Berglen

Warum Maximilian Friedrich Oberbürgermeister von Backnang werden will

Maximilian Friedrich
Maximilian Friedrich spricht von einer „einmaligen Gelegenheit“ durch den Sieg Frank Noppers in Stuttgart. © Benjamin Büttner

Der Berglener Bürgermeister Maximilian Friedrich will Oberbürgermeister von Backnang werden. Er hat seine Kandidatur für die Wahl am 14. März in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. Friedrich war in Berglen erst im Juni wiedergewählt worden. Auf Nachfrage zu der kurzen Zeitspanne, die seither vergangen ist, erklärt Friedrich, dass mit dem Sieg von Frank Nopper bei der OB-Wahl in Stuttgart sich für ihn eine einmalige Chance biete, eine Gelegenheit, die sich wohl nur einmal im Leben ergebe. „Das ist eine besondere Situation“, betont er. Ihn dränge es keineswegs weg aus Berglen, im Gegenteil, er fühle sich hier sehr wohl, sei längst mit seiner Familie dort angekommen und angenommen, habe ein tolles Team von Mitarbeitern im Rathaus um sich und es gebe eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat.

Aber: Er sei nun mal in Backnang geboren, habe dort die ersten Lebensjahre erlebt und sei nicht weit von dort, in Auenwald, aufgewachsen. Die Verbindung nach Backnang sei in der Zeit seither nie abgerissen. Bei keiner anderen Stadt hätte er zum jetzigen Zeitpunkt für den Rathaus-Chefposten kandidiert, versichert Friedrich. Er erinnert daran, dass er vor Jahren für den OB-Posten in Weinstadt im Gespräch war. Auf Anfragen dazu habe er aber ganz klar erklärt, dass eine Kandidatur dort für ihn damals nicht infrage komme.

Er verweist auch darauf, dass er bei seiner ersten Wahl in Berglen 2012 versprochen hatte, dass er in acht Jahren sich zur Wiederwahl dort stellen werde. Das habe er eingehalten. Bei der Kandidatur 2020 habe er klar gesagt, dass er nicht versprechen könne, bei einer Wiederwahl die zweite Amtszeit in Berglen zu Ende zu bringen. Dass es die Möglichkeit gebe, dass er vorher gehe, habe er also ebenso klar kommuniziert, betont Friedrich.

Bedauern über seinen Weggang wäre ja für ihn ein gutes Zeichen

Es sei ihm durchaus bewusst, dass in Berglen nun Leute enttäuscht sein würden, wenn er von dort wegginge, im Falle eines Sieges in Backnang. „Aber das ist ja nicht nur ein schlechtes Zeichen, wenn das bedauert würde, sondern das würde ja auch Wertschätzung für meine hier geleistete Arbeit ausdrücken.“ Natürlich sei der Ältestenrat des Gemeinderats über seine Kandidatur in Backnang informiert, auch die Mitarbeiter im Rathaus, die Amtsleiter direkt in einer Gesprächsrunde, die anderen per Mail. Er habe dort ein gewisses Bedauern verspürt, aber eben auch Verständnis für seinen Wunsch, den nächsten Schritt in seinem Berufsleben zu tun. Selbstverständlich habe er sich als Allererstes mit der Familie darüber unterhalten, diese in die Entscheidung eingebunden. Das sei im Übrigen schon 2012 nicht anders gewesen, natürlich habe er bei seiner ersten Wahl den Rückhalt seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau gebraucht.

Die Entscheidung, in Backnang zu kandidieren, sei ein Prozess gewesen. Dass Nopper in Stuttgart gewinnen würde, sei ja kein Selbstläufer gewesen, sondern der Wahlausgang sei ja offen gewesen. Der Gedanke, der ihm zu Backnang gekommen sei, sei „Das könnte passen“ gewesen. Er habe keinen „Masterplan“, aber es passe eben auch von der familiären Situation her. Die Tochter ist zwei Jahre alt, geht noch nicht in den Kindergarten, muss also im Fall eines Wahlsiegs in Backnang und eines Wegzugs aus Berglen in der Folge nicht dort rausgerissen werden, so Friedrich. Er habe von der Familie grünes Licht bekommen, „ich könnte das ja niemals gegen die machen.“

„Ich kenne die Stadt, die Menschen, die Herausforderungen dort“

„Aber noch mal: Backnang ist eine besondere Chance für mich, weil ich dorthin einen besonderen Bezug habe“, betont Friedrich. Das gelte gerade, weil er ja heimatverbunden sei. „Dort kommt eben alles zusammen: Ich kenne die Stadt, ich kenne die Menschen, ich kenne die Herausforderungen dort.“ Noch mal ein Blick zurück, auf die zeitlichen Abläufe, Nopper erklärte seine Kandidatur in Stuttgart im Februar, die Wahl in Berglen war im Juni. Hat er sich denn nicht schon damals Gedanken über Backnang gemacht? „Ich hab die Situation in Stuttgart beobachtet, ja, aber Backnang war da noch lange nicht Thema für mich. Ich habe mich voll auf die Wahl in Berglen fokussiert, vorher nicht an Backnang gedacht“, versichert Friedrich.

Er verweist auch darauf, dass wenn es „regulär“ gelaufen wäre, die nächste OB-Wahl in Backnang erst 2026 angestanden wäre. „Jetzt wird es eben deutlich früher und das macht es besonders, auch für mich, weil ich eine große Verbundenheit mit Backnang fühle. Wenn ich jetzt nicht kandidieren würde, wäre die Chance wohl für viele Jahre vertan.“

In seinem Wahlkampf in Berglen hatte er noch damit geworben, dass zwar vieles in seinen ersten acht Amtsjahren dort erreicht worden ist, dass im Falle seiner Wiederwahl dort aber auch noch vieles auf ihn warte, was noch zu erledigen sei. Was ist damit, falls er in Backnang gewählt werden sollte? „Also, sollte ich tatsächlich dort gewählt werden, was ja alles andere als sicher ist, würde ich ein wohlbestelltes Feld hier hinterlassen. Angesichts dessen bin ich sicher, dass sich qualifizierte Bewerber für das Bürgermeisteramt hier finden werden. Da habe ich also kein schlechtes Gewissen, brauche es auch nicht zu haben. Meine Arbeit hier ist anerkannt und geschätzt, so selbstbewusst, das zu sagen, bin ich. Es wäre ja sehr bedenklich, wenn hier alle sagen würden, gut, dass er geht.“

Berglen und Backnang sind nicht dieselbe Liga. Traut er sich denn die Noppersche Murrmetropole wirklich zu? „Was für eine Frage, sonst würde ich ja nicht kandidieren!“ Friedrich verweist auf Marian Schreier, bei dem habe so viel nicht gefehlt in Stuttgart, der sei übrigens genau so alt wie er damals bei der ersten Wahl in Berglen. Und Österreich habe mit Sebastian Kurz einen Bundeskanzler, der nur ein Jahr älter ist als er, „ohne das ich mich jetzt mit dem und das Amt des Oberbürgermeisters mit dem eines Bundeskanzlers vergleichen will.“

Noppers Nachfolge seien sehr große Fußstapfen

Aber diese Beispiele zeigten doch, dass es gehe, junge Leute in verantwortungsvollen Positionen. Die Vorbehalte gegenüber ihm, dem Jüngling, 2012, die hätten sich ja doch sehr schnell gelegt und spielten schon lange keine Rolle mehr. Ihm sei wohlbewusst, dass er im Fall seiner Wahl in Backnang als Nachfolger von Nopper in sehr große Fußstapfen treten werde, das Amt dort ebensogut auszufüllen wie sein Vorgänger wäre eine große Herausforderung. „Keine Frage, ich gehe deshalb an die Kandidatur dort mit Respekt und Demut heran.“

 Es gab doch sicher schon Kontakte nach Backnang? Ja, er habe mit vielen Leuten aus der „Stadtgesellschaft“ gesprochen, darunter auch Gemeinderäten. Das Feedback sei ausschließlich positiv bislang. „Aber, das betone ich, ich bin ungebunden, ich gehöre keiner Partei an, die Freien Wähler sind ja keine. Ich werde meinen Wahlkampf selbst bestreiten und organisieren.“ Aber wie wird in nächster Zeit seine Präsenz in Berglen sein? Also, die Wahl sei ja erst in dreieinhalb Monaten, es sei also noch sehr früh. Er habe noch Resturlaub für 2020 und werden den sowie Urlaub fürs kommende Jahr für den Wahlkampf in Backnang verwenden. Je näher der Wahltermin rücken werde, desto mehr werde er in Backnang sein, das sei klar. Im übrigens habe er gute Leute im Berglener Rathaus und auch sehr gute Stellvertreter in Berglen mit Armin Haller und Jochen Friz.

Der Backnanger Wahlkampf wird sicher kein „normaler“ werden, Stichwort Corona. Friedrich schmunzelt: „Na ja, da bin ich ja schon erfahren. Wie das unter diesen einschränkenden Bedingungen geht, das muss man mir wirklich nicht mehr erklären.“ Er glaube nicht, dass bis dahin größere Präsenzveranstaltungen in Sälen oder Hallen möglich sein werden, allenfalls Stände in der Fußgängerzone oder in den Stadtteilen beziehungsweise Teilorten. Aber in der Disziplin online oder bei der Präsenz in den sozialen Medien, wo Friedrich schon immer auf verschiedenen Kanälen unterwegs ist, da muss ihm erst mal einer das Wasser reichen können. Friedrich hat, das räumt er auch offen ein, durchaus einen Hang zu aktiver Öffentlichkeitsarbeit. Die Kandidatur in Backnang hat er mit einer abdruckreifen Pressemitteilung bekanntgemacht und selbstredend sofort auch über seine diversen Netzwerkaccounts.

Wie beurteilt er seine Wahlchancen? Ohne Zweifel sei Backnang eine sehr attraktive Stadt. Von daher rechne er mit nicht wenigen ernsthaften und sehr guten Mitbewerbern. Trotzdem, das spiele für ihn keine Rolle. „Ich werde es dort genauso wie in Berglen halten: Ich mache Wahlkampf für mich, nicht gegen irgendjemanden. Dass ich gewählt werde, ist keine ausgemachte Sache. Aber ich versuche es, mit einer gewissen Zuversicht.“

Friedrich erinnert daran, dass er sich 2012 als Neuling immerhin gegen eine Ortsvorsteherin und gegen einen kurz vorher nicht wiedergewählten Bürgermeister durchsetzte. Er hatte damals im zweiten Wahlgang 62,5 Prozent bekommen, im ersten hatten ihm nur eine Hand voll Stimmen zur absoluten Mehrheit und damit gleich zum Sieg gefehlt. Acht Jahre später kam er auf knapp 96 Prozent, wobei er selbst viel mehr Wert darauf liegt, dass er 2020 rund 1000 Stimmen mehr bekam als 2012. Das wertet der Zahlenmensch Friedrich als eine noch aussagenkräftigere Bestätigung als eine in Worten.

Auch in Berglen sei es ja kein 40-Stunden-Job

Dass Backnang eine „andere Hausnummer“ wäre, sei ihm bewusst. Bei der zeitlichen Inanspruchnahme durch das Amt sei ihm aber nicht bange. Bürgermeister von Berglen mit seinen 21 Teilorten, „vielen Parallelitäten“, Vereinen, Veranstaltungen, öffentlichen Einrichtungen dort, das sei ja auch weit mehr als ein 40-Stunden-in-der-Woche-Job. Und klar würde es auch in Backnang nur mit der Unterstützung der Familie gehen. Was ist mit ihrem vor gar nicht so langer Zeit gebauten Haus in Bretzenacker? Es sei selbstverständlich, dass sie im Falle seiner Wahl nach Backnang ziehen würden, „aber nicht Hals über Kopf, es muss ja für die ganze Familie und auch für unseren Vierbeiner passen.“

Aber was, wenn es mit Backnang nicht klappt? „Na, dann bleibe ich selbstverständlich hier, aber nicht weil ich muss, sondern weil ich will.“ Und falls er nicht gewinnen sollte in Backnang, sind es ja noch sieben Jahre bis zur nächsten Wahl in Berglen.

Der Berglener Bürgermeister Maximilian Friedrich will Oberbürgermeister von Backnang werden. Er hat seine Kandidatur für die Wahl am 14. März in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. Friedrich war in Berglen erst im Juni wiedergewählt worden. Auf Nachfrage zu der kurzen Zeitspanne, die seither vergangen ist, erklärt Friedrich, dass mit dem Sieg von Frank Nopper bei der OB-Wahl in Stuttgart sich für ihn eine einmalige Chance biete, eine Gelegenheit, die sich wohl nur einmal im Leben ergebe.

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