Fellbach

Mehr Steppenweide für den Kappelberg: Deswegen stehen die neuen Zäune

Beweidung Steppenweide Kappelberg
Heiner Negeles Ziegen weiden auf dem Kappelberg. © Stadt Fellbach

Wie die Stadt Fellbach mitteilt, sollen auf dem Kappelberg knapp zehntausend Quadratmeter Fläche entbuscht werden. Diese rückgewonnene Steppenweide soll teilweise eingezäunt werden und künftig als geschütztes Flora-Fauna-Habitat zum Artenschutz beitragen. Vor rund 100 Jahren sei nämlich auf dem Fellbacher Kappelberg noch kein Baum in Sicht gewesen, so die Mitteilung. Der Fellbacher Hausberg wurde intensiv zur Beweidung genutzt, heute zeugen von dieser Bewirtschaftung nur noch wenige Bereiche.

Die sogenannte Steppenheide ist ein artenreiches Biotop, das stark gefährdet und daher hochgradig geschützt ist: Die karge Landschaft ist der Rückzugsraum für erstaunlich viele Pflanzen und Tiere, die sich ihrem Lebensraum angepasst haben und daher auf ihn angewiesen sind. Orchideen sowie seltene Arten von Wildbienen fühlen sich beispielsweise in der Steppenheide wohl. Verschiedene Insektenarten benötigen offene Bodenstellen, um ihre Brutröhren hineinzugraben. Einige Arten sind auf Wildkräuter spezialisiert, die nur auf den Steppenheiden wachsen.

Am vorderen Kappelberg soll ein Flora-Fauna-Habitat entstehen

Gerade in dieser Zeit des massiven Insekten-Schwunds sei die Steppenheide ein nicht zu unterschätzender Lebensraum, so die Stadt. Daher soll der Bereich am vorderen Kappelberg ein sogenanntes europäisches FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) werden – also ein besonders schützenwertes Gebiet, das auch im Hinblick auf die Vernetzung der Lebensräume eine zentrale Rolle spielt. Die einzelnen europäischen Schutzgebiete sollen einen Austausch untereinander ermöglichen. Um diesen Austausch weiter zu fördern und die dortige Artenvielfalt zu erhalten, ist nach Meinung der Experten eine Erweiterung des Schutzgebietes notwendig.

Knapp zehntausend Quadratmeter – zwei verwilderte Gartenstücke sowie eine Steilböschung östlich des bisher bestehenden Schutzraumes – eignen sich für eine sogenannte Entbuschung. Die Umwandlung in Steppenheide erfolgt aber nicht „am Stück“, sondern naturverträglich im Lauf der nächsten Jahre in mehreren Etappen. Unliebsame Büsche und Sträucher werden dauerhaft durch die Beweidung mit Ziegen ferngehalten. Dafür ist in Fellbach Heiner Negele zuständig: Mitte Oktober treibt der Landwirt seine Herde wieder auf den Kappelberg.

Neuer provisorischer Zaun: Verbot davor nicht beachtet

Da die bestehende Steppenheide in den vergangenen Monaten von Spaziergängern und Freiluftsportlern stark beansprucht wurde, wurde der Naturschutzraum am Samstag, 17. Oktober, eingezäunt. Der zunächst provisorische Zaun wurde vom Naturschutzbund zusammen mit Mitgliedern der Rotary Stuttgart/ Remstal sowie einigen Vertretern der Mountainbiker aufgestellt. Die Stadtverwaltung weist mit zahlreichen Schildern und Infotafeln bereits seit Sommer darauf hin, dass die Heidelandschaft nicht betreten werden darf. Leider sei das Verbot von vielen missachtet worden: Inzwischen seien nicht nur feste Trampelpfade, sondern auch regelrechte Fahrradtrails entstanden, die der Landschaft einen enormen Schaden zufügen.

Die Ausweitung der Steppenheide, die in enger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden, dem Naturschutzbund und weiteren Beteiligten erfolgt, soll sich positiv auf das Ökokonto der Stadt Fellbach auswirken und kann gegebenenfalls gefördert werden. Zunächst steht aber die Pflege der bestehende Steppenheide an.

Spätestens ab Dienstag, 20. Oktober, sollen die Ziegen von Landwirt Negele wieder das Gelände „biologisch abmähen“ und für den Erhalt der Heidelandschaft sorgen. Dazu werden die Flächen vorübergehend zusätzlich eingezäunt. Der mittlere Schotterweg sowie der Erdweg am Waldrand müssen in diesem Zusammenhang für die Zeit der Beweidung (circa zwei Wochen) gesperrt werden. Eine Umleitung für Wanderer sei eingerichtet, so die Stadt.