Berglen

SEK-Einsatz in Berglen: Festgenommener Mann ist im Ort als aggressiv bekannt

Bedrohungslage, Berglen-Öschelbronn, 12.01.2023.
Kampfmonturen, Sturmhauben, Maschinenpistolen am frühen Morgen im idyllischen Flecken. © Benjamin Beytekin

Mit einer Kettensäge hat am Donnerstagmorgen (12. 1.) ein 58-Jähriger im Berglener Teilort Öschelbronn einen Gerichtsvollzieher bedroht und damit einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Auch das Sondereinsatzkommande (SEK) war vor Ort. Eine Hubschrauber-Besatzung behielt die "Bedrohungslage" aus der Luft im Auge. Der Mann wurde schließlich ohne Waffengewalt festgenommen und befindet sich mittlerweile in einer Klinik. Wie aus dem Ort zu hören ist, drohte dem 58-Jährigen seit längerem die Zwangsräumung. Er war schon zuvor auffällig geworden. 

So ein Großaufgebot an Polizei und Rettungswagen hat Berglen noch nicht erlebt. Eine Armada rauscht gegen acht Uhr morgens nach Öschelbronn, biegt in die Rosenstraße ab, prescht nach hinten durch, am außerhalb gelegenen Trauplatz vorbei und den Hang wieder runter zu einem Richtung Rettersburg gelegenen Aussiedlerhof: Streifenwagen, Zivillimousinen mit Blaulicht auf dem Dach, ein vollbesetzter Van und ein gepanzertes Fahrzeug, wie man es aus Kriegs- und amerikanischen Actionfilmen kennt, die Sicherheitskräfte teils in normaler Dienstkleidung, teils in Kampfmontur mit Sturmhauben, alle schwer bewaffnet, und über alledem kreist ein Hubschrauber. Ringsum ob des „Aufruhrs“ sind Nachbarn am Fenster oder stehen vor dem Haus, in Gruppen, mit besorgten, auch ängstlichen Gesichtern. Der ganze Ort ist spätestens jetzt wach – und aufgeregt.

Was ist passiert, was ist der Anlass für ein derart massives Anrücken? Laut kurz darauf veröffentlichter Pressemitteilung der Polizei hat der 58-jährige Bewohner einen Gerichtsvollzieher bedroht, mit einer Kettensäge, und sich dann zurückgezogen. Das Gebäude sollte zwangsgeräumt werden. Der Gerichtsvollzieher alarmiert die Polizei, die daraufhin unter anderem mit dem Spezialeinsatzkommando anrückt. Der Hubschrauber soll auch absichern, dass während des Einsatzes niemand aus dem rückwärtigen Bereich auf das Anwesen kommt. Die Straße beziehungsweise Zufahrt selbst ist in diesem Zeitraum natürlich gesperrt, das Gehöft von der Seite her damit weiträumig abgesperrt. Letztlich geht das Ganze, und das ist das Wichtigste, glimpflich aus: Der Mann wird vorläufig festgenommen, widerstandslos, ohne Einsatz von Waffengewalt, es gibt keine(n) Verletzten. Die Einsatzkräfte rücken kurz nach 9 Uhr wieder ab.

Der Mann ist im Ort als aggressiv gefürchtet

Der Mann ist laut einer Anwohnerin im Ort bekannt, und zwar als „verhaltensauffällig“, als jemand, der offensichtlich psychische Probleme hat. Der Hof sei, wegen Schulden, verkauft worden, der Mann habe wohl allerdings ein befristetes Wohnrecht dort gehabt. Die Käufer seien aber vor ihm irgendwann regelrecht geflüchtet. Aber auch die Bewohner des Orts ganz allgemein hätten Angst vor ihm, weil er aggressiv, fuchsteufelswild, werden könne und Leute auch schon bedroht habe, bei der Mistelaktion zum Beispiel die Helfer, als die auf sein Grünstück wollten, um die Schädlinge von den Bäumen zu entfernen – was ja eigentlich auch in seinem eigenen Interesse gewesen wäre.

Sie selbst und viele andere im Ort hätten deshalb immer einen Bogen um ihn gemacht, ja, ihn gemieden, erzählt die Frau weiter. Sie habe, als sie die Polizei durchfahren sah, eigentlich darauf gewartet, dass auch noch die Feuerwehr kommt, denn dem Mann sei durchaus zuzutrauen, dass er in seiner Wut den Hof anzündet.

Bürgermeister: Man habe mal wieder gesehen, „dass wir die Polizei brauchen“

Einer, der das massive Anrücken der Polizei auch mitbekommen hat, ist Bürgermeister Niederberger, der mit seiner Familie in Rettersburg unweit der Durchgangsstraße, die nach Öschelbronn führt, wohnt. Auf Nachfrage dankt er zunächst der Polizei für ihren Einsatz. Man habe wieder mal gesehen, „dass wir die brauchen“. Das gelte für alle, „die für uns täglich ihr Leben riskieren“. Umso unverständlicher seien für ihn deshalb Angriffe auf Beamte.

Zum Glück habe es, wie sich schnell herausstellte, aber keine Bedrohungslage für die Allgemeinheit gegeben, das Ganze sei doch sehr eingegrenzt abgelaufen. Es sei aber trotzdem richtig, dass die Polizei mit „großem Geschütz“ angerückt sei, Vorsichtsmaßnahmen getroffen habe, solange die Lage unklar gewesen sei, „da hätte sich ja jederzeit was draus entwickeln können“, betont der Bürgermeister.

Ja, auch ihm, wie in der Gemeinde überhaupt, sei der Mann bekannt, so Niederberger auf Nachfrage weiter. Es gebe „Sachverhalte“, der Mann brauche Hilfe, habe große Probleme, die Gemeinde habe das, was von ihrer Seite zu tun sei, auch getan. Aber es gehe eigentlich um private Streitigkeiten, um die sich die betreffenden Stellen kümmern müssten, „nicht das Rathaus“.

Der Mann ist mittlerweile in eine Klinik eingeliefert worden

Die Pressestelle der Polizei bestätigt auf Nachfrage den Einsatz eines „Sonderfahrzeugs“ des SEK, ein „Panzer“ sei das aber nicht. Das Aufgebot sowohl hinsichtlich der Zahl der Einsatzkräfte als auch der Bewaffnung habe sich aus der „Bedrohungslage“, eben mit einer Kettensäge, ergeben. Der Festgenommene sei nicht im Besitz von Waffen. Der Mann, offenbar in einem psychischen Ausnahmezustand, sei mittlerweile in eine psychiatrische Spezialklinik eingeliefert worden. Gegen ihn sei mittlerweile ein Strafverfahren eingeleitet worden. 

Mit einer Kettensäge hat am Donnerstagmorgen (12. 1.) ein 58-Jähriger im Berglener Teilort Öschelbronn einen Gerichtsvollzieher bedroht und damit einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Auch das Sondereinsatzkommande (SEK) war vor Ort. Eine Hubschrauber-Besatzung behielt die "Bedrohungslage" aus der Luft im Auge. Der Mann wurde schließlich ohne Waffengewalt festgenommen und befindet sich mittlerweile in einer Klinik. Wie aus dem Ort zu hören ist, drohte dem 58-Jährigen seit längerem die

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