof des Kursaals Bad Cannstatt und im Schlosspark in Mühlhausen geheiratet werden.