Kaisersbach

Ebnisee für alle: Der Ebnisee einst als Klein-Wannsee

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Konrad Jelden, seit 31 Jahren Vorsitzender des Ebniseevereins, kennt alle Geschichten und Anekdoten rund um den ehemaligen Flößersee. © Ramona Adolf
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Jede Menge Boote am Steg: Startklar für eine Rundfahrt auf dem Ebnisee. © Stütz / ZVW

Kaisersbach-Ebni. Der Vorsitzende des Ebniseevereins, Konrad Jelden, kann was erzählen. Viele Geschichten rund um den Ebnisee, eigene Erlebnisse und Anekdoten. Bei der letzten Runde „Ebnisee für alle 2016“ gab es spannende und vergnügliche Geschichten vom ehemaligen Polizeipräsidenten.

Video: Konrad Jelden erzählt Geschichten über den Ebnisee.

Die Geschichten hat Konrad Jelden, seit 31 Jahren Vorsitzender des Ebniseevereins, teilweise schriftlich festgehalten. Darüber hinaus - schriftlich nicht niedergelegt, sondern „nur in meinem Kopf“ gibt’s die Geschichte vom Wassermann im Ebnisee, von der Ebniseehexe - die nur in hellen Vollmondnächten am Ebnisee gegen Mitternacht erscheint - , vom wilden Zelten in den 50er Jahren, vom Fund von vier Eheringen - mit weiblichen Inschriften - in den 60er Jahren. Und schließlich vom - Gott sei Dank - gescheiterten Projekt eines Cannstatter Architekten, ein Badhotel am Ebnisee nebst Sprungturm und wettkampffähigem 50-Meter-Becken im Ebnisee zu errichten. Der Ebnisee hat eine lange und wechselvolle Geschichte.

„Meine Liebe zum Schwäbischen Wald begann an einem trüben Wintertag des Jahres 1977“, erzählt Konrad Jelden, seinerzeit beim Landratsamt. Nach einem schwierigen Bauleitverfahren saß er mit dem damaligen Kaisersbacher Bürgermeister Adolf Walcher im „Löwen“ in Mönchhof am Kachelofen. Beim Viertele („Hofmanns Tropfen, so benannt nach der Wirtsfamilie) erfuhr Jelden so manche Geschichte aus erster Hand vom Kaisersbacher Schultes.

Im 18. Jahrhundert begann die Flößerei im Schwäbischen Wald. Aufgrund eines herzoglichen Dekrets aus dem Jahr 1715, in dem sinngemäß angeordnet wurde, dass die Förster aus dem Schwäbischen Wald Stuttgart und Ludwigsburg mit Brennholz versorgen sollten. Deshalb ist der Ebnisee ein Treibsee. Er war nie ein richtiger See, sondern vor dem Anstauen eine fruchtbare Wiese. 1746 sind die ersten Scheiter vom Ebnisee hinuntergeflößt worden. Es gab also keine Langholzflößerei.

Wenn die Flößerei anstand, wurde auch sonntags gearbeitet. Pfarrer Maier aus Welzheim lehnte sich im Jahr 1755 dagegen auf, allerdings ohne Erfolg. Er solle die Floßgeschäfte künftig nicht mehr behindern, wurde ihm beschieden.

Aber auch die Schulmeister hatten es damals sehr schwer. So ist in einem Protokoll des Kirchenkonvents Kaisersbach vom April 1844 nachzulesen: „Ludwig Hinderer vom Täle, der heute beim Floß ist und nicht erschienen ist, erhält wegen Schulversäumnisse seiner zwei Kinder einen Gulden Geldstrafe. Die, weil er kein Geld hat, in zwölf Stunden Arrest umgewandelt wird.“

Im Sommer eine gute Futterwiese

Im Sommer war das Gelände des Ebnisees eine reine Wiese. Es gab keinen See. Die sommerliche Seefläche war wichtig für die Menschen im Schwäbischen Wald, denn hier wuchs besonders gutes Gras fürs Vieh. Es kamen auch Leute aus Rudersberg herauf, um für ihr Vieh Heu zu holen. Tobias Strohmaier und Heinrich Ottenbacher, die die Wiese gepachtet hatten, waren in einer Nacht vor Pfingsten heraufgekommen und entdeckten zwei dunkle Gestalten, die sich am Gras zu schaffen machten. Sie bekamen zwei Frauen zu fassen. Die eine bekam eine Ohrfeige, der anderen hat man den Zopf abgeschnitten. Das Gemeindegericht von Rudersberg hat entschieden: für die Ohrfeige eine Strafe von einem Gulden, für den abgeschnittenen Zopf zwei Gulden.

Mit dem Zeitalter der Industrialisierung und der Inbetriebnahme der Remstalbahn 1861 wurde die Floßstraße nicht mehr gebraucht, sondern das Holz in Karren nach Schorndorf zum Bahnhof gebracht.

1880 starteten die Müller eine Initiative mit dem Ziel, das Wasser im Ebnisee wieder anzustauen, damit die Mühlen besser und gleichmäßiger mit Wasser versorgt werden können. Deshalb wurde 1884 der Ebnisee wieder angestaut. Im Lauf der Jahrzehnte entwickelte sich dadurch der Tourismus im Schwäbischen Wald, zumal 1911 die Wieslaufbahn bis Welzheim in Betrieb ging.

1913 ist nachzulesen: „Sonntagmorgen – im dunklen Wasser des Ebnisees spiegeln sich die schwarzen Tannenwälder, lichtgrüne Wiesen, kein Windhauch spielt auf dem Wasser. Sonntagsfrieden liegt über Berg, Tal und See. Aber nicht lange. Drei Lokomotiven bringen langsam - sie können es kaum verschnaufen - Schritt für Schritt den endlosen Zug das Wieslauftal herauf, am Hang der tiefen Schluchten entlang, über Dämme und Viadukte nach der Station Laufenmühle. Hunderte und Aberhunderte entströmen der Station Laufenmühle. Hunderte und Aberhunderte entströmen den Wagen, ein endloser, dichter Heerwurm schiebt sich in beängstigender Enge aus dem Bahnhof und windet sich das schmale Wieslaufsträßchen hinaus an den Ebnisee. Mit Geschrei und Gejohle, mit Gitarren und anderen Lärminstrumenten verjagen sie vielfach den Waldesfrieden, sie besetzten ringsum die Seeufer und es dauert nicht lang, so ist der See übersät mit Schwimmern beiderlei Geschlechts, mit und ohne Badeanzug, wie es gerade kommt. Die Wiesen der Umgebung wimmeln von Gestalten in paradiesischer Aufmachung. Die paar Kähne sind besetzt mit Männlein und Weiblein in derselben Uniform. Ebnisee gleich Wannsee. Armer Waldesfrieden, in welchen Winkeln hast du dich schaudernd verkrochen?“

Wir wissen nicht, wie der Chronist an einem Sonntag im August das Treiben am Ebnisee heute beschreiben würde. Die Einheimischen indes meiden sonntags das Ausflugsziel und genießen den See lieber unter der Woche. In Ruhe.

Große Sause

Im August 1929 gab es ein großartiges Seefest. Der Chronist berichtet von 10 000 Besuchern am Ebnisee. Viele Musikkapellen spielten am Ebnisee.