Berglen

Ulrich Werner, Bewerber fürs Bürgermeisteramt, sagt, Berglen sei ein „Kleinod, das es zu erhalten gilt“

Ulrich Werner
Ulrich Werner. © ALEXANDRA PALMIZI

Dass die Stelle frei wird, hat er durch Zufall erfahren, über einen „Umweg“, nämlich die Info, dass Maximilian Friedrich zum neuen Backnanger OB gewählt worden ist. Die Anzeige für Berglen hat er daraufhin in der Online-Ausgabe des Staatsanzeigers entdeckt.

Dass Ulrich Werner in Berglen kandidiert, ist dagegen kein Zufall. Er war früher öfters hier, als er noch in Fellbach wohnte, von privaten Ausflügen, habe es dabei „kennen- und schätzen gelernt“, sei da nämlich stets „in eine ganz andere Welt eingetaucht“, als man sie in einer Großstadt wie etwa Stuttgart erlebe. Berglen sei ein Kleinod, das es zu schützen und zu erhalten gelte. „Es wirkt mit seinen Streuobstwiesen und Hügeln auf mich wie eine Urlaubsregion.“ Kurzum, Berglen weise eine sehr hohe Lebensqualität auf, liege in kurzer Entfernung zu Städten wie Winnenden und Schorndorf und man lebe trotzdem in der Natur hier. „Hier als Bürgermeister zu wirken und zu gestalten, ist ein Riesenprivileg.“

Ist er denn ein „Landmensch“? Er können es sich zumindest nicht vorstellen, in einer Großstadt zu leben, habe immer das Bedürfnis, „raus“ zu wollen. Werner wandert gerne, fährt Ski, macht meist Urlaub an Seen, oft, wo sich all dies verbinden lässt, und er kickt nach wie vor, mittlerweile in der AH.

Nach Recherche im Internet und einer Stippvisite jüngst mit der Partnerin habe er sich ganz kurzfristig entschieden, seine Bewerbungsunterlagen abzugeben. Ja, Berglen habe sich im Vergleich zu den früheren Besuchen schon „zum Teil“ verändert. Werner verweist auf das Neubaugebiet in Rettersburg, auch der Neubau des Netto-Markts, am Ortseingang von Oppelsbohm, der derzeit entsteht, ist ihm aufgefallen, ebenso die Bankfiliale, der Bäcker, der Metzger in der Ortsmitte sind ihm nicht entgangen. Die Grundinfrastruktur der Nahversorgung sei also vorhanden, intakt.

Vorschlag „Seniorentaxi“, bei dem die Gemeinde das Fahrzeug stellt

Es gelte also zu „schärfen“, nachzubessern. Was konkret? Etwa Angebote für die Älteren. „Die Gemeinde darf nicht nur an die jungen Familien denken.“ Es werde immer mehr ältere Menschen geben, die Hilfe brauchen. Es brauche also einen „Ausgleich“, damit Berglen auch künftig für die lebenswert bleibe und damit diese Menschen hierbleiben. Was konkret? Zum Beispiel das Angebot eines „Seniorentaxis“. Wie stellt er sich das vor? Die Gemeinde solle aktiv sein, etwa ein entsprechendes Fahrzeug dafür bereitstellen, es nicht dabei belassen, einen Zuschuss zu geben.

„Aber wie gesagt, ich bin nicht derjenige, der sagt, es muss alles anders werden.“ Es gehe darum, die vorhandene Lebensqualität zu bewahren. Es sei ja in der langen Zeit, in der er nicht mehr hier war, viel geschaffen worden, so sein Eindruck, zum Beispiel die Straße zum Stöckenhof hoch. Auch sei es ja gelungen, den Discounter herzuholen. Bewahren okay, aber was ist mit dem Problem Mangel an Wohnraum, sieht er neue Wohngebiete als notwendig an? Ja, „der Spagat“ sei schwierig. Aber „privat“ sei eben seine Meinung, weiterer Flächenverbrauch nur, wenn er absolut notwendig sei und soweit es nur irgend gehe, die Natur erhalten. Und im Amt, als Bürgermeister? Also, es sei ja klar, dass sich „der Ort“ weiterentwickeln müsse, aber dies dürfe nur „behutsam“ geschehen. Die Fläche, die dafür zur Verfügung steht, bereits entsprechend ausgewiesen ist, die könne und solle noch bebaut werden, aber „bei neuen, bei dem, was darüber hinausgeht, wäre ich sehr zurückhaltend, ja, dann ist eigentlich angesagt, den Status quo zu halten“.

„Berglen darf nicht Vorort von Winnenden werden“

Er formuliert es zuspitzend so: „Berglen darf nicht Vorort von Winnenden werden“, müsse seinen Charakter bewahren. Den Widerstand, den es dazu geben werde, den müsse man aushalten können. Und Berglen sei nun mal, von seiner Geografie her, nicht geeignet als Gewerbe- oder Industriestandort, das zeige sich ja darin, dass es eine Pendlergemeinde sei. „Die Leute, die auswärts arbeiten, die schätzen das, wenn sie abends hierher zurückkehren, diese Ruhe genießen können.“

Widerstand aushalten, wie sieht es mit seinen Führungsqualitäten aus? Werner ist Leiter des Bereichs Recht, sprich Justiziar, bei der Landesoberbehörde IT Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart, führt dort ein fünfköpfiges Team von Juristen. Er verweist außerdem darauf, dass er lange bei Intersport Abteilungsleiter war, dort zehn Mitarbeiter hatte. Mit seinen 54 Jahren habe er schon einiges erlebt. Führung sei eigentlich gar nicht so schwer, so seine Erfahrung, „Voraussetzung dafür ist, den Mitarbeitern Vertrauen entgegenzubringen“. Das sei anders als früher, als gegolten habe, Hauptsache die Richtung angeben, egal ob falsch oder richtig. Zu einem offenen Führungsstil gehöre auch Wertschätzung, „und zwar nicht nur immer drüber reden, sondern sie im Tagesgeschäft zeigen, also nicht vor versammelter Mannschaft jemanden runterlaufen zu lassen, nicht mit dem Finger auf jemand zu zeigen, wenn Fehler passieren. Es braucht, anders gesagt, eine ,Fehlerkultur'.. Führen heiße aber, wenn es wirklich gar nicht mehr anders gehe, als allerletztes Mittel, zu entscheiden, dass sich Wege trennen, „um das Team zu schützen“.

Viele Jahre erster Vorstand eines Sportvereins

Werner führt auch an, dass er viele Jahre Abteilungsleiter und erster Vorstand eines Sportvereins war, in dieser Zeit oft mit der Kommune dort zusammengearbeitet habe, etwa als es um den Bau eines Beachvolleyballfelds ging. „Es braucht da oft langen Atem.“ Aus der Zeit wisse er auch, dass ein Gemeinderat ein vielköpfiges Gremium sei, in dem es oft auch genau so viele Meinungen geben könne. Er sei sehr kompromissfähig, betont Werner, habe es schon oft sein müssen bei Gremiensitzungen. Aber man komme nun mal irgendwann an den „Punkt, wo man ein Ergebnis schaffen muss, das auf dem Tisch liegt“. Er zieht einen Vergleich zur „Richtlinienkompetenz“ der Bundeskanzlerin. „Die Situation ist ja immer so, dass man es nie allen recht machen kann.“

Fehlende Erfahrung in öffentlicher Verwaltung lässt sich Werner nicht nachsagen. Er sei ja in einer solchen, wenn auch in der Behörde des Landes. Er könne sehr wohl Aktenvermerke schreiben, Dienstwege einhalten, sei es gewohnt, mit Ministerien zu kommunizieren. Und eines sei doch auch klar: Egal, wer sich als Bürgermeister zur Wahl stelle, der- oder diejenige bringe niemals die gleiche Erfahrung für alles mit, sei also auf Arbeitsteilung in der Gemeindeverwaltung angewiesen, auf ein funktionierendes Team im Rathaus.

So fremd sei ihm Kommunales aber ohnehin nicht, „ich kenne mich zum Beispiel durchaus im Polizei- und im Baurecht aus“, so Werner auf Praktika einst bei der Stadt Weinstadt als Referendar oder bei der Stadt Fellbach während des Studiums verweisend. Er wisse also, wie eine Kommune „tickt“, welche Aufgaben auf den Ämtern anfallen. Die Frage sei aber schon auch, ob man als Bürgermeister sich bei allen Fragen in jedes Detail vertiefen müsse.

Dass die Stelle frei wird, hat er durch Zufall erfahren, über einen „Umweg“, nämlich die Info, dass Maximilian Friedrich zum neuen Backnanger OB gewählt worden ist. Die Anzeige für Berglen hat er daraufhin in der Online-Ausgabe des Staatsanzeigers entdeckt.

Dass Ulrich Werner in Berglen kandidiert, ist dagegen kein Zufall. Er war früher öfters hier, als er noch in Fellbach wohnte, von privaten Ausflügen, habe es dabei „kennen- und schätzen gelernt“, sei da nämlich stets „in eine ganz

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper