Fellbach

Leif Randt macht einen „faszinierend verstörenden“ Eindruck - warum der bekannte Literaturkritiker Ijoma Mangold ihn für den Mörike-Preis ausgewählt hat

Leif Randt
Der Preisträger: Leif Randt. © Zuzanna Kaluzna

Der mit 15 000 Euro dotierte Mörike-Preis der Stadt Fellbach geht 2021 an den Schriftsteller Leif Randt. Geehrt wird ein 37-Jähriger, der aus einer dystopischen Welt erzählt, für „faszinierend verstörende“ Auftritte in Youtube bekannt ist und einen eigenen Schreibstil hervorgebracht hat. Die Bekanntgabe des Preisträgers fand erstmals digital statt.

Die Entscheidung über die Vergabe des Fellbacher Preises traf der Literaturkritiker Ijoma Mangold, der das Geheimnis am Donnerstag in einem digitalen Pressegespräch lüftete. Er bezeichnete den 1983 in Frankfurt geborenen Leif Randt als „avantgardistischen Schriftsteller“. Die Romane ragten „in das Genre der Dystopie“ und zeichneten sich durch eine „eigene Stimme“ aus. Leif Randt gebe uns das Gefühl, „etwas zu beschreiben, das für uns erst zu greifen ist, weil er es geschrieben hat“.

Leif Randts Debüt „Leuchtspielhaus“ erschien nach Auskunft des Presseamts Fellbach im Jahr 2009 und hat den Nicolas-Born-Debütpreis erhalten. 2011 las er in Klagenfurt aus dem damals erschienenen zweiten Roman „Schimmernder Dunst über CobyCounty“. 2015 erschien das futuristische „Planet Magnon“. Sein neuestes, 2020 erschienenes Werk „Allegro Pastell“ zielt auf die Psyche der Dreißigjährigen.

Die Erzählweise und Schreibweise lassen sich nicht auf eine Botschaft und politische Message runterbrechen, so Juror Ijoma Mangold. Vielmehr werde erzählerisch stets auch ein „Geschmack unserer eigenen Welt“ eingespielt. Durch die Art der Sprache, in der die Protagonisten kommunizieren, ihre Welt und Beziehungen gestalten, bekämen wir und unser gesellschaftliches System „etwas zu spüren, bei dem wir merken: Ah ja, das ist ja symbolhaft für uns“, so Mangold.

Neue Formen des Beobachtens und Beschreibens

Das Erstaunliche, das Leif Randt im Panorama der deutschen Gegenwartsliteratur einmalig mache, sei der ihm eigene Sprachduktus: „Er bildet eine eigene Schule, er hat ein Stilideal in die Welt gebracht. Es gibt ein Leif-Randt-Epigonentum“, so Ijoma Mangold. Das spreche dafür, dass ihm mehr gelungen ist, als gute Romane zu schreiben - er bildet neue Formen des Beobachtens und Beschreibens.

Um neue Formen und Formate drehten sich auch die Gedanken von Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. Nie hätte sie es sich träumen lassen, dass einer der wichtigsten Literaturpreise in Deutschland digital bekanntgegeben wird, sagte sie während der Bekanntgabe des Preisträgers. „Doch ungewöhnliche Zeiten lassen uns zu ungewohnten Formaten zurückgreifen.“ Die bedeutende Preisverleihung soll allerdings nicht in „Hybrid-Form“ durchgezogen werden, kündigte Kulturamtsleiterin Maja Heidenreich an. Der Termin für die Preisverleihung wurde auf den 21. April 2021 angesetzt. Wenn Corona das nicht zulässt, soll die Verleihung verschoben werden.

Wie der Mörike-Preisträger Leif Randt in der persönlichen Begegnung am Tag der Preisverleihung in Fellbach zu erleben ist, könne nur vermutet werden, stellte Ijoma Mangold in Aussicht. Nicht nur bezogen aufs Werk, auch bezogen auf die Person hinterlasse Leif Randt einen „faszinierend verstörenden“ Eindruck. Einige Auftritte auf der Videoplattform Youtube geben einen Vorgeschmack auf einen „enigmatischen, charismatischen“ Charakter, der sich bislang mit öffentlichen Auftritten zurückgehalten habe.

Für ihn sei es ein besonderes Vergnügen gewesen, bei der Auswahl des Preisträgers „Alleinherrscher sein zu dürfen“, merkte Ijoma Mangold verschmitzt an. Er wisse auch die andere Seite zu schätzen durch seine jahrelange Juryarbeit: So saß er 2007 in der Jury des Deutschen Buchpreises, mehrfach in der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises, ist Mitglied in der Jury zur Literatur-Bestenliste des SWR, moderierte als Nachfolger von Elke Heidenreich mit Amelie Fried die ZDF-Literatursendung „Vorleser“ und bildete mit Thea Dorn, Denis Scheck und Felicitas von Lovenberg das Moderatoren-Quartett der Literatursendung „Lesenswert“ des SWR.

Schön am Mörike-Preis sei, dass das Urteil „weniger abgefedert“ ist. „Wir neigen dazu, viele Gesichtspunkte einfließen zu lassen, die gesellschaftspolitischer Natur sind.“ Beim Mörike-Preis stehe das „künstlerisch-ästhetischere Urteil“ im Vordergrund. „Ein klares Bekenntnis, über das man sich streiten oder freuen kann.“

Leif Randt gibt Förderpreis an Olivia Wenzel

Zum Mörike-Preis gehört ein Förderpreis, über den der Preisträger entscheidet. Er ist mit 3000 Euro dotiert. Leif Randt hat den Mörike-Förderpreis 2021 der in Berlin lebenden Autorin und Performerin Olivia Wenzel zuerkannt. Sie wurde laut einer Pressemitteilung der Stadt Fellbach 1985 in Weimar geboren, studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. Ihr erster Roman „1000 Serpentinen Angst“ stand 2020 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde mit dem Literaturpreis der Stadt Fulda ausgezeichnet.

„In ihren Texten setzt sie sich häufig mit den diversen Rollen der Menschen in der Gesellschaft und der Vereinzelung und Entfremdung des Subjekts auseinander und reflektiert über Identität, Diskriminierung, Kapitalismus und moderne Technologien“, so die Stadtverwaltung.

Der mit 15 000 Euro dotierte Mörike-Preis der Stadt Fellbach geht 2021 an den Schriftsteller Leif Randt. Geehrt wird ein 37-Jähriger, der aus einer dystopischen Welt erzählt, für „faszinierend verstörende“ Auftritte in Youtube bekannt ist und einen eigenen Schreibstil hervorgebracht hat. Die Bekanntgabe des Preisträgers fand erstmals digital statt.

Die Entscheidung über die Vergabe des Fellbacher Preises traf der Literaturkritiker Ijoma Mangold, der das Geheimnis am Donnerstag in

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