Berglen

Nur riechen, nicht jagen: Der Labrador Joey wird beim Flurbereinigungsverfahren eingesetzt, um Standorte von geschützten Zauneidechsen zu finden

Suchhund Joey
Gefunden! Gleich bekommt der Artenspürhund von seinem Trainer Alun Williams einen Ball zum Spielen als Belohnung. © Benjamin Büttner

Joey hat ein Näschen für Zauneidechsen. Er kann sie riechen. Genauer gesagt: herausriechen aus allem, was sonst noch in der Gegend Duft verströmt. Das macht den dreijährigen Labrador besonders. Er wird als Artenspürhund eingesetzt, ist dabei allerdings noch in der Ausbildung.

Das wird deutlich bei einer Vorführung auf freiem Gelände zwischen Rettersburg und Öschelbronn. Als Joey von seiner Besitzerin Ina Ziebler-Eichhorn und seinem Trainer Alun Williams losgeschickt wird, auf einen sonnenbeschienenen Hang, auf dem laut Monika Menges, Landespflegerin im Landratsamt, sehr wahrscheinlich die streng geschützten Reptilien vorkommen, schlägt er nach kurzem Herumschnüffeln an. Genauer gesagt, er setzt sich ab und zeigt damit an, dass er fündig geworden ist. Er ist so abgerichtet, dass er gar nicht erst versucht, seinen Fund auszugraben oder gar, falls dieser flüchten sollte, ihn zu jagen. Seine Aufgabe ist einfach nur anzuzeigen, dass es da Eidechsen gibt oder gegeben hat, denn seine Nase hat auch ein ausgezeichnetes Langzeitgedächtnis, das noch ausschlägt, selbst wenn es Monate her ist, dass hier Zauneidechsen waren.

Weniger erfolgreich ist das Experiment einige Minuten später, das auf einer frisch gemähten Wiese gleich neben dem Fronwiesenbach stattfindet. Dort legen Ziebler-Eichhorn und Williams außer einer richtigen Fährte auch eine falsche. Ein Röhrchen mit einem Tuch, an dem Eidechsengeruch haftet, wird mit einem Erdbohrer verbuddelt, eines mit einem Tuch mit dem Geruch einer Maus. Joey irrt eine Viertelstunde vergebens herum, wobei ihm Williams immer wieder folgt und versucht, ihn in die richtige Richtung zu dirigieren.

Zur Ehrenrettung des Vierbeiners muss allerdings eingeräumt werden, dass die Versuchsanordnung in diesem Fall äußerst anspruchsvoll ist. Noch nie musste Joey sein Können vor so vielen ihn beobachtenden Leuten unter Beweis stellen und Menges geht davon aus, dass eine supersensible Hundenase wie die von Joey auf so einem Gelände unzählige Gerüche wahrnimmt, von denen der Riechanalphabet Mensch nicht den blassesten Schimmer hat. Zum Beispiel lockt ein nahes Brombeergebüsch den Labrador, obwohl von Früchten an diesem noch lange keine Rede sein kann. Er büchst immer wieder mal dorthin aus.

An Eifer ist er kaum zu übertreffen

An Eifer, Einsatzbereitschaft ist Joey auf jeden Fall nicht zu übertreffen. Immer und immer wieder dreht er, von Williams strikt, aber freundlich ermuntert, unbeirrt eine Runde, kreuzt hin und her, fast meint man als mitfühlender Beobachter, dass es ihm selbst leidtut, peinlich ist. Klar, solange er nicht fündig wird, bekommt er auch keine Belohnung, im Fachjargon „Bestätigung“, so wie vorher am Hang, wo ihm sein Trainer nach erfolgreicher Suche einen Ball zum Spielen zuwirft. Nach einer Viertelstunde unterbricht Ziebler-Eichhorn. Sie muss ihn vor sich selbst schützen. Er würde sonst nicht aufhören. Ihr Hund ist, wenn er sucht, in Aktion ist, wie ein Hochleistungssportler, er erhitzt, das zehrt an den Kräften, und er braucht dann mal eine Pause zum Verschnaufen und Erholen.

 Das, was Joey lernt und in Perfektion können soll, ist eine Kunst, nämlich aus dem ganzen Universum an Gerüchen, die ihn umgeben, den einen, bestimmten, den von Zauneidechsen, herauszuriechen. So wie Vierbeiner beim Zoll oder bei der Polizei Drogen, exotische Tiere, die verbotenerweise im Koffer ins Land geschleust werden oder Sprengstoff. Er ist ein Artenspürhund, der helfen soll, den Erhalt der Zauneidechse, ihren Bestand, ihr Vorkommen, Überleben als Art in der freien Landschaft zu sichern. Er wird deshalb auch bei der Flurbereinigung im Berglener Norden eingesetzt.

An Böschungen sind die Eidechsen „vergrämt“ worden

Menges, deren eigener Hund Mantrailer ist, also bei der Suche von Personen eingesetzt wird, hat den Kontakt zu Ziebler-Eichhorn und Williams, die aus Rheinland-Pfalz kommen hergestellt. Sie verweist auf die vielen Böschungen im Flurbereinigungsgebiet. An jeder Böschung, die nach Süden ausgerichtet ist, sei mit Zauneidechsen zu rechnen.

Deshalb habe man ein Konzept ausgearbeitet, wie die hier vorkommenden Exemplare im Verfahren, vor allem beim Wegebau, geschützt werden können, berichtet Gerd Holzwarth, zuständiger Dezernent im Landratsamt. Bei Böschungen, die da zunächst im Wege standen und später wieder angelegt werden, habe man Eidechsen „vergrämen“, sie vorübergehend also umsiedeln müssen, in der Hoffnung natürlich, dass die das überleben oder es nicht so übelnehmen, dass sie sich ganz verziehen, sondern zurückkehren, sich mit ihrem neuen Domizil anfreunden. Die etwas rabiate Methode dabei war, die Böschungen erst mal komplett abzumähen und damit den Eidechsen den Sonnenschutz zu nehmen, so also den Standort erst mal für sie ungemütlich zu machen.

 Dazu muss man aber erst mal wissen, ob und wo die Tiere sind, und genau dafür kann man Hunde wie Joey einsetzen, so die Hoffnung. Aber zum Beispiel auch für Bauträger und Kommunen kann es durchaus wichtig sein, zu wissen, ob und dass auf dem betreffenden Areal die geschützte Zauneidechse vorkommt. Wenn ja, hat das nämlich zusätzlichen Umsiedlungsaufwand für diese zur Folge, der dem bei der Flurbereinigung nicht nachsteht. Mindestens ein Artenschutz-Screening wird erforderlich. Die Alternative zum Hund wäre und ist es in den allermeisten Fällen noch, dass das Gebiet über einen langen Zeitraum genau beobachtet, mehrmals im Jahresverlauf aufgesucht werden muss. Der Suchhundeeinsatz ist auch bei anderen geschützten Tierarten, etwa Fledermäusen, im Versuchsstadium.

Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll

Die Hunde müssen ganz exakt auf diesen einen Geruch spezialisiert sein, das ist das Problem. Ihre „Treffermeldung“ muss zuverlässig, absolut verlässlich sein, Fehler also ausgeschlossen werden. Die Ausbildung ist entsprechend anspruchsvoll, das geht so weit, dass Joey sogar einzelne Eidechsenarten nach Geruch unterscheiden kann, versichert Ziebler-Eichhorn. Die Herausforderung für sie wiederum ist, zum Üben mit Hilfe von Terrarien überhaupt an die entsprechenden Geruchsstoffe heranzukommen, Proben zu bekommen.

Die Belohnung ist ihm wichtiger als die mögliche Beute

Ihr Hund muss auch anzeigen, beziehungsweise lernen, dass etwas, nach dem er sucht, nicht da ist. Das Gleiche gilt auch für Drogenfahndungs- oder Sprengstoffspürhunde. Er muss auch in solchen Fällen also belohnt, „bestätigt“ werden. Dass er als Belohnung nicht die aufgespürte Eidechse bekommt, versteht sich. Aber das kapiere er ohnehin schnell: „Dem ist die Belohnung, die er stattdessen bekommt, wichtiger.“

Mittlerweile ist Joey allerdings ohnehin rehabilitiert. Es lag nämlich nicht an ihm, warum er den Geruch der Zauneidechse nicht gleich erschnüffelt, das in der Erde verbuddelte Röhrchen mit einem entsprechenden Geruchsträger zunächst nicht gefunden hat. Im zweiten Versuch, nach längerem Graben,ist der zum Artenspürhund ausgebildete Labrador erfolgreich gewesen. Dies berichtet Monika Menges vom Landratsamt im Nachgang zu der Vorführung. Der Grund, warum der Hund zwar gekreist, aber dann doch nicht angezeigt hat, war, dass das Röhrchen sich oberhalb der Mullkompresse (mit dem Geruch) mit Erde verfüllt hatte. Da es sich ja nur um einen Geruchsabrieb der Eidechse handelte, war damit dieser Geruch für den Hund zu schwach. Es waren damit die „schuld“, die das Röhrchen nicht richtig eingegraben hatten, also die betreffenden Zwei-, nicht der Vierbeiner.

Joey hat ein Näschen für Zauneidechsen. Er kann sie riechen. Genauer gesagt: herausriechen aus allem, was sonst noch in der Gegend Duft verströmt. Das macht den dreijährigen Labrador besonders. Er wird als Artenspürhund eingesetzt, ist dabei allerdings noch in der Ausbildung.

Das wird deutlich bei einer Vorführung auf freiem Gelände zwischen Rettersburg und Öschelbronn. Als Joey von seiner Besitzerin Ina Ziebler-Eichhorn und seinem Trainer Alun Williams losgeschickt wird, auf einen

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