Berglen

Stadtjäger für Berglen: Wie die Wildtierplage im Ort bekämpft werden soll

Waschbären
So putzig sie sind, Waschbären können auch zur Plage werden, großen Schaden anrichten. © pixabay

„Abbau von Überpopulationen“: Mal was Neues, ob sich diese Sprachformel auf Dauer durchsetzt gegenüber dem in jüngerer Zeit gebräuchlichen „Entnehmen“? Die Rede ist auch davon, das „Wildtiermanagement im Siedlungsraum stärker zu professionalisieren und an die zukünftigen Bedürfnisse anzupassen“. Sagen wir es mal, auch zwar bildlich gesprochen, aber etwas deutlicher: Es geht ihnen in der Regel an den Kragen, wenn er kommt: Rotfüchsen, Rabenvögeln, Nilgänsen, Stockenten, Steinmardern, Kaninchen, Ringeltauben, aber auch den sich immer weiter verbreitenden Waschbären und Wildschweinen. In der Gemeinde gibt es eine neue Stelle, den Stadtjäger. Und die ist auch bereits besetzt: Andreas Bader aus dem Spechtshof ist dazu bestellt worden.

Der Stadtjäger (oder auch die -jägerin) ist eine Reaktion darauf, dass zunehmend Wildtiere im Siedlungsbereich vorkommen, dorthin vordringen, selbstverständlich auch, ja erst recht im ländlich gelegenen und dünn besiedelten Berglen, wo es die Viecher aus ihrem natürlichen Lebensraum eh nicht weit haben, um an ihre leichter verdiente, tägliche Essensration zu kommen – und damit denen, die, sicher unfreiwillig aber eben doch, für Nachschub sorgen, zur Plage werden.

Der Stadtjäger ist zwar zunächst mal qualifizierter Ansprechpartner, er kann und soll dazu beitragen, dass die Akzeptanz von Wildtieren bei Bürgern größer wird, aber vor allem darf er, sozusagen als Ausnahme, in „befriedeten Bezirken“, also in besiedeltem Gebiet, jagen. Er wird von der Gemeinde beauftragt, das sogenannte „kleine Jagdrecht“ wahrzunehmen, gebunden an den Besitz des Jagdscheins und mit Erlaubnis, bestimmte Schusswaffen einzusetzen. Er kann auch Fallen stellen, auch und vor allem bei Waschbären. Allerdings muss der Stadtjäger von Betroffenen selbst beauftragt werden und diese müssen für die Kosten aufkommen.

Zum Beispiel 35 Euro Miete für eine Kastenfalle inklusive Fallenmelder für sieben Tage Einsatzzeit, zuzüglich Anfahrt, Einsatzzeit des Jägers, „Abfangen“ des gefangnen Tiers und dessen „Entsorgung“. Wird eine Wildkamera eingesetzt (bei der die Bilder per Mail an den Auftraggeber übersandt werden), fallen für deren Miete, ebenfalls über sieben Tage, 21 Euro an, der gleiche Betrag für eine Ultraschallvergrämungsanlage.

Für die Einsatzzeit des Jägers (Beratung, Aufstellen der Falle, Installieren der Kamera, Kontrolle) sind pro angefangener halber Stunde 15 Euro zu berappen, für das „Abfangen“ eines gefangenen Tieres mittels Waffe 6,50 Euro. Wenn die Einsatzzeit während der Nacht ist, fällt ein Zuschlag von 30 Prozent, an Sonn- und Feiertagen von 70 Prozent an.

Beim Waschbär, als sogenannte „invasive“, also hierzulande nicht heimische Tierart, ist eindeutig, was „Abfangen“ bedeutet. Wenn er in der Falle sitzt, ist sein Ende besiegelt, er wird nicht woanders freigelassen, darf es gar nicht, anders bei Füchsen oder Dachsen, die im Wald ausgesetzt werden können. Der Jäger muss ihn erschießen, natürlich nicht vor Ort und Stelle.

Einer von insgesamt sieben im Rems-Murr-Kreis

Bader ist auch in Schorndorf Stadtjäger, einer von zweien dort und einer von insgesamt sieben im Rems-Murr-Kreis. Stadtjäger haben zum einen langjährige Jagderfahrung und sie sind zum anderen besonders qualifiziert, müssen sich extra fortgebildet haben, weil das Jagen in besiedeltem Gebiet besondere Anforderungen an die Sicherheit stellt. Außerhalb des besiedelten Gebiets ist der jeweilige Jagdpächter für Wildtiere zuständig, auch für den „Abbau von Überpopulationen“.

„Abbau von Überpopulationen“: Mal was Neues, ob sich diese Sprachformel auf Dauer durchsetzt gegenüber dem in jüngerer Zeit gebräuchlichen „Entnehmen“? Die Rede ist auch davon, das „Wildtiermanagement im Siedlungsraum stärker zu professionalisieren und an die zukünftigen Bedürfnisse anzupassen“. Sagen wir es mal, auch zwar bildlich gesprochen, aber etwas deutlicher: Es geht ihnen in der Regel an den Kragen, wenn er kommt: Rotfüchsen, Rabenvögeln, Nilgänsen, Stockenten, Steinmardern,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper