Fellbach

Der Kappelberg im Freizeitstress: Mountainbiker und Jäger sprechen über Trails und Naturschutz

Mountainbike
Symbolfoto. © Benjamin Buettner

Wanderer, Freizeitsportler, Hundebesitzer, Naturschützer oder Erholungssuchende - der Fellbacher Kappelberg ist ein beliebtes Ausflugsziel. In dem nicht allzu großen Gebiet kommt es immer wieder zu Interessenskonflikten. Besonders Jäger und Mountainbiker seien zuletzt immer wieder verbal aneinandergeraten, so die Stadt Fellbach in einer Pressemitteilung. Nach der Sommerpause wollen die verschiedenen Interessengruppen nun darüber sprechen, wie der Freizeitdruck am Kappelberg in den Griff bekommen werden kann. Darauf hätten sich deren Vertreter jüngst bei einem Informationsaustausch geeinigt, zu dem die Stadt Fellbach sie eingeladen hatte.

„Die Interessenlagen sind sehr unterschiedlich“, so Fellbachs Bürgermeisterin Beatrice Soltys in der Mitteilung. Das Ziel sei daher, gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten.

Dabei müssen laut der Mitteilung aber zunächst Begriffe geklärt und die unterschiedlichen Interessen definiert werden, wie sowohl die Vertreter der Jäger als auch der Radfahrer festgestellt hätten. Es gehe nicht um eine sogenannte Downhillstrecke, auf der in voller Schutzkleidung mit hohem Tempo bergab gefahren wird, stellten die Vertreter der Mountainbiker fest. Sie haben sich Anfang des Jahres im Mountainbikeverein Stuttgart zusammengeschlossen. Der neue Verein hat laut der Pressemitteilung der Stadt mehr als 800 Mitglieder und verstehe sich als Vertreter und Ansprechpartner der ganzen Region.

Die Jäger hatten vor dem ersten Gespräch im Internet nach Mountainbike-Begriffen wie Downhillstrecke gesucht. „Das Ergebnis hat erschreckt“, wie sie laut Pressemitteilung in dem Informationsaustausch berichteten. Mit hohen Geschwindigkeiten führen die Biker dabei quer durch den Wald, filmten dabei per Helmkamera und seien immer auf der Suche nach einem spektakulären Sprung – eine solche Strecke sei nicht zu vereinbaren mit Naturschutz und der vielfältigen Freizeitnutzung am Kappelberg. Die Natur leide bereits heute unter der vielfältigen Nutzung. Erosion und Störung der Tier- und Pflanzenwelt sei die Folge. Die Mountainbiker erwiderten demnach, dass es ihnen in Fellbach nicht um solche abenteuerlichen „Sonderstrecken“, die in anderen Regionen auch mal mit einem Skilift erschlossen werden, gehe. „Nur fünf Prozent der Fahrer bevorzugen solche Abfahrten“, so die Sportler laut der städtischen Mitteilung.

Der überwiegende Teil nutze das Fahrrad für Touren, die zwischendurch mit technisch anspruchsvollen Trails versehen seien. Wichtig sei der richtige Mix, der auch jüngere Fahrer anspreche, die Vernetzung mit dem umliegenden Wegenetz und eine klare Ausschilderung sowie Kommunikation. Dabei sei der Kappelberg/Schurwald nur ein kleiner Teil des in der Region verfügbaren Gesamtgebietes. „Wir haben ein gutes Netz, das wir neu kartieren, kontrollieren, einordnen und eventuell aktualisieren müssen“, so die Mountainbiker.

Auch Hundehalter in der Kritik

Die Diskussion zwischen den Gruppen machte laut der Stadt deutlich, dass ein Miteinander im Landschaftsraum gesucht werde, welches durch gegenseitige Rücksichtnahme bestimmt werden soll und Extreme ausschließt. „Wir müssen möglichst viele erreichen“, so der Konsens. Klar vermieden werden sollen demnach Lösungen, die nachher nicht akzeptiert werden und zu weiteren ungeregelten Nutzungen führen.

Bei der Suche nach solchen Kompromissen komme es aber nicht nur auf Biker, Jäger und Naturschützer an – auch das ist laut der Pressemitteilung in dem Gespräch klar geworden. „Spaziergänger, die ihre Hunde nicht im Griff haben, Autofahrer, die auch nachts in den Wald fahren, oder auch Freizeitsportler, die mit Stirnlampe das Wild nicht zur Ruhe kommen lassen – auf dem rund 600 Hektar großen Areal am Kappelberg ist viel Bewegung“, heißt es in der Mitteilung.

Nach der Sommerpause soll nun unter Federführung der Stadtverwaltung ein lösungsorientierter Gesprächsprozess starten, in den möglichst viele Interessengruppen integriert werden. Ziel sei eine Lösung, die auch von den zuständigen Behörden genehmigt und mitgetragen wird.