Fellbach

Exoten auf dem Fellbacher Sonnenbühlhof: Diese Früchte trotzen der Trockenheit

Sonnenbuehlhof
Obstbaumeister Jochen Heß zeigt, wie sich die Früchte der dreilappigen Papau im Blattwerk verstecken. © Gaby Schneider

In den letzten Tagen hat es im Rems-Murr-Kreis ein wenig geregnet – doch auf genügend Regen können sich die Landwirte längst nicht mehr verlassen. So hat Obstbaumeister Jochen Heß ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem für seine Obstbäume und -sträucher rund um den Sonnenbühlhof in Fellbach installiert. Die gezielte Bewässerung an den einzelnen Stämmen und Wurzeln bewirkt, dass die Pflanzen trotz fehlenden Niederschlags wachsen.

Trotz Bewässerung gibt es Anzeichen für Hitze und Trockenheit

„An einem Tag kann der Wasserverbrauch zwischen 50.000 und 100.000 Liter liegen“, sagt der 39-Jährige. Diesen Heimvorteil, der Anschluss an die Wasserleitungen am Hof, hätten andere Kollegen nicht, so Heß. Statt den Wasserhahn aufzudrehen, müsse so mancher mit Wassertanks auf die Felder fahren oder eine Sprinkleranlage einsetzen. Dennoch: „Regen ist Gold wert“, sagt Jochen Heß. Es sei etwas anderes, wenn die Bäume und Pflanzen von oben mit Wasser versorgt werden. „Man sieht dann immer, wie die Blätter sich verformen, um das Wasser aufzunehmen“, sagt er.

Während die Pflanzen rund um den Sonnenbühlhof gesättigt grün aussehen, gibt es dennoch Anzeichen für Trockenheit. Zwischen den einzelnen Baumreihen spaltet sich bereits der Erdboden. An einer Stelle kann Jochen Heß einen Erdballen ohne Mühe herausziehen, fast wie ein Stück Stein aus einer Mauer. So ausgetrocknet ist die Erde bereits. Wenn die Plantagen bewässert werden, „sickert das Wasser kegelförmig in die Erde“, sagt der 39-Jährige. Deshalb speichere die Oberfläche nicht viel Feuchtigkeit. „Alles leidet unter der Trockenheit“, so Heß.

Dreilappige Papau schmeckt nach einer Mischung aus Mango, Ananas und Banane

Zwischen Aprikosen- und Apfelbäumen wachsen auch echte Exoten auf dem Sonnenbühlhof - und ohne dass Jochen Heß spezielle Bedingungen für diese Pflanzen schaffen muss. Im Gegenteil: Hitze und Trockenheit machen diesen Pflanzen nichts aus.

Die Reihe mit den grünen, langblättrigen Bäumen erscheint unscheinbar, die Früchte liegen tief im Blattwerk des Baums versteckt. Hier wachsen „Pawpaws“, auch dreilappige Papau oder umgangssprachlich „Indianerbanane“ genannt.

Dabei handelt es sich gemäß der Definition um eine in Nordamerika heimische Pflanzenart aus der Gattung der Papau in der Familie der Annonengewächse. 140 Meter ist die Reihe lang, dabei hat Jochen Heß immer drei verschiedene Papau-Sorten im Wechsel angebaut, „wegen der Befruchtung der Pflanzen“. Schneidet man die Frucht auf, kommt gelbes Fruchtfleisch zum Vorschein. „Man entfernt die Kerne und löffelt dann die Frucht aus“, erklärt der Obstbaumeister. Die dreilappige Papau schmecke nach einer Mischung aus Mango, Ananas und Banane.

Bis in Fellbach die ersten „Pawpaws“ geerntet werden konnten, hat es einige Jahre gedauert. Vor neun Jahren habe er die ersten Setzlinge gepflanzt. „Die ersten drei bis vier Jahre hat die Pflanze keinen Ertrag.“ Verkauft werden die dreilappigen Papaus im angrenzenden Hofladen der Familie. „Auf dem Großmarkt würden die Früchte nicht den Anforderungen entsprechen“, sagt Jochen Heß. Da die „Pawpaws“ eine dünne Schale haben, sind sie besonders für Druckstellen anfällig. „Bei Kunden zählt aber meistens nur die Optik.“

In diesem Sommer ist das Obst anfälliger für Sonnenbrand, Wespen und Vögel

Während das Papau-Gewächs mit den Temperaturen und der Trockenheit gut zurechtkommt, muss Jochen Heß bei den anderen Sorten um den Sonnenbühlhof ein wachsames Auge haben. „Wir haben Hagelnetze über die Apfelbäume gespannt, um sie vor der Sonne zu schützen“, sagt er.

Ansonsten bestehe die Gefahr, dass der Apfel einen Sonnenbrand erleidet. „Dann ist der Apfel ungenießbar.“ Außerdem lassen die Bäume einige ihrer Früchte fallen, um die eigenen Überlebenschancen zu erhöhen. Die vom Sonnenbrand befallenen Äpfel werden aber wieder geschreddert und zwischen den Bäumen verteilt. „Die Masse und das gemähte Gras dienen als Schutzschicht für den Boden, damit er nicht so schnell austrocknet“, sagt der Obstbaumeister.

Ein Vorteil bei dem warmen Wetter: Die Wiesen und Grasflächen zwischen den Bäumen müssen nicht so oft gemäht werden. „Da spart man Zeit ein, die man für andere zusätzliche Arbeiten braucht.“ In diesem Jahr seien außerdem viele Wespen und Vögel unterwegs, die die Früchte anpicken. „Dagegen kann man leider nichts machen und muss es dulden“, sagt Jochen Heß.

In den letzten Tagen hat es im Rems-Murr-Kreis ein wenig geregnet – doch auf genügend Regen können sich die Landwirte längst nicht mehr verlassen. So hat Obstbaumeister Jochen Heß ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem für seine Obstbäume und -sträucher rund um den Sonnenbühlhof in Fellbach installiert. Die gezielte Bewässerung an den einzelnen Stämmen und Wurzeln bewirkt, dass die Pflanzen trotz fehlenden Niederschlags wachsen.

Trotz Bewässerung gibt es Anzeichen für Hitze und

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