Fellbach

F3 in Fellbach: Ärger der Frühschwimmer um abgeschaffte Saisonkarte fürs Freibad

F3 Fellbach
Das F3 in Fellbach. © ZVW/Benjamin Büttner

„Schade, dass es die alte Saisonkarte für das F3-Freibad nicht mehr gibt“: Mit diesen Worten hat Frühschwimmer Ralf Schulz (Jahrgang 1960) auf Facebook das neue Preisgefüge in dem Fellbacher Freibad kritisiert, da für ihn alles mehr als doppelt so teuer geworden ist. Der gebürtige Fellbacher fragt sich, ob das alles wohl an den gestiegenen Energiekosten wegen des Ukraine-Krieges liegen könnte.

Seit circa 1989 ist Ralf Schulz als Frühschwimmer allein oder auch mit Freunden Gast in den Freibädern in Fellbach. Wenn er nun als Frühschwimmer 100-mal das Freibad besucht, zahlt er bei Nutzung der 10er- oder 20er-Rabattkarten für Erwachsene insgesamt 260 Euro. Früher, betont der Mann, habe er für 100 Besuche als Frühschwimmer mit einer Dauer von circa 45 Minuten etwa 80 Euro bezahlt. 

Ralf Schulz wundert sich, warum es die Freibäder in Waiblingen und Bittenfeld schaffen, eine Saisonkarte mit 10er- und 20er-Karten zu kombinieren. Er verweist auch auf das Beispiel des Untertürkheimer Inselbads, das ebenfalls Dauerkarten und Mehrfachkarten gleichzeitig anbietet. 

Alte Saisonkarte fürs Freibad hat für eine Einzelperson nur 85 Euro gekostet

Laut Kai Steuernagel, seit April 2021 Geschäftsführer des F3, geht es hier nicht um die Mehrheit der Freibad-Besucher, aber immerhin um eine Gruppe von wenigen Hundert Nutzern, die früher eine Saisonkarte kauften. Fakt ist, dass die alte Saisonkarte fürs Fellbacher Freibad für eine Einzelperson exakt 85 Euro gekostet hat, ermäßigt sogar nur 37 Euro.

So gesehen zahlen Frühschwimmer jetzt also wirklich mehr. Eine 20er-Rabattkarte kostet aktuell 50 Euro, eine 10er-Rabattkarte 25 Euro, zuzüglich muss der Kunde einmalig ein Transponderband für zehn Euro erwerben. Ermäßigte 10er-Karten kosten 20 Euro, ermäßigte 20er-Karten 40 Euro. Die Gebühr für das Transponderband, mit dem der Zutritt zum Bad selbstständig über die Drehkreuze erfolgt, muss allerdings in voller Höhe beglichen werden. Für Kinder von sieben bis einschließlich 15 Jahren, Schüler, Studenten sowie Menschen mit Behindertenausweis gilt der ermäßigte Tarif. Sie müssten dann als Früh- und Sportschwimmer für 100 Besuche nur 210 Euro bezahlen – aber auch das ist deutlich mehr als früher.

Frühschwimmen von Montag bis Freitag von 6 bis 8 Uhr – außer an Feiertagen

Das F3 hat auf seiner eigenen Internetseite immerhin ein Dokument veröffentlicht, das sich direkt an Früh- und Sportschwimmer wendet. „Unsere normalen Standard-Tarife sind für die Bedürfnisse unserer treuesten Gäste nicht optimal geeignet“, heißt es dort einleitend. Deshalb habe man sich sowohl preislich als auch in der Abwicklung bemüht, für die häufigen und eher kurzen Besuche der Früh- und Sportschwimmer entsprechende Lösungen zu finden. Verwiesen wird auf die neuen Rabattkarten. Auch die Zeiten, in denen Frühschwimmen möglich ist, werden genannt: von Montag bis Freitag von 6 bis 8 Uhr, außer an Feiertagen, auf insgesamt sechs Bahnen.

Kai Steuernagel verweist indes darauf, dass sich die Tarifstruktur und die Eintrittspreise im F3-Freibad sehr stark an sozialverträglichen und familienfreundlichen Vorgaben orientieren würden. So hätten Kinder bis einschließlich sechs Jahren freien Eintritt und mit den Mehrfachkarten (gemeint sind die 10er- und 20er-Rabattkarten) könne der ohnehin schon günstige Eintrittspreis von 3,50 Euro beziehungsweise drei Euro (ermäßigt) noch mal um rund 30 Prozent reduziert werden. „Die Preise im Freibad dürften branchenweit zu den günstigsten Angeboten zählen“, betont Kai Steuernagel.

Tarifreform im Dezember 2021: Eintrittspreise wurden stark gesenkt

Überhaupt hat das F3 nach seinen Angaben mit der neuen Tarifreform im Dezember 2021 die Eintrittspreise im gesamten Badbereich radikal gesenkt. Der F3-Geschäftsführer verweist darauf, dass die Mehrfachkarten sowohl im Familienbad als auch im Freibad funktionieren. In Letzterem ist das Frühschwimmen ohne Zeitlimit möglich, im Familienbad liegt das Zeitlimit bei zwei Stunden.

Derzeit ist das F3 laut Kai Steuernagel mit der Stadt Fellbach in Abstimmung, dass Inhaber der Bonus-Card noch einmal einen Nachlass von 50 Prozent bekommen. Die Bonus-Card können jene Fellbacher erhalten, die nur über ein geringes Einkommen verfügen. Falls die Bonus-Card irgendwann auch im F3 gilt, würde das bedeuten, dass bedürftige Besucher dann auf einen Eintrittspreis von 1,25 Euro respektive einen Euro (ermäßigt) kommen. Kai Steuernagel findet, dass eine solche wichtige Unterstützungsleistung auch ausschließlich bei denen ankommen sollte, die sie auch wirklich brauchen. Ende Mai, sagte der Geschäftsführer unserer Redaktion, werde das Thema Bonus-Card fürs F3 im Fellbacher Gemeinderat beraten.

F3-Geschäftsführer Kai Steuernagel: „Da fehlt das Unrechtsbewusstsein“

Bei der alten und nun abgeschafften Saisonkarte sah der F3-Geschäftsführer zudem ein großes Missbrauchspotenzial, das er mit dem neuen Rabattkartensystem nun nicht mehr erkennen kann. Denn bei der Saisonkarte hätten die Leute diese teilweise an andere weitergegeben, sprich mehrere Personen hätten die gleiche Karte genutzt. „Da fehlt das Unrechtsbewusstsein“, beklagt Kai Steuernagel. Dieser Missbrauch sei letztlich einer der Hauptpunkte gewesen, warum die Saisonkarte abgeschafft worden sei.

Der Geschäftsführer berichtet, dass er auch von anderen Bäder-Betreibern wisse, dass diese ihre Saisonkarten alles andere als gut finden, aber deren Abschaffung scheuen würden wegen des möglichen lautstarken Protests. „Das hat schon fast dogmatische Züge, das Thema Saisonkarte.“

Trotz hoher Energiekosten: „2022 sind keine Preiserhöhungen geplant“

Für das laufende Jahr hat Kai Steuernagel noch eine gute Nachricht: „2022 sind keine Preiserhöhungen geplant.“ Die Frage ist natürlich, wie lange das durchzuhalten ist. Die Energiepreise sind natürlich auch für das F3 ein Thema. Bei jährlichen Verbrauchswerten für ein mittelgroßes Erlebnisbad von rund 8000 Megawattstunden (mWh) Wärme und circa 3000 mWh Strom muss ein Bad nach seiner Rechnung jährliche Energiekosten von rund 1,4 Millionen Euro schultern. „Jetzt können Sie selbst die zu erwartenden Preissteigerungen bei der Energieversorgung dazurechnen, dann wissen Sie, von welchen Dimensionen praktisch jeder Badbetreiber ausgehen muss.“

Dass der Missbrauch bei der Saisonkarte ein Problem darstellt, kann Ralf Schulz indes nicht glauben. Der gebürtige Fellbacher verweist darauf, dass viele Frühschwimmer nicht nur Sportler, sondern eben auch Rentner sind, die bis zu sieben Tage die Woche das Freibad besuchen. „Der Missbrauch dürfte nicht das eigentliche Problem darstellen. Vielmehr werden die treuen Badegäste jeden Alters und jeder Couleur bestraft mit Preissteigerungen bis zu 300 Prozent.“

„Schade, dass es die alte Saisonkarte für das F3-Freibad nicht mehr gibt“: Mit diesen Worten hat Frühschwimmer Ralf Schulz (Jahrgang 1960) auf Facebook das neue Preisgefüge in dem Fellbacher Freibad kritisiert, da für ihn alles mehr als doppelt so teuer geworden ist. Der gebürtige Fellbacher fragt sich, ob das alles wohl an den gestiegenen Energiekosten wegen des Ukraine-Krieges liegen könnte.

Seit circa 1989 ist Ralf Schulz als Frühschwimmer allein oder auch mit Freunden Gast in den

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