Berglen

Lebensaufgabe Tierschutz: Was Ulrich und Heike Kraus aus Berglen antreibt

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Ulrich und Heike Kraus mit ihren Pferden Tyrone und Snips. © Ralph Steinemann Pressefoto

Egal ob Katzen, Hunde, Hühner, Schafe, Ziegen oder Pferde. Das Ehepaar Kraus kümmert sich in Ödernhardt um Tiere. Oftmals hatten diese es in ihrem bisherigen Leben nicht leicht. Was nach etlichen Stunden Arbeit klingt, und auch viel Zeit verschlingt, erledigen die beiden in ihrer Freizeit, neben ihren Hauptjobs.

„So lange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.“ Dieses geflügelte Wort spielt eine gewichtige Rolle im Leben von Heike und Ulrich Kraus. Über den Landwirtschaftsnebenerwerb, erzählt das Berglener Ehepaar, seien sie schon vor vielen Jahren zum Tierschutz gekommen und hätten diesen als Lebensaufgabe für sich entdeckt.

Die Liebe zur Kreatur sei ihr wohl in die Wiege gelegt worden, mutmaßt Heike Kraus, die ihre Tierliebe auch schon Igeln und Eichhörnchen angedeihen ließ, die sie mühsam aufpäppelte. Da lag es nahe, den Beruf der Pferdewirtin zu erlernen und einen Teil des bisherigen Berufslebens als Tierpflegerin in der Stuttgarter Wilhelma zu verbringen. In ihrem Mann Ulrich, seines Zeichens Polizeibeamter, fand sie schließlich jemanden, der sich von ihrer Liebe zur Kreatur anstecken ließ und zum Mitstreiter wurde.

Naturnahe Umgebung für Tiere aus der Massenhaltung

Vor nunmehr zwanzig Jahren seien sie nach Ödernhardt gezogen, erzählen sie, dort hätten sie Wurzeln geschlagen und ihr Refugium gefunden. Neben ihrer Arbeit in der Landeshauptstadt Stuttgart pflegen sie Streuobstwiesen und Steillagen, widmen sich der Zucht von Schafen und Ziegen, holen sich heimatlose Katzen, Hunde, Tauben und Hühner ins Haus - „retten die Tiere“, stellt Ulrich Kraus klar.

Schließlich, erklärt er, wer wisse schon und mache sich Gedanken darüber, dass die Lebensspanne, die in der industriellen Eierproduktion einem Huhn zugestanden werde, gerade mal ein Jahr betrage. Dann würden die Tiere eine Legepause einlegen und seien wirtschaftlich nicht mehr interessant. Ihr Leben sei vorbei - wenn sie nicht von Tierschützern wie dem Verein „Rettet das Huhn e. V.“ eingesammelt und auf Höfe verteilt würden, wo ihnen noch mehrere tiergerechte und naturnahe Lebensjahre zugestanden werden.

Kraus’ haben auf ihrem Hof ständig um die zwanzig Hühner. Alle paar Jahre, immer wenn fünf, sechs aus dieser Schar heraus gestorben seien, erklärt Ulrich Kraus, würden sie die Zahl wieder auffüllen. Es sei jedes Mal aufs Neue ein begeisterndes Erlebnis, mitzuverfolgen, wie die Tiere aus der Massentierhaltung eine naturnahe Umgebung für sich entdeckten und mit ihr vertraut würden, wie sie sich in die neue Gemeinschaft einfügten und auch zu den Menschen Vertrauen aufbauten.

Zwanzig Ziegen, zwanzig Schafe, fünfzehn Tauben und mehr

Zurzeit, berichtet Ulrich Kraus, hätten sie neben den Hühnern zwanzig Ziegen, zwanzig Schafe, fünfzehn Tauben, sechs Katzen und zwei Hunde bei sich auf dem Hof. Dazu noch ihre zwei Pferde. Eigentlich seien sie ja keine Freunde davon, Tiere aus dem Ausland zu retten und nach Deutschland zu holen, erzählen die beiden. Schließlich gebe es hierzulande mehr als genug Tierelend, die Tierheime würden geradezu überquellen davon.

Eine Ausnahme stellten in ihren Augen allerdings irische Pferde dar. Auf der „grünen Insel“ hätten Pferde einen völlig anderen Stellenwert als hierzulande, erklären sie. Nach wie vor seien in Irland auf dem flachen Land Pferdehaltung und -zucht weit verbreitet. „Hinz und Kunz“ züchten dort Pferde, erklären Kraus’. Weit verbreitet sei dort allerdings auch der geringe Stellenwert, den das einstige Statussymbol genieße. Die oftmals unregistrierten und nicht gekennzeichneten Tiere würden von verantwortungslosen Besitzern oftmals einfach ausgesetzt. Die herrenlosen Tiere streunten dann auf Gemeindewiesen, Golfplätzen, in Wohnsiedlungen und auf Privatgrundstücken umher, stets auf der Suche nach Futter und oftmals in so schlechtem Zustand, dass sie nicht in der Lage sind, sich selbst überlassen zu überleben.

Vor Ort versuchen Hilfsorganisationen, diesem Elend entgegenzuwirken. Sie sammeln die Tiere ein, bringen beschlagnahmte misshandelte Tiere unter, pflegen sie und bemühen sich, sie in einer tiergerechten Umgebung unterzubringen. Mit einer dieser Organisationen, „Hungry Horse Outside“, stehen Heike und Ulrich Kraus seit 2015 in Kontakt. Sie bemühten sich, dort betreuten Pferden in Deutschland ein Zuhause zu vermitteln. Mehrmals im Jahr würden Transporte von Irland aus auf den Weg gebracht, die Tiere seien geimpft und würden über alle notwendigen Papiere verfügen. Dies sei ihnen eine „ausgesprochene Herzenssache“, versichern Kraus’.

Arbeit in der Natur als Ausgleich zum Job

Auf die Frage, wie man es überhaupt schaffe, all’ diese Aufgaben zu bewältigen, neben dem Beruf und der ehrenamtlichen Tätigkeit als Gemeinderat, erwidert Ulrich Kraus, er brauche es, ständig in Bewegung zu sein. Die Arbeit im Freien und die damit verbundene Nähe zur Natur bereite ihm einfach Spaß. Umso mehr, wenn man die Liebe und Dankbarkeit spüre, die gerade Tiere einem entgegenbringen.

Egal ob Katzen, Hunde, Hühner, Schafe, Ziegen oder Pferde. Das Ehepaar Kraus kümmert sich in Ödernhardt um Tiere. Oftmals hatten diese es in ihrem bisherigen Leben nicht leicht. Was nach etlichen Stunden Arbeit klingt, und auch viel Zeit verschlingt, erledigen die beiden in ihrer Freizeit, neben ihren Hauptjobs.

„So lange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.“ Dieses geflügelte Wort spielt eine gewichtige Rolle im Leben von Heike

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