Berglen

Mit Waffen gegen Wildschweine

Justitia gerichtsverhandlung urteil symbol symbolbild
Symbolbild. © Joachim Mogck

Berglen/Waiblingen. Mitte Januar hält die Polizei in Berglen einen Mann in seinem Auto zur Verkehrskontrolle an. Unter seiner Jacke steckt eine Schreckschusspistole und neben ihm liegt ein Teleskopschlagstock. Einen Waffenschein hat der 24-Jährige nicht. Klarer Fall – die Polizei zieht die Waffen ein, das Gericht erlässt einen Strafbefehl. Doch der Beschuldigte erhebt Einspruch.

Hätte der 24-Jährige dem Strafbefehl nicht widersprochen, wäre es gar nicht zu einer mündlichen Verhandlung vor dem Amtsgericht Waiblingen gekommen. Denn ein Strafbefehl ist ein vereinfachtes / verkürztes Strafverfahren, in dem das Gericht ohne Hauptverhandlung entscheidet. Der Beschuldigte erhält dann schriftlich die Entscheidung inklusive Strafe, und wenn er sie annimmt, ist die Sache erledigt.

Der schmächtige Mann, der am Mittwoch vor Richterin Dotzauer sitzt, hat Einspruch erhoben. „Warum?“, fragt die Richterin ihn. „Mir geht es da um den Preis, den kann ich nicht aufbringen“, antwortet er langsam. Mit Preis meint er die Geldstrafe von 1200 Euro, die er zahlen soll. Er arbeitet im Gartenbau, wohnt noch zu Hause, beteiligt sich an der Miete der Mutter. Da bleibe nicht viel Geld übrig am Monatsende, sagt er.

Er widerspricht also nur der Straffolge. Den Vorwurf selber räumt der Mann ein – dass er die Waffen außerhalb seines Grundstückes nicht mit sich führen darf, das habe er vergessen gehabt. „Wir haben auf unserem Grundstück bei Urbach schon lange Probleme mit Wildschweinen. Die haben da schon alles umgegraben. Wir wollten an dem Abend hin, dann fiel aber Schnee und wir haben es uns anders überlegt.“ Richterin Dotzauer fragt nach: Wollten sie den Wildschweinen denn mit dem Schlagstock eine übern Kopf dätschen?“ Der 24-jährige nickt. „Ja, aber die kriegt man ja nie.“ Deshalb hatte er auch die Schreckschusspistole (eine Walther P99) dabei gehabt. Mit der wollte er wenigstens Krach machen, um die Tiere zu vertreiben.

Er verzichtet auf die Herausgabe der Waffen und gibt die Vorwürfe zu

Stattdessen haben er und seine Kumpels, die mit zwei eigenen Autos unterwegs waren, nach schneebedeckten Straßen gesucht – für Schleuderfahrten. Gegen 22.15 Uhr hielt die Polizei ihn dabei in Oppelsbohm an und fand die Waffen. Er verzichtet auf die Herausgabe von Pistole und Schlagstock. Die wären ihm ohnehin nicht zurückgegeben worden, aber dass er vor Gericht ausdrücklich darauf verzichtet, wirkt sich ebenso positiv für ihn aus, wie die Tatsache, dass er zugibt, was ihm vorgeworfen wird.

Weniger gut ist die Tatsache, dass er schon einen Eintrag wegen Sachbeschädigung hat. Vor einiger Zeit sei er mit einer Gruppe Freunden unterwegs gewesen und die hätten von einer Brücke Steine auf das Dach eines Busses geworfen. „Da war ich aber nur dabei. Ich habe nicht selber geworfen.“ Na gut, Richterin Dotzauer glaubt ihm. Auch die Staatsanwältin berücksichtigt seine Aussagen und beantragt für den Verstoß gegen das Waffengesetz eine Strafe von 875 Euro.

Das Gericht schließt sich dem an, verurteilt den 24-Jährigen zu dieser Strafe, immerhin über 200 Euro weniger. Auch die Kosten des Verfahrens muss er tragen – die seien in dem Fall aber nicht sehr hoch, beruhigt Dotzauer ihn.

Waffengesetz und Strafbefehl

Nach § 42a des Waffengesetzes ist es verboten 1. Anscheinswaffen, 2. Hieb- und Stoßwaffen oder 3. Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm zu führen.

Ein Strafbefehl soll die Gerichtsverhandlung ersetzen und so das Strafverfahren vereinfachen und beschleunigen. Der Erlass des Strafbefehls wird von der Staatsanwaltschaft beim Gericht beantragt. Hat das Gericht Bedenken, ohne Hauptverhandlung zu entscheiden, gibt es einen Hauptverhandlungstermin.

Der Erlass eines Strafbefehls kommt nur bei kleineren Straftaten in Betracht, weil das Gesetz durch Strafbefehl keine höheren Strafen als Geldstrafe (bis zu 360 Tagessätzen) oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr zulässt, wenn deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird und der Angeklagte einen Anwalt hat.