Berglen

Michael Schützenberger räumt seinen Kopf, seinen Künstlerhof und seine Kunst auf

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Bildhauer Michael Schützenberger räumt um im Künstlerhof mitten in Streich. © Benjamin Büttner

Künstler haben ja oft ein Platzproblem. Vor allem Bildhauer, die wuchtige Skulpturen errichten, mit tonnenschweren Marmorblöcken, Stahl, Stein oder Bronze schaffen. Bei Michael Schützenberger haben erstmals wieder nach der langen Pause Interessierte beim Tag der offenen Ateliertür, einer Aktion des Bunds der freischaffenden Bildhauer und Bildhauerinnen, sein Steinlager und seine Werkstatt angeschaut.

Statt Urlaub und Freizeit-Events standen Renovieren und Verschönern an

„Ich bin abhängig von jeder Ecke Fläche, auf der ich etwas deponieren kann“, so Schützenberger. Interessant: Seit Corona hat er wieder mehr Platz im Atelier. Er habe einige Werke verkauft. „Die bildende Kunst ist in der Krise sehr beliebt.“ Die Krise habe ihm „bislang“ nichts anhaben können. Er betont das Wort beim Rückblick aufs Corona-Jahr besonders. Er könne ja nicht wissen, was noch kommt. Er wisse nur, dass die zurückliegenden Monate - bezogen auf die Nachfrage nach seinen Kunstwerken - nicht die schlechtesten waren. „Es ist ja nicht so, dass Deutschland auf einmal kein Geld mehr hatte. Die Menschen, die sich Kunst leisten, waren viel mehr zu Hause und haben bewusster und häufiger ihre eigenen vier Wände gesehen“, sagt Schützenberger. Er habe selten so viele Bohrmaschinen und Rasentraktoren gehört wie in den letzten eineinhalb Jahren. „Es ist kaum zu fassen, wie viel hier umgebaut wird, Garagen werden gestrichen, Keller werden betoniert, Carports werden gebaut, Räume werden aufgehübscht, völlig zu Recht, was hätte man auch anderes tun sollen?“, meint er.

In seiner Lage sind nicht alle Künstler: Seit dem Lockdown steht vielen Kreativen und Freiberuflern das Wasser bis zum Hals, viele waren existenzbedroht, viele sind es auf Dauer, einige haben umgesattelt, sich ein zweites Standbein geschaffen, um zu überleben. An die Existenz sei es aber eher den darstellenden Künstlern gegangen. Michael Schützenberger führt als Beispiel seine Frau Doina Apostol an, sie ist Pianistin, konnte nirgendwo auftreten während der Lockdowns, als Theater, Schauspielhäuser, Veranstaltungsstätten unbespielt und geschlossen bleiben mussten.

Im Corona-Chaos fehlte Stabilität, neue Strukturen schaffen etwas Sicherheit

Jetzt wird etwas nachgeholt. Er merke es am eigenen Terminkalender: „Es gibt kein Wochenende mehr, an dem nicht irgendwo eine Ateliertüre offen ist.“ Bis Oktober würde er nicht mehr zum Arbeiten kommen, würde er alle Angebote wahrnehmen und seine Künstlerkollegen und deren Events besuchen. Dazu werde es nicht kommen, weil er hier ganz gut beschäftigt ist. Aktuell bestehe sein Tagwerk aus Sortieren und Aufräumen. „Corona war unübersichtlich, da war Chaos, was aber dazu geführt hat, dass sich die Menschheit wieder neu strukturieren muss.“ Der Mensch sehne sich nach Stabilität, die Corona infrage gestellt habe. Was die Außenwelt nicht geben kann, lasse sich innerlich auffangen, indem man Strukturen schafft. „Aufräumen vermittelt einem da vielleicht etwas Sicherheit.“

Auch ein Thema für die Kunst: Wie gehen wir mit Bedrohungen um?

Schützenberger schiebt es bei sich aber eher aufs Alter: „Ich spüre auf einmal Freude und Lust dran, meine Sachen auszumisten.“ Er habe vor, sein Haus umzubauen, um die mit den Jahren angesammelten 1200 Bilder und 700 Skulpturen übersichtlicher zu verteilen.

Ausmisten, neu ordnen - der Künstler meint damit auch die Gedankenwelt. Seine Figuren wandeln sich, Schützenberger sagt, er habe viel gesehen, sei inspiriert worden auch von anderen Dingen. „Wie wir, wie ich mit einer Bedrohung umgehe, auch dies ist ein Thema für die Kunst.“ Wann das eigene Leben endet, wie man eines Tages mit Krankheit umgeht, auch was Natur ist und bedeutet für uns - die Fragen führen ihn zu Antworten über Sinnbilder, auf seine Art und Weise, indem er Kunst macht.

Künstler haben ja oft ein Platzproblem. Vor allem Bildhauer, die wuchtige Skulpturen errichten, mit tonnenschweren Marmorblöcken, Stahl, Stein oder Bronze schaffen. Bei Michael Schützenberger haben erstmals wieder nach der langen Pause Interessierte beim Tag der offenen Ateliertür, einer Aktion des Bunds der freischaffenden Bildhauer und Bildhauerinnen, sein Steinlager und seine Werkstatt angeschaut.

Statt Urlaub und Freizeit-Events standen Renovieren und Verschönern an

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