Berglen

Talk des SSV Steinach-Reichenbach mit den Bürgermeister-Kandidaten: Mitglied würden sie im Falle der Wahl werden

Talkrunde SSV Steinach-Reichenbach Berglen
Die Bewerber Ulrich Werner (1. v. l.), Katja Weidlich (2. v. l.), Joachim Reymann (1. v. r.), Holger Niederberger (2. v. r.) stellen sich Fragen des SSV-Vorsitzenden Michael Seibold (4. v. l.), des Fußball-Abteilungsleiters Udo Wonschick (4. v. r.), der Schriftführerin Simone Böse (3. v. r) und des Finanz-Vorstands Markus Hägele (3. v. l.). © Benjamin Büttner

Mitgliedschaft im Verein, im Falle ihrer Wahl? Na klar, wer hätte auf diese Frage von Michael Seibold, dem Vorsitzenden des SSV Steinach-Reichenbach, beim Talk mit den Bürgermeisterkandidaten im Vereinsheim da mit „Nein“ antworten können. Also versprochen, von allen. Ohne die Vereine, erst recht eines so mitgliederstarken wie der SSV, wird in Berglen keiner ins Amt gewählt, erst recht nicht gegen sie. Auffällig war gleichwohl, dass sich keiner der Kandidaten zu Versprechungen oder Zusicherungen zugunsten des Vereins auf Gemeindekosten (ver)locken ließ. Hinter allen Antworten stand das Gebot der Gleichbehandlung mit anderen Vereinen.

Ein „Heimspiel“, wenn man so will, hatte dabei – endlich mal, wird er selbst sagen – Ulrich Werner. Ihm, als ehemaligem Vorsitzenden und Abteilungsleiter eines Vereins im Heilbronner Unterland, sind die Sorgen und Nöte eines Sportvereins offensichtlich vertraut. Wobei, auch die anderen drei „fremdelten“ bei den Fragen von Seibold und Udo Wonschick, dem ehemaligen langjährigen Vorsitzenden und jetzigen Fußball-Abteilungsleiter, keineswegs. Bezeichnenderweise meldete sich Werner auf die Frage, wie sie denn, sollten sie gewählt werden, konkret das Ehrenamt stützen, unterstützen würden, als Erster zu Wort. Das eine sei die finanzielle Förderung durch die Gemeinde, etwa bei Investitionsvorhaben der Vereine, das andere sei „Wertschätzung“. Bei allem sei immer zu bedenken, dass es in Berglen nicht nur den SSV gebe. Eine Gemeinde funktioniere nicht ohne die Vereine, ohne das Ehrenamt. Ein Bürgermeister müsse „Flagge zeigen“, also bei Vereinsveranstaltungen erscheinen, das sei das Mindeste.

Katja Weidlich: Das Ehrenamt wird in Berglen bereits wertgeschätzt

Sie sei ja selbst im Ehrenamt tätig, so Katja Weidlich. Aus ihrer Sicht sei die Wertschätzung in Berglen gegeben, werde der Einsatz von der Gemeinde gewürdigt. Entscheidend sei die Vernetzung, die Kommunikation zwischen den Vereinen und der Gemeinde, aber auch untereinander, so Holger Niederberger. Das Zweite sei aus seiner Sicht, dass die Gemeinde einen Rahmen schaffen müsse, in dem sich die Vereine regelmäßig in der Öffentlichkeit vorstellen, sich präsentieren können. Er würde da ganz einfach die Vereine fragen, „was braucht ihr, natürlich aber im finanziellen Rahmen“, so Joachim Reymann, Kandidat der „Querdenker“-Partei „dieBasis“. Die Vereine seien ja auf Einnahmen über ihre Mitgliederbeiträge hinaus angewiesen, etwa durch Straßenfeste. Seibold merkte zu diesem Thema an, dass durch Corona und auch die OB-Wahl in Backnang der Gesprächsfaden mit der Gemeinde seit der Bewerbung von Maximilian Friedrich dort abgerissen sei.

Berglen sei eine der wenigen Gemeinden, in der die Pflege der gemeindeeigenen Sportplätze von den Vereinen, die sie nutzen, getragen werden müsse, so Wonschick, seinen Unmut über diese (zusätzliche) Belastung nicht verhehlend, wobei dieses Thema schon seit vielen Jahren gärt und die Gemeinde immerhin die Gerätschaften dafür stellt. Ob denn mit ihnen im Amt an eine „Neuverteilung“ von Aufgaben in diesem Zusammenhang zu denken sei, so Seibolds Frage an die Bewerber.

Niederberger: „Es gibt in Berglen viele Leute, die gerne mähen“

Angenommen, es werde eigens ein Platzwart eingestellt, den die Gemeinde finanziere, dann sei damit zu rechnen, dass andere Vereine mit ähnlichen Ansprüchen kommen, Bedarf anmelden, gab Katja Weidlich zu bedenken. Aus seiner Sicht gebe es da eine einfache Antwort, so Niederberger: „Es gibt in Berglen viele Leute, die gerne mähen.“ Es brauche auf jeden Fall eine verlässliche, „nachhaltige“ Lösung, nicht nur eine zeitweise Aushilfe, so Werner: „Aber was genau will denn der Verein da selbst?“, gab er die Fragen an die Verantwortlichen des SSV zurück. Aus seiner Sicht komme eine Art „Aufwandsentschädigung“ für den oder die Betreffende(n) infrage.

Für Katja Weidlich geht es hier auch um eine Generationenfrage. Die Zeiten, in denen so etwas eine bestimmte Person über lange Zeit einfach übernehme, die seien vorbei. Es sei nicht mehr selbstverständlich, über viele Jahre hinweg ehrenamtlich Verantwortung zu übernehmen. Junge Leute seien zwar bereit, sich zu engagieren, aber nicht auf Dauer und eher für bestimmte, befristete Projekte.

Der Verein wird 2027 70 Jahre alt und macht sich unter dem Motto „Steinach 27“ bereits Gedanken, wie er den runden Geburtstag feiern wird. Man sei durch Corona einigermaßen gut durchgekommen, aber die Alterung der Mitglieder stelle die Nachwuchs- und die Nachfolgerfrage, so Seibold. Es sei mittlerweile Praxis, dass Kursleiter bezahlt werden wollen. Die Aufwendungen dafür auf die Mitgliederbeiträge umzulegen, damit mache sich der Verein nicht beliebt, wie könne die Gemeinde ihm da helfen, so eine weitere Frage von ihm.

Werner: Angebote auch für Jugendliche außerhalb der Vereine

Da gehe es um gesellschaftliche Veränderungen, darum, wie Vereine künftig noch „Heimat“ sein können, so Niederberger. Er könne sich einen „Ehrenamtskoordinator“ in der Gemeindeverwaltung vorstellen, Kooperationen zwischen der Schule und Vereinen, oder Unterstützung in der Form, dass die Gemeinde Räume, Infrastruktur zur Verfügung stellt. Eine Kundin von ihm sei in einer Gemeinde am Bodensee –  die doppelt so viele Einwohner habe wie Berglen –, von der sie angestellt, die Stelle finanziert sei, Sportkoordinatorin, -managerin, so Reymann. Da stelle sich aber die Frage der Finanzierbarkeit, gab Werner zu bedenken.

Wonschick beklagte sich über den im Wahlkampf entstandenen Eindruck, in Berglen werde nichts für die Jugendlichen getan. In Wirklichkeit machten Vereine und Kirchengemeinden gute Jugendarbeit. Das sei nicht in Abrede gestellt worden, so Werner, aber die Gemeinde müsse auch „außerhalb“ von diesen etwas anbieten, um Jugendliche in Berglen zu halten, um für diese attraktiv zu sein. Es komme darauf an, was die Jugendlichen selbst wollen, so Reymann, als die Diskussion sich dem geplanten, aus finanziellen Gründen aufgeschobenen Spiel- und Freizeitgelände in Steinach zuwandte. Es bringe nichts, „für viel Geld etwas hinzustellen, das dann nicht angenommen wird“.

Weidlich und Niederberger: Es darf nicht überall das Gleiche stehen

Es sei wichtig, dass nicht in jedem Teilort das Gleiche stehe, nicht überall alles vorhanden sein müsse, so Niederberger. Auch sie befürworte da „Vielfältigkeit“, so Katja Weidlich. Das sei ein Anreiz für Jugendliche, in andere Orte als dort, wo sie wohnen, zu gehen. Nicht ideal sei es, wenn ein Spielplatz wie unterhalb der Mauritiuskirche zwar schön liege, aber der Standort so am Rande von Oppelsbohm sei, dass die Anlage nicht genutzt werde. Es gehe nicht nur um den „Bedarf“, sondern auch darum, die Jugendlichen „mitzunehmen“, in die Verantwortung zu nehmen, betonte Werner.

Mitgliedschaft im Verein, im Falle ihrer Wahl? Na klar, wer hätte auf diese Frage von Michael Seibold, dem Vorsitzenden des SSV Steinach-Reichenbach, beim Talk mit den Bürgermeisterkandidaten im Vereinsheim da mit „Nein“ antworten können. Also versprochen, von allen. Ohne die Vereine, erst recht eines so mitgliederstarken wie der SSV, wird in Berglen keiner ins Amt gewählt, erst recht nicht gegen sie. Auffällig war gleichwohl, dass sich keiner der Kandidaten zu Versprechungen oder

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