Fellbach

Der Gewa-Schock und seine Folgen

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Mit seinen 107 Metern überragt der Gewa-Tower Fellbach und den Waiblinger Süden. © Büttner / ZVW

Fellbach/Waiblingen. Selbst für Kenner der Branche kam die Insolvenz der Immobiliengesellschaft Gewa 5 to 1, die den Fellbacher Tower bauen wollte, in diesem Tempo, in dieser Härte überraschend. Die Anleger sind sauer, über die Gründe herrscht weiter Rätselraten. Und was bedeutet das alles für das geplante Öko-Hochhaus auf der Korber Höhe?

Video: Ein Drohnenflug mit Blick auf Fellbach und den Gewa-Tower.

Der Kurs der Anleihe für den Gewa-Tower fiel am Montag von 79 auf 26 Prozent. Die Foren von Anlegerseiten laufen heiß, viele Kommentatoren sind sauer wegen des plötzlichen Insolvenzverfahrens. Die KFM Deutsche Mittelstand AG teilte am Montag sogar mit, alle rechtlichen Schritte zu prüfen. Den Bauherren wird in der Mitteilung vorgeworfen, die Schwierigkeiten bis zur „Hiobsbotschaft“ vom Freitag heruntergespielt zu haben. Sollte das Management der Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG gegen die Mitteilungspflichten verstoßen haben, so die KFM Deutsche Mittelstand AG weiter, bestehe die Möglichkeit, „im Rahmen der gesetzlichen Durchgriffshaftung auch auf das Vermögen der Familie Warbanoff zuzugreifen und einen möglichen Schaden abzuwenden“.

Super-Tower mit Luxus-Wohnungen

Über die genauen Gründe für die Probleme zwischen der Gewa und ihrem Generalunternehmer Baresel kann weiter nur gemutmaßt werden. Tatsache ist, dass der Verkauf der oberen Wohnungen schleppend verlief und zuletzt fast zum Stillstand kam. Knapp 70 Prozent der Wohnungen hatten zwar schon Abnehmer gefunden, dabei handelte es sich aber um die Wohnungen in den unteren und mittleren Etagen. Laut der offiziellen Gewa-Tower-Seite sind ausschließlich Wohnungen in der Preiskategorie ab 995 000 Euro verfügbar. Das sind jedoch die großen Objekte mit Flächen bis zu 459 Quadratmetern. Angesichts dieser Absatzschwierigkeiten scheint der Gewa mit ihrem anleihenfinanzierten Tower-Projekt die Luft ausgegangen zu sein.

In Fellbach der Super-Tower mit Luxus-Wohnungen, auf der Korber Höhe das Öko-Hochhaus: Nicht nur die notorischen Skeptiker ziehen Parallelen und zweifeln an der Wirtschaftlichkeit des Waiblinger Wunschprojekts. Steht das Öko-Hochhaus jetzt auf der Kippe? „Das lässt einen nicht kalt“, gesteht OB Andreas Hesky, der zugleich warnt: „Keine Schnellschüsse, bitte!“ Die Stadt werde ihre Pläne für das Öko-Hochhaus nun nicht verwerfen, aber doch ganz genau unter die Lupe nehmen. Im Januar werden die vertieften Entwürfe wie geplant erneut dem Gemeinderat vorgelegt. Auch wenn letztlich private Investoren am Werk sind, trage die Stadt schon in der Planungsphase eine Mitverantwortung.

Pfleiderer sieht entscheidende Unterschiede zum Öko-Hochhaus

Problem: „Wirtschaft ist eben nicht planbar. Und jedes Handeln, in der privaten Wirtschaft oder in der Kommune, ist mit Risiken behaftet.“ Die Stadt Fellbach hatte sich „rauf und runter beraten“ lassen – und habe jetzt doch ein massives Problem am Hals, um das er seine Amtskollegin Gabriele Zull nicht beneidet. Waiblingen werde alles tun, um nicht nachher eine „stehende Baustelle“ zu haben. Derweil zeigt sich Hesky von den Vorzügen des Standorts auf der Korber Höhe überzeugt. Den des Gewa-Towers wertet er schon von dessen Geschichte als Bauruine als schwieriger. Verständlich sei der Versuch, die Scharnierfunktion zwischen Großstadt und Umland mit einem markanten Bauwerk zu lösen. Das Areal berge aber grundsätzlich die Gefahr der Ghettoisierung.

Projektbau Pfleiderer aus Winnenden steht mit anderen Investoren im Wettbewerb um das Öko-Hochhaus und hatte im Gemeinderat verkündet, dafür Generalunternehmer Baresel im Boot zu haben. Für die Familie Warbanoff tut Geschäftsführer Klaus-Martin Pfleiderer die Entwicklung leid, zum eigenen Projekt sieht er freilich entscheidende Unterschiede im Zuschnitt der Wohnungen, in den Flächen bis 120 Quadratmeter und Endpreisen bis höchstens eine Million Euro. Alle Wohnungen wären von der B 14 abgewendet. Außerdem: Statt über eine risikobehaftete Anleihe, die 6,5 Prozent verspricht, will Projektbau Pfleiderer das Hochhaus mit seiner Hausbank finanzieren. Auch Mitbewerber GWG aus Stuttgart sieht keine Auswirkungen auf seine Hochhaus-Pläne.

Chronik

Am 9. September wurde am Gewa-Tower Richtfest gefeiert.

Am 20. Oktober vermeldete die Gewa den Verkauf des Hotels am Fuß des Turms in einem „Forward Deal“. Das heißt, das Geld fließt erst nach Fertigstellung und Übergabe.

Am 11. November verkündete die Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG den Baustopp und meldete, Gespräche mit dem Generalunternehmer zur Klärung offener Punkte zu führen.

Am 18. November dann die Nachricht, die Gespräche seien gescheitert und die Anleihen-Emittentin werde unverzüglich einen Insolvenzantrag stellen.


Der Name Gewa bildet sich aus den Anfangsbuchstaben des zweiten Vornamens sowie des Nachnamens der beiden Geschäftsführer Michael G. und Mark G. Warbanoff.