Fellbach

Gewa-Tower soll 16 Millionen kosten

Unrühmliches Wahrzeichen der Region: Der Gewa-Tower in Fellbach._0
Unrühmliches Wahrzeichen der Region: Der Gewa-Tower in Fellbach. © Edgar Layher

Fellbach. Als die Firma Baresel im Oktober den Baustopp am Gewa-Tower verhängte, ahnte wohl noch niemand, dass bis zum Weiterbau mindestens ein Jahr vergehen würde. Bei einer Versammlung der Anleihegläubiger Ende Juli soll nun ein weiterer Schritt in Richtung eines Verkaufs des 34-stöckigen Hochhauses gemacht werden.

Die Gläubiger werden sich voraussichtlich nicht persönlich, sondern im Zeitraum vom 26. bis 28. Juli im schriftlichen Verfahren abstimmen. Ein durchaus übliches Verfahren, bei dem Dokumente verschickt werden, um den Aufwand für die Teilnehmer im Vergleich zu einer Versammlung zu reduzieren.

Wechsel des Anwaltes der Gläubiger

Sollten nicht ausreichend Gläubiger abstimmen, etwa weil weniger als die Hälfte der ausstehenden Schuldverschreibungen vertreten sind, muss laut Gesetz allerdings kurz darauf eine richtige Versammlung abgehalten werden.

Der Termin dafür steht schon: am 4. August um 13 Uhr im Foyer des Gewa-Towers. Auf der Tagesordnung stehen der Wechsel des Anwaltes der Gläubiger sowie die Verwertungsvereinbarung zwischen der Rödl Treuhand Hamburg GmbH und dem vorläufigen Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli.

Thema Insolvenzverschleppung wird später geprüft

Sofern die Mehrheit der Anleihegläubiger zustimmt, stellt die Rödl Treuhand Steuerberatungsgesellschaft ihr Amt als Anleihegläubigervertreter zur Verfügung. Der Rechtsanwalt und vereidigte Buchprüfer Gustav Meyer zu Schwabedissen von den Düsseldorfer mzs-Anwälten steht dafür bereit.

Durch die Wahl dieses unabhängigen Vertreters sollen Interessenkonflikte durch die Vertretung mehrerer verschiedener Parteien verhindert werden. Derzeit vertritt die Rödl Treuhand sowohl die Anleihegläubiger als auch die Wohnungseigentümer.

Nach Einschätzung der in der Gewa-Anleihe investierten KFM Deutsche Mittelstand AG eine zwingende Voraussetzung, um mögliche Durchgriffsrechte zu sichern – das heißt, unter Umständen das Privatvermögen der Bauherren Warbanoff antasten zu können. Meyer zu Schwabedissen vertritt schon jetzt mehr als die Hälfte des 35 Millionen umfassenden Anleihevermögens.

Wurden die abgerechneten Leistungen tatsächlich erbracht?

Noch diesen Monat könnte der vom vorläufigen Insolvenzverwalter beauftragte Bausachverständige sein Gutachten über den Zustand des Towers vorlegen. Er soll prüfen, ob und welche Mängel vorliegen –und ob die von der bisherigen Generalunternehmerin Baresel GmbH abgerechneten Leistungen tatsächlich erbracht wurden.

An Baresel seien bislang rund 28 Millionen Euro gezahlt worden, hieß es bei der ersten Gläubigerversammlung. Die letzte Rechnung vom Oktober über rund sechs Millionen Euro hätten die Warbanoffs nicht mehr bezahlen können.

Priorität haben Weiterbau und Verwertung

Die Prüfung, ob eine Insolvenzverschleppung vorliegen könnte, soll nach Informationen des Branchendienstes Immobilienbrief Stuttgart zu gegebener Zeit noch erfolgen. Dies erachte Ilkin Bananyarli zu den Uraufgaben eines Insolvenzverwalters. Priorität hätten derzeit Weiterbau und Verwertung.

Der Verkauf des Towers wird für Ende des Jahres angestrebt, dieses Ziel nannte der vorläufige Insolvenzverwalter jüngst gegenüber der Fellbacher Zeitung. Der Plan lautet, dass der Investor – die Namen der beiden Kandidaten werden weiter geheim gehalten – sowohl den Turm als auch das bereits verkaufte Hotel erwirbt. Der Käufer, bei dem es sich um einen Geschäftsmann aus Waiblingen handelt, erwägt, vom Hotel-Kauf zurückzutreten.

Verkaufspeis in Höhe von 16 Millionen Euro

Tower und Hotel können erst dann wirklich an den neuen Investor verkauft werden, wenn das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG eröffnet und ein Insolvenzverwalter bestellt ist. Unabhängig davon, dass die Beteiligten erwarten, dass die Wahl des Amtsgerichts Esslingen auf den bisher vorläufigen Insolvenzverwalter fallen wird.

Bis dahin müssten die Voraussetzungen zum Verkauf geschaffen werden. Nämlich die Abstimmung mit den Wohnungskäufern, dem Mieter des Hotelgrundstücks und den bisher tätigen Baufirmen, Architekten und Ingenieuren. Ziel ist ein Verkaufspeis in Höhe von 16 Millionen Euro.


Drohende Verluste

Hinfällig erscheint inzwischen der Plan von Anlegern, den vorläufigen Insolvenzverwalter zur Annahme einer Absichtserklärung von Investoren zu ermächtigen, sofern der Schuldenschnitt nicht mehr als 25 Prozent beträgt.

Dieser Betrag erscheint aktuell unrealistisch, und der vorläufige Insolvenzverwalter soll nicht in seinem Verhandlungsspielraum eingeschränkt werden. Nach Meinung von Branchenkennern droht den Anlegern ein Verlust von rund 60 Prozent. Am Montag stand die Gewa-Anleihe bei 28 Prozent ihres Ursprungswertes.


Unsere bisherige Berichterstattung zum Thema: