Berglen

Trotz Rettungseinsatz: Fischreiher in Berglen stirbt

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Symbolbild. © Laura Edenberger
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So wurde der Reiher transportiert.

Berglen. Kürzlich ist es wieder mal so weit gewesen: Alarm bei Karin Sailer. Der Verein Tierrettung Rems-Murr brachte der Rettersburger Extremtierschützerin einen schier hoffnungslosen Fall: ein Fischreiher, dem Hinterlassenschaften von Anglern zum Verhängnis zu werden drohten. Letztendlich, trotz aller Bemühungen, wurden sie es denn auch. Das Tier hat es nicht überlebt.

Der Reiher war an einem Vormittag in Allmersbach im Tal in einem Wohngebiet einem Zeitungsträger hinterhergelaufen, das alleine schon ein Zeichen allerhöchster Not. Der Mann musste zu seinem Entsetzen feststellen, dass der Schnabel des Tieres mit einer Angelschnur umwickelt war. Das Tier konnte also nicht mehr fressen, ihm drohte, über kurz oder lang der Hungertod.

Die Tiernotrettung wurde alarmiert, die fing den sichtlich abgemagerten Reiher ein und brachte ihn zur bekannten Anlaufstelle für solche Notfälle: Karin Sailer. Die fackelte denn auch nicht lange, sondern schnitt kurzerhand die Schnur auf und ab. Damit war das Problem aber nicht gelöst, im Gegenteil: Am anderen Ende der Schnur hing ein Angelhaken, der sich an einer Seite der Zunge verhakt hatte. Der Reiher hatte außerdem einen Riesenriss im Hals, verursacht offenbar schon früher von einem weiteren Angelhaken im Schlund. „Wenn man den so gefüttert hätte, wäre das Futter an der Stelle sofort wieder rausgelaufen.“

Tierklinik operierte sofort, der Vogel starb trotzdem am nächsten Tag

Damit war klar, dass in diesem Fall selbst Karin Sailer an ihre Grenze kam, also der Tierarzt gefragt war. Anruf in der Tierklinik, an einem Samstagmittag, die sich angesichts des Notfalls sofort bereiterklärte, den erforderlichen Eingriff vorzunehmen, unverzüglich zu operieren. Die Haken konnten entfernt werden, die Wunden wurden gesäubert und geschlossen. Der Reiher bekam über einen Katheder Fischsuppe, um wieder zu Kräften zu kommen, und mit Spritzen weitere Stärkungsmittel, blieb über Nacht in der Klinik. Karin Sailer holte ihn am nächsten Morgen ab, er schien für sie auf dem Genesungsweg, also über dem Berg, ein Irrtum.

Wahrscheinlich schon zu geschwächt und wohl auch zu gestresst

Zwei Stunden später war der Vogel nämlich tot. Der sei offenbar bereits zu geschwächt und auch zu gestresst gewesen, also wohl doch noch verhungert, erklärt sich die Tierschützerin den unglücklichen Ausgang, nach außen wie immer nüchtern, betont unsentimental. Wie’s dabei in ihr drinnen aussehen mag, lässt sich nur ahnen. Sie hat so viele Tiere nach durchwachten und auch durchweinten Nächten sterben sehen oder von ihren Leiden erlösen müssen.

Karin Sailer und Sybille Impagliatelli von der Tiernotrettung geht es aber nicht nur um diesen einen bestimmten Fischreiher. Die Verletzungen, die das Tier davongetragen hat, kämen immer wieder vor, verursacht von Hinterlassenschaften von Anglern. Beide gehen dabei nicht von Absicht, bewusster Bösartigkeit aus, sondern von Nachlässigkeit, Sorglosigkeit, Gedankenlosigkeit, nicht von allen, aber von einigen. „Das ist einfach Schlamperei von denen, die räumen ihre Sachen hinterher nicht richtig weg.“ Es gebe eben auch welche, denen seien die möglichen Folgen egal, und auch welche, die einfach nicht weit genug denken könnten (oder wollten), was da alles passieren könne.