Berglen

Kurzer Draht zur Rentenversicherung

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Der Berglener Franz Sigl lässt sich im Rathaus via Internet-Telefonie von Dominik Altherr von der Deutschen Rentenversicherung beraten. © Ralph Steinemann Pressefoto

Berglen. Als erste Kommune im Rems-Murr-Kreis bietet die Gemeinde Berglen Bürgern ein Beratungsgespräch via Video-Chat mit der Deutschen Rentenversicherung an. Längere Wege zu einer Beratungsstelle sowie Wartezeiten auf einen Termin werden für viele verkürzt. Denn immer dienstags können Bürger ihre Fragen an das Fachpersonal stellen.

Franz Sigl (71) sitzt vor dem Computer in einem Raum unweit des Berglener Bürgerbüros. Auf dem Bildschirm taucht Dominik Altherr auf, Berater bei der Deutschen Rentenversicherung. Er stellt sich kurz vor und fragt den Oppelsbohmer nach seinem Anliegen. Die Stimme von Altherr ist klar verständlich, die Verbindung gut. Franz Sigl sitzt aufrecht auf seinem Stuhl wie bei einem echten Beratungsgespräch und hört aufmerksam zu. Im Vergleich zu Dominik Altherr hat er keine lästigen Kopfhörer auf. Die Stimme kommt aus Lautsprechern neben dem Bildschirm.

„Ich habe mich wohlgefühlt“, sagt Franz Sigl hinterher. „Es ist ein attraktives Angebot.“ Das letzte Mal, als er bei einem solchen Beratungsgespräch gewesen war, musste er dazu nach Stuttgart fahren. Im Rems-Murr-Kreis bietet die Deutsche Rentenversicherung mittlerweile in Schorndorf, Waiblingen und Backnang einmal im Monat einen Sprechtag an.

So funktioniert´s: 

  • Immer dienstags, erstmals am 29. Mai, können sich alle Bürger, sei es aus dem Rems-Murr-Kreis oder Bürger, die auf der Durchreise sind, im Raum neben dem Bürgerbüro im Rathaus in Oppelsbohm via Video-Internettelefonie von der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen. Die Beratung findet in der Zeit von 12.30 bis 16 Uhr statt.
  • Vorab muss man sich unter ) 0 71 95/9 75 70 im Berglener Rathaus einen Termin geben lassen. Der Termin erfolgt mindestens eine Woche später, bei kurzfristigen Beratungslücken kann das Gespräch auch einmal früher erfolgen.
  • Wenn ein Bürger einen Termin für ein Beratungsgespräch mit der Deutschen Rentenversicherung hat, muss er sich vorher im Bürgerbüro anmelden. Gemeindemitarbeiter bereiten den Computer für das Internet-Gespräch vor. Wenn die Beratung abgeschlossen ist, signalisiert der Bürger dies auch wiederum den Mitarbeitern im Bürgerbüro.

Online-Beratung in zweiter Modellkommune gut angelaufen

Berglen ist damit die erste und bisher einzige Kommune im gesamten Rems-Murr-Kreis, welche als Pilotprojekt ein wöchentliches Beratungsgespräch via Video-Internettelefonie mit der Deutschen Rentenversicherung anbietet. Bisher gibt es einen solchen Versuchslauf nur in Ludwigsburg, erklärt Erster Direktor Andreas Schwarz. Bundesweit ist das Pilotprojekt in dieser Form einmalig, so Pressereferent der Deutschen Rentenversicherung Thomas Becker.

Nachdem in Ludwigsburg das Projekt seit Januar läuft, gibt es erste positive Rückmeldungen. Kunden wurden außerdem gefragt, ob sie sich ein solches Gespräch auch von zuhause aus vorstellen könnten, was aber viele verneinten, weil ihnen das technische Knowhow oder die Ausstattung fehle, so Schwarz und hob die guten und dazuhin barrierefreien Gegebenheiten im Rathaus hervor. Andere sorgen sich um die Datensicherheit, für die, laut Kerstin Friedrich, die das Pilotprojekt bei der Deutschen Rentenversicherung betreut, bei einem häuslichen Video-Chat jeder selber verantwortlich wäre.

Pilotprojekt für drei Monate

Im Moment ist der Gedanke einer Beratung in den eigenen vier Wänden noch Zukunftsmusik. „Es sollte aber ein niederschwelliges Angebot sein“, so Kerstin Friedrich, so dass im besten Fall die Versicherten nur einen PC mit Kamera und einer Internetverbindung benötigen.

Das Pilotprojekt in Berglen ist für etwa drei Monate angesetzt. Dann wolle man schauen, wo und wie man die Beratung via Internet erweitert, erklärt der Leitende Projektmanager der Rentenversicherung Wolfgang Silber.

In Berglen kann sich jeder Versicherte beraten lassen. Seit 2007 hat die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg die Aufgabe Auskunft allen Versicherten zu erteilen – „alle, die hier leben oder sich aufhalten“, so Schwarz. Neben Waiblingen, Schorndorf und Backnang ist Berglen demnach eine weitere Anlaufstelle im Kreis.

Berater sollen einen Gesicht mit einem Namen haben

„Service und Beratung sind uns sehr wichtig“, sagt Andreas Schwarz. Berater sollen für den Kunden ein Gesicht mit einem Namen haben, damit man wisse, mit wem man es zu tun hat. Deshalb setze man nicht nur auf die Zentrale in Stuttgart, sondern versuche auch regional stark vertreten zu sein. In Baden-Württemberg gebe es mehr Sprechtage als anderswo, so Schwarz. Dennoch könne man nicht jeden Ort beliefern. Die moderne Technik aber bietet neue Möglichkeiten, wobei Datensicherheit eine wichtige Rolle spiele.

Bürgermeister Maximilian Friedrich freut sich, dass das Los für das Pilotprojekt auf Berglen gefallen ist. In den vergangenen Jahren hat die Gemeinde viel in Sachen Digitalisierung in die Hand genommen. Berglen wachse stetig – nicht nur in Bezug auf junge Familien, sondern auch bei Älteren. Geographisch sei Berglen zudem der Mittelpunkt des Landkreises. Dass der ländliche Raum durch solch ein Projekt gestärkt werde, unterstützt der Gemeindetag ausdrücklich wie auch Landrat Dr. Richard Sigel, der als „interessierter Zuhörer“, wie er sagt, beim Termin erschienen ist.

 

Berglen wurde vom Land zusammen mit anderen als digitale Zukunftskommune ausgezeichnet. Die Kommunen werden eine an den Bedürfnissen ihrer Bürger ausgerichtete Digitalisierungsstrategie entwickeln. Bei der Umsetzung werden sie vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Kooperation mit dem bwcon-Netzwerk begleitet, heißt es in einer Veröffentlichung auf der Internetseite des Innenministeriums. Die besten Praktiken aus den Modellkommunen sollen auf viele weitere im Land übertragen werden.