Berglen

Ziegen ersetzen Sensen am Eichberg

1/2
ziegen1_0
Mit der Freihaltung der Landschaft durch Ziegen statt durch Bauhofmitarbeiter spart die Gemeinde Zeit und Geld. © Jamuna Siehler
2/2
ziegen2_1
Mit der Freihaltung der Landschaft durch Ziegen statt durch Bauhofmitarbeiter spart die Gemeinde Zeit und Geld. © Jamuna Siehler

Berglen. Auf einem Hang am Eichberg, wo bisher jeden Sommer zehn Männer vom Bauhof in Schutzausrüstung mit Motorsensen bis zu zwei Wochen lang schwitzten, da knabbern sich jetzt ein paar Ziegen durch das Gestrüpp und Gehölz. Seit drei Wochen sorgt ihr Appetit für die Freihaltung der alten Streuobst- und Weinbaulandschaft.

Video: Ziegen beweiden die Hänge des Eichbergs

Man sieht die Mauern noch, die die Stufen des einstigen Weinbergs bilden. Vom Wein selbst ist hier oberhalb des Klärwerks zwischen Oppelsbohm und Bretzenacker allerdings nichts mehr zu sehen. Nach den Trauben wurden die Hänge des Eichbergs mit Streuobstbäumen kultiviert, aber auch die werden auf dem Großteil der Grundstücke schon sehr lange nicht mehr gepflegt. Gestrüpp, Dornengewächse, Farne und Brennnesseln haben sich breitgemacht auf den Hängen. Aber nicht überall – ein paar wenige Grundstücke werden von Privatleuten noch als Obstbaumwiese gehegt, und auf drei anderen wird die Landschaft durch die Schafe und Ziegen von Heike und Ulli Kraus beweidet. Ziegen fressen nämlich besonders gern Gehölz und Gestrüpp weg und machen so wieder Platz für Gras und Wiesenkräuter wie Dost (wilder Thymian). Und erst wenn wieder Gräser statt Brombeeren wachsen, übernehmen die Schafe die Aufgabe der Landschaftspflege – die würden nämlich in einem zu verwucherten Gelände mit ihrer Wolle an Dornen hängen bleiben und auch nichts zu fressen finden.

Circa drei Hektar gehören zu dem Landschaftspflegeprojekt Eichberg, das hauptverantwortlich vom Bund Naturschutz Alb-Neckar (BNAN) betreut wird. Schon vor mehr als zehn Jahren wurde der BNAN auf den Eichberg aufmerksam, überzeugte die Gemeinde Berglen, dass dies gute Ausgleichsflächen seien, und nach und nach kauften der BNAN und/oder die Gemeinde einzelne Grundstücke und begannen, sie zu mähen und abzuräumen, damit sie nicht weiter verwildern. Zunächst in schweißtreibender und kostenintensiver Handarbeit – bis Ingo Seiter vom BNAN das Ehepaar Kraus kennenlernte. „Die beiden hatten Ziegen und Schafe, ich hatte Fläche, die es zu beweiden galt – das passte perfekt.“

In das dickste Gehölz gehen selbst die Ziegen nicht hinein

Vor fünf Jahren haben die Walliser Schwarzhalsziegen (gefährdete Nutztierrasse) von Heike und Ulli Kraus sich dann zum ersten Mal auf einem Stückle am Eichberg den Magen vollgeschlagen. „Aber anfangs war das Gestrüpp noch zu dick und verholzt, da gehen sogar Ziegen nicht hinein“, erklärt Heike Kraus. Deshalb haben Bauhofmitarbeiter Vorarbeit geleistet und die dicksten Gebüsche und Dornengestrüpp entfernt. Dann haben die Ziegen ein paar Sommer lang den Rest zurückgedrängt. Heute ist diese Fläche hell, von der Sonne beleuchtet und voll mit hochgewachsenem Gras – jetzt können dies die Schafe kurzhalten. Und die elf Ziegen knabbern seit drei Wochen am nächsten Hang. Den haben übrigens auch fleißige Jugendliche bei einer BNAN-Freizeit vom groben Gehölz befreit und für die Ziegen zugänglich gemacht.

Die so offen gehaltene Landschaft ist ein idealer Lebensraum für viele Tiere: Eidechsen, Blindschleichen und Ringelnattern bevölkern den Südhang. Das zieht auch einige Greifvögel an, wie Falken, Rotmilane, Bussarde und Habichte. „Es ist in vieler Hinsicht eine Win-win-Situation“, findet Ingo Seiter. „Ein Gewinn für die Gemeinde, für die Ziegen und ihre Halter und vor allem für die Natur.“ Und sicher auch für die Bauhofmitarbeiter, die jetzt nicht mehr an heißen Sommertagen diese Hänge mähen müssen.

Stabile Stromzäune gegen Ein- und Ausbrecher

Bedingung für die Beweidung war für die Schaf- und Ziegenhalter Heike und Ulli Kraus ein fester Zaun. „Weil die Umgebung sehr wild ist, gibt es viele Rehe und Wildschweine. Die reißen oft die mobilen Zaunnetze ein, mit denen man sonst wechselnde Weidestellen der Tiere eingrenzt“, erklärt Heike Kraus. Abgesehen von den Wildtieren sei aber auch die steile Landschaft ungeeignet für solche mobilen Weidezäune.

Deshalb hat die Gemeinde stabile Zäune aufstellen lassen, die auch mit reichlich Strom gesichert sind – nicht nur, damit die ohnehin treuen Ziegen und Schafe nicht ausbrechen, sondern auch, damit weder Wildtiere noch Menschen in das Gelände einbrechen können.