Fellbach

Gewa-Tower: Das Warten auf die Traum-Wohnung

gewa_tower_0
107 Meter misst der Gewa-Tower in Fellbach. © Sarah Utz

Fellbach. Vor mehr als einem Jahr hätte Christine Banhart in ihre neue Traumwohnung einziehen wollen. Doch der Cannstatterin bleibt nichts anderes übrig, als zu warten und zu hoffen. Wie ihr geht es vielen Käufern von Appartements im unfertigen Gewa-Tower am Stadtrand von Fellbach.

Video: Ein Drohnenflug mit Blick auf Fellbach und den Gewa-Tower.


In diesem Artikel finden Sie ein Video von der Führung durch die Baustelle des Gewa-Towers vor einem Jahr und einen Zeitstrahl mit den wichtigsten Eckdaten zum Gewa-Tower.


„Man kann sagen, ich saß schon fast auf gepackten Koffern“, meint Christine Banhart. Mittlerweile hat sie wieder ausgepackt. Ein ganz schöner Frust für die 54-Jährige: Die Wohnung ist, mit viel Zeit und Liebe, im Detail durchgeplant. Die Vier-Zimmer-Wohnung ließ sie zur Drei-Zimmer-Wohnung umbauen und eine Wand versetzen. Eine Deckenkühlung, wie sie in den teueren oberen Etagen zum Standard gehört, wurde dazu geordert. Die Stellung der Möbel ist aufs Genaueste ausbaldowert, das Bad und die Küche sind auf dem Papier längst fertig. Immerhin verlangt der Küchenplaner keine Abschlagszahlung. Ihren üppig bepflanzten Balkon machte sie zum vorigen Winter schon nicht mehr winterfest – in der festen Überzeugung, schon bald in den neuen Tower zu ziehen. Derweil naht schon der nächste Winter. Immerhin wächst wieder das zarte Pflänzchen Hoffnung. Schließlich ließ der vorläufige Insolvenzverwalter unlängst mitteilen, dass ein Verkauf des Hochhauses an einen der interessierten Investoren dieses Jahr machbar sei. Das wäre die Voraussetzung für den Weiterbau.

Ein grandioser Ausblick und schnelle Aufzüge

Eigentlich bräuchte es gar nicht irrsinnig viel, um die Wohnung von Christine Banhart innen auszubauen und bezugsfertig zu machen. Im Rohbau steht sie ja schon lang. Die Besitzerin konnte auch schon darin herum laufen und die Aussicht genießen. Doch etwas Entscheidendes fehlt – der Aufzug. Wahrlich, ein Problem im elften Stock. Unter anderem wegen der vielen Treppen hat sich die 54-Jährige von ihrer alten Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Cannstatt innerlich verabschiedet. Vier Etagen von der Tiefgarage bis zur Wohnung – das will sie sich im Alter nicht mehr antun. Eine alte Dame, die dort lebte, brauchte zuletzt mit ihren Einkaufstaschen fast eine Viertelstunde. Und ihr selbst ist der Aufstieg nach einer schweren Krankheit und einem Fahrradunfall ebenfalls mühsam geworden. Ein weiteres Plus der Tower-Wohnung wäre die Lage: Fellbach ist für die Eigentümerin der Einkaufs- und Lebensschwerpunkt. Ihre Besorgungen könnte sie problemlos mit dem Pedelec machen. Zur Arbeit muss sie sowieso nach Vaihingen, da machen Fellbach und Cannstatt keinen Unterschied. Unschlagbar wäre natürlich die Aussicht: Statt wie jetzt nur bis zum Nachbarhaus zu gucken, könnte sie den Blick über Fellbach und den Kappelberg schweifen lassen.

Video: Eine Führung durch die Baustelle des Gewa-Towers am 10.09.2016.

Mieteinnahmen sollten das Darlehen füttern

Für das Hochhaus-Appartement, mit Balkon 120 Quadratmeter groß, nahm sie einen Kredit auf. 350 000 Euro zahlte sie, das war schon im Jahr 2012. Erst hatte sie sich überlegt, die neue Wohnung für zehn Jahre zu vermieten. Bald freilich reifte der Entschluss, gleich selbst einzuziehen. Die Miete für die bestehende Eigentumswohnung hätte das Darlehen gefüttert, ein Neffe stand zum Einzug bereit. Dieser musste sich zwischenzeitlich anderweitig umsehen. Das Darlehen aber läuft – eine spürbare Belastung, Monat für Monat.

Von Problemen vor der Insolvenz eher vage gehört

Die Nachricht von der Insolvenz der Gewa-Projektgesellschaft kam für Christine Banhart völlig überraschend. Von Problemen mit dem Generalunternehmer Baresel habe Gewa-Geschäftsführer Michael Warbanoff indes zuvor berichtet, sei aber nicht ins Detail gegangen. Nach der Schock-Nachricht taten sich die Wohnungskäufer zusammen, trafen sich in einem Fellbacher Restaurant und nahmen sich einen Rechtsbeistand. Über eine geschlossene Online-Plattform halten sie zueinander Kontakt. Für andere Käufer kann Christine Banhart dennoch nicht sprechen. Sie selbst glaubt weiter an die Fertigstellung des Turms, oder besser: „Ich muss daran glauben.“ Wenn es soweit ist, dann ist das Gewa-Desaster für die Wohnungseigentümer endlich zu Ende.

Schlechter geht es dann den Anlegern, denen vom investierten Geld wohl nur ein Viertel oder ein Fünftel bleibt. Unter der Voraussetzung, der Tag des Einzugs kommt in nicht allzu ferner Zukunft noch, sagt sie etwas Überraschendes: „Ich würde das Wagnis wieder eingehen.“ Der Gewa-Tower wäre es ihr wert. Traum-Wohnung bleibt Traum-Wohnung.Stand der Dinge

Der Stand der Dinge

Ein Baugutachten von Tüv Süd bescheinigt dem Turm einen guten Zustand. Es wurden keine wesentlichen Mängel festgestellt.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli zeigt sich optimistisch, dass der Turm noch in diesem Jahr veräußert werden kann.


Die wichtigsten Eckdaten zum Gewa-Tower in unserem Zeitstrahl