Fellbach

Gewa-Tower soll winterfest gemacht werden

db84a9b6-08db-47af-bda3-99883ee83f86.jpg_0
Seit fast einem Jahr ruht die Gewa-Baustelle. © Gabriel Habermann / ZVW

Fellbach. Die oberen, noch unfertigen Stockwerke des Hochhauses am Fellbacher Ostrand sollen für den Winter geschlossen werden. Entsprechende Planungen und Finanzierungsgespräche sind derzeit im Gange. Wohl im Herbst könnten die Baumaßnahmen dann in Angriff genommen werden – falls sich bis dahin nicht bereits ein Käufer gefunden hat.

Den vergangenen Winter hat der Fellbacher Gewa-Tower gut überstanden, doch sicherheitshalber sollen die oberen Stockwerke nun winterfest gemacht werden. Sie sind seit dem Baustopp im vergangenen November unfertig.

Architekt empfiehlt die Maßnahme

Die „Winterhartmachung“, wie Gustav Meyer zu Schwabedissen sie nennt, sei vom Architekten Jörg Wolf empfohlen worden. Meyer zu Schwabedissen ist ein Düsseldorfer Rechtsanwalt und vertritt seit Anfang des Monats die Anleihegläubiger. Zuvor hatte die Rödl Treuhand Steuerberatungsgesellschaft die Anleger vertreten. Da sie aber zugleich für die Wohnungseigentümer spricht, sollte so ein Interessenskonflikt vermieden werden. (Wir berichteten.)

Verschiedene technische Ansätze für die Baumaßnahmen seien derzeit im Gespräch. Als Kosten werden einem Zeitungsbericht zufolge 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Finanzierungsgespräche dafür sollten Ende August weitergeführt werden, wenn der Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli aus dem Urlaub zurück sei, sagt Meyer zu Schwabedissen. Weiter ins Detail gehen will er vorerst nicht. Zusätzlich solle dann das weitere Vorgehen besprochen werden.

Mehr als zwei Kaufanfragen liegen vor

Denn derzeit liegen mehr als zwei unverbindliche Kaufanfragen für den 107 Meter hohen Turm vor. Bis zu 15 Millionen Euro sollen für den Rohbau geboten werden, 32 Millionen Euro wurden demgegenüber nach bisherigem Kenntnisstand bereits verbaut. Insgesamt wird der Turm wohl rund 60 Millionen Euro kosten.

Wie viele Investoren insgesamt Interesse zeigen, möchte der Anlegervertreter nicht öffentlich machen. „Auf jeden Fall mehr als zwei Gespräche“ gebe es, bestätigt er – mit einer vielverheißenden Betonung auf dem Wort „jeden“.

Wenn der Turm vor dem Winter verkauft werden sollte, könnte an dem Gebäude möglicherweise noch in diesem Jahr weitergebaut werden. Dann wäre die Zwischenlösung mit der Winterhartmachung des Rohkörpers gar nicht mehr nötig.

Eine Rolle bei den Verkaufsgesprächen wird sicherlich auch ein Gutachten zum Zustand des Baus spielen. Bei den Verhandlungen mit den Investoren dürfte es zum Tragen kommen. Das „Bautenstandgutachten“ sollte Ende August endlich vorliegen, sagt Meyer zu Schwabedissen. „Das erwarten wir in den nächsten Tagen heiß und innig.“ Bereits Mitte des Monats hatte die Anlegergemeinschaft mit den Ergebnissen gerechnet.

Gutachten zum Bautenstand kommt

Mit bösen Überraschungen rechnet der Rechtsanwalt nicht: „Es gibt keine Anzeichen, dass die Leute schlampig waren.“ Das Bautagebuch des Architekten Wolf sei allem Anschein nach sehr gewissenhaft geführt worden. Das sei ihm von verschiedenen Seiten mitgeteilt worden. „Das ist für mich ein ganz wichtiges Zeichen.“

Angestrengt wurde das Gutachten trotzdem, um eine Einschätzung des Bauzustands von einer unparteiischen Seite zu bekommen. „Wir müssen ja wissen, was gemacht worden ist. Da brauchen wir schon einen Neutralen, der wirklich sagt, was Sache ist“, so der Anlegervertreter.

Wenn die Verkaufsgespräche dann abgeschlossen und die Verträge unterzeichnet sind, kann das Insolvenzverfahren der Bauherrin Gewa 5 to 1 GmbH und Co. KG am Amtsgericht Esslingen anlaufen. Eine Frage dabei wird weiterhin sein, ob seitens der Gewa 5 to 1 gegen Regeln wie Informationspflichten verstoßen wurde. Auch auffällige Zahlungen sollen geprüft werden. Doch Meyer zu Schwabedissen warnt dringend vor Vorverurteilungen: Er sieht keine eindeutigen Anzeichen für falsches Spiel.