Kaisersbach

Ebnisee für alle: Inklusion erleben

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Dieser Junge nutzte die Chance, auf Bäume zu klettern. © Gabriel Habermann
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Am Ebnisee lohnt es sich, genau hinzuschauen. © Gabriel Habermann
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Waldpädagoge Alexander Bartok zeigt Tagesmutter Susanna Richter mit Tageskind Leah die heimischen Tiere des Waldes. © Gabriel Habermann
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Kunst aus Naturmaterialien mit Edith Noak. © Gabriel Habermann

Kaisersbach. „Der Hund geht baden“, beobachtet ein Besucher bei der letzten Runde „Ebnisee für alle“ in diesem Jahr. Der junge Mann gehört zu einer Gruppe der Evangelischen Stiftung Lichtenstern in Löwenstein mit Menschen mit Behinderung. Sie wechseln gerade die Stationen, die rund um den Ebnisee aufgebaut sind. Nun wollen sie schaukeln. Eben haben sie Tiere angeschaut und berührt. Ein toller Tag für die Bewohner, freut sich das Team. „Es ist genial. So etwas hast du sonst nicht“, sagen sie.

Video: Konrad Jelden, Vorsitzender des Ebnisee-Vereins, über Ebnisee für alle.

Konrad Jelden, Vorsitzender des Ebnisee-Vereins, würde eifrig mit dem Kopf nicken, wenn er dabei gewesen wäre. Doch er hält noch die Stellung an der Tourist-Info-Hütte des Vereins. Zwar ist nicht ganz so viel los wie sonst, „Ebnisee für alle“ stand wegen der aktuellen Wetterkapriolen auf der Kippe, da Unwetter drohte, doch an den Stationen tummeln sich die Menschen. Bei Waldpädagoge Alexander Bartok hält gerade die Gruppe aus Löwenstein. Sie bewundern die Tiere aus dem heimischen Wald, streicheln einen Waschbären. Lichtenstern-Mitarbeiterin Anita Mulfinger lobt das Konzept dieser inklusiven Natur-Veranstaltung von Ebniseeverein und Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Seit vier, fünf Jahren kommen sie unter der Woche an den Ebnisee, wenn der, bewusst an einem Werktag, alle – und wirklich alle – einlädt. An Wochenenden sei es für eine Einrichtung wie ihre, die sich um Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung kümmert, schwierig, genügend Mitarbeiter für einen Ausflug zu finden.

Auch Menschen im Rollstuhl können den Ebnisee umrunden

Ein Werktag sei doppelt gut, weil unter der Woche auch nicht so viel Rummel herrsche. Die Besucher aus Löwenstein können Tiere anfassen, basteln, schaukeln und um den See gehen, einige sitzen im Rollstuhl und werden geschoben. Ins rund 21 Grad warme Wasser können sie nicht, erklärt Anita Mulfinger. Dort schwimmen einige Kinder und Erwachsene. Denn beide, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, begegnen sich bei „Ebnisee für alle“. Die Gruppe aus Löwenstein lobt das Konzept, auch dass sie mit Menschen im Rollstuhl den Ebnisee umrunden können, weil alles eben ist und rund die Hälfte der Wege asphaltiert ist. Das betont Konrad Jelden: „Ebnisee für alle ist ein Angebot für Menschen mit und ohne Behinderungen.“ Logisch, dass der Ebnisee auch das gesamte Jahr über für alle Menschen erreichbar sein soll. Auch eine Toilette für alle wurde bereits installiert. Ohne geeignete Sanitäranlagen können Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen nicht am öffentlichen Leben teilhaben. Einige Ausflugsziele ohne solche Toiletten fallen daher für diese Menschen weg. Nicht am Ebnisee. Das Gelände steht allen Menschen offen, freut sich Konrad Jelden.

Das Naturerlebnis mit Inklusion verbinden

Bei „Ebnisee für alle“ verbinde man das Naturerlebnis mit dem Thema Inklusion. Die Natur hält Jelden mitunter auf Trab. Er wirft ein paar „bange Blicke in den Himmel“. Und prompt macht es „platsch“. Es kündigt sich allerdings kein Wolkenbruch an. Ein Mädchen ist gerade ins Wasser gesprungen. Auch sie „erkundet die Natur auf spielerische Art und Weise“, wie Jelden es nennt. Verschiedene Stationen sind aufgebaut worden: Aus Tonerde und Naturmaterialien entstehen Figuren, kleine Schiffe werden aus Holz gebaut, am anderen Ende des Sees wird geklettert, während nebenan heimische Tiere präsentiert werden. Getreu dem Motto: Anschauen, anfassen, klettern, die Natur entdecken – und das gemeinsam.

Mehr Begegenungen mit Menschen mit Behinderungen gewünscht

Das Konzept begrüßt auch eine Besuchergruppe aus Weissach im Tal. Mütter sind mit ihren Kindern unterwegs, freuen sich über diesen tollen Tag rund um den See. Leider ist am Donnerstag Rollstuhlfahrer Simon Maier nicht dabei, er ist krank, weiß Jelden. Beim letzten Mal hätten die Kinder mit Simon Maier einen Rollstuhl-Führerschein gemacht. Die Eltern würden gerne etwas mehr Kontakt mit Menschen mit Behinderungen haben, sagen sie. Das komme dieses Mal etwas zu kurz. Es wäre vielleicht nicht schlecht, wenn an manchen Stationen Menschen mit Beeinträchtigungen mithelfen würden, Aktionen anbieten könnten. Dann würden mehr Begegnungen stattfinden, äußern sich die Mütter.

Bei den Baumkletterern ist immer viel los

Stefanie Rehkugler ist mit ihrer Tochter unterwegs. Vor einigen Jahren war ihr Sohn schwer erkrankt. Da war „Ebnisee für alle“ eine tolle Aktion – und ist es noch, sagt die Welzheimerin. Klettern wollen die beiden auf jeden Fall noch. Sie kommen seit vielen Jahren zum See. „Ebnisee für alle“ sei eine super Sache für Menschen mit und ohne Behinderungen! Jedes Mal gebe es ein anderes Programm, sagt die Mutter.

Später treffen wir sie bei der Baumkletter-Aktion wieder. Martin Kreh lässt Kinder schaukeln und ein paar Meter an Bäumen hochklettern. Dass am Donnerstag etwas weniger Kinder da sind, fällt hier kaum auf. „Bei uns ist immer viel los“, sagt er.

Bastelnachmittag mit dem Naturparkführer

Bei Naturparkführerin Edith Noak wird gebastelt, ausschließlich aus Naturmaterialien. Aus Tonerde, Zweigen und anderen „nicht gekauften Dingen“ zaubern die Kinder Schalen und Tiere. „Man muss die Fantasie wirken lassen“, so Edith Noak. Wo findet man diese Tonerde denn, fragt eine Frau. „Überall“, antwortet die Naturparkführerin. Dann machen wir mal daheim einen Bastelnachmittag, verspricht die Mutter. Gebastelt wird auch bei Naturparkführer Walter Hieber. Kleine Schiffe und Flöße werden dort auf Kiel gelegt. „Kann ich ein U-Boot bauen?“, fragt ein Junge. „Ein U-Boot wird es von allein, wenn nicht richtig gebaut wird“, sagt Hieber und lacht. Gemeinsam bauen sie gerade ein kleines Floß.

Tagesmutter Susanna Richter ist mit Leah da. Sie und – viele andere – nutzen den Tag als kostenloses und tagesfüllendes Freizeitprogramm. Und auf einmal werden die Augen der Kinder groß, als Nicole Gräsing mit Lamas und Alpakas um die Ecke kommt. Ebnisee für alle.