Kaisersbach

Erste Saison für Hotel und Almrestaurant am Ebnisee

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Volker Reich in seinem „Himmelreich“, dem Almrestaurant am Ebnisee. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Hotel Reich
Das Hotel Reich am Ebnisee. © ALEXANDRA PALMIZI

Kaisersbach. Am Ebnisee beginnt eine neue Ära. Das ehemalige „Wirtshaus am Ebnisee“ ist komplett renoviert worden. Bis auf den Holzfußboden im Fischgrätmuster ist alles neu im „Almrestaurant Himmelreich“ und im „Hotel Reich am Ebnisee“. Rund 2,5 Millionen Euro hat Volker Reich in das Schmuckstück investiert – deutlich mehr, als er nach dem Kauf des Wirtshauses gehofft hatte.

Volker Reich hat sich mit dem Wirtshaus am Ebnisee einen Jugendtraum verwirklicht. In seinen Zwanzigern habe er einmal hier übernachtet, erzählt Volker Reich, wie es dazu kam, dass aus dem gelernten Bankkaufmann und Früchtegroßhändler nun ein Gastronom und Hotelier geworden ist. Als er damals morgens aufgewacht sei und völlig überwältigt aus dem Fenster über den Ebnisee blickte, schoss ihm der Gedanke in den Kopf, das Wirtshaus eines Tages zu kaufen. Eine Schnapsidee ...

Jahrzehnte später, im Jahr 2017, übernahm Reich von Ernst-Ulrich Schassberger die heruntergekommene Wirtschaft. Statt zunächst geschätzte 1,3 Millionen Euro investierte Reich seither rund 2,5 Millionen in Hotel und Gasthaus nebst Biergarten und Kiosk, für die jetzt die erste komplette Saison beginnt.

Der Ebnisee ist und bleibt ein Besuchermagnet

Zu seinem vollständigen Glück fehlt aber noch das Tüpfelchen auf dem i, sagt Volker Reich über die Probleme mit dem Brandschutz. Deshalb seien noch nicht alle 18 Zimmer in Betrieb, sagt Reich und zuckt mit den Schultern, wohl wissend, dass mit dem Brandschutz nicht zu spaßen ist und der nicht nur ihn in die Bredouille bringt. Doch das im Herbst 2018 eröffnete Almrestaurant und der bei schönen Wetter geöffnete Biergarten sind bereits gut angelaufen. „Den Ebnisee kennt jeder!“, schwärmt Reich über die „Perle des Schwäbischen Walds“. Der See ist ein Besuchermagnet, der an Wochenenden die bis zu 550 Sitzplätze zu füllen vermag.

Vom Ärger mit dem Brandschutz, den aus dem Ruder laufende Baukosten oder mühsamen Genehmigungen für einen Erweiterungsbau lässt sich Volker Reich nicht aus der Ruhe bringen. Der Schaffer ist voller Energie und Begeisterung. Er preist sein süffiges „Reich’s Bräu“ an, das eine Gruibinger Brauerei exklusiv nach seinem Rezept für Reichs Gaststätten herstellt, und schwärmt von einem Bio-Ketchup für die Currywurst mit schlüpfrigen Etikett, das es ebenfalls nur in den Almrestaurants in Schorndorf und am Ebnisee zu verkosten gebe.

Nach einer halbjährigen Suche habe er nun endlich auch einen Küchenchef gefunden, sprudelt es aus Reich hervor. Michael Gabler, der einst im „Dörfle“ von Andrea Berg im Aspacher Sonnenhof kochte, ist an diesem Nachmittag aber weniger als Koch denn als Handwerker im Einsatz. Er baut die frisch renovierte Küche nach seinem Gusto um. Über die Speisekarten sind sich Gabler und Reich einig: deutsche und schwäbische Küche, wie es zum rustikalen Ambiente im Almrestaurant passt – und ganz nebenbei auch zu Reichs eigenem Geschmack. Zunehmend orderten die Gäste vegetarische Gerichte, sagt Michael Gabler, deren Wünschen er gern entgegenkommt – auch jenseits der üblichen Kässpätzle.

Nach dem „Hotel Reich an der Rems“ folgt das „Hotel Reich am Ebnisee“

Gelernt hat Volker Reich Bankkaufmann. Seit 30 Jahren betreibt er den elterlichen Großhandel Früchte-Reich auf dem Stuttgarter Großmarkt. Als „Spontankauf“ bezeichnet er die Übernahme des Hotels Reich in Schorndorf, nachdem er jahrelang mit einem Umbau des „Elisabethenberg“ in Lorch geliebäugelt hatte, einer Behinderteneinrichtung der Diakonie Stetten.

Doch der Kauf zog sich hin – und Reich schlug beim „Hotel an der Rems“ am Schorndorfer Stadtrand zu. Er vergrößerte es und baute es mit dem „Almrestaurant Himmelreich“ zum Business- und Eventhotel „Hotel Reich an der Rems“ mit 35 Zimmern aus, das von Gabi Mezger gemanagt wird.

Reich hatte die Gastronomie verschmeckt. 2017 folgte die Übernahme des Wirtshauses am Ebnisee und jüngst kaufte er den Campingplatz Schnackensee mit Angelzentrum auf der fränkischen Seenplatte. Mit dem von Nadine Rammig betriebenen „Hotel Reich am Ebnisee“ endet die Ära Schassberger, die viele Jahrzehnte lang den Ebnisee geprägt hat, sei’s im Wirtshaus mit Kiosk direkt am See oder später oberhalb vom See im Kur- und Sporthotel Schassberger, das auch Geschichte ist (siehe unten „Der Ebnisee und die Schassbergers“).

Was von damals geblieben ist, ist der Holzfußboden im Almrestaurant. Auf diesem will Volker Reich an Schassbergers Glanzzeiten am Ebnisee anknüpfen.


Der Ebnisee und die Familie Schassberger waren jahrzehntelang eins. Ernst-Ulrich Schassberger war im Wirtshaus am Ebnisee aufgewachsen und hatte früh sein Auge auf die Wirtstochter Iris Döz geworfen, deren Familie oberhalb vom See die in fünfter Generation betriebene Flößer- und Forstknechtswirtschaft betrieb. Gemeinsam bauten Iris und Ernst-Ulrich Schassberger in den 1980er und 90er Jahren die Wirtschaft zum beliebten Kur- und Sporthotel Schassberger aus, in dem sich bis über die Jahrtausendwende hinaus die Prominenz die Klinke in die Hand gab.

2003 übernahm die nächste Generation Hotel und Restaurant. Sohn Ernst Karl schaffte, wovon Vater Ernst-Ulrich Schassberger, Gründer und langjähriger Chef der deutschen Sektion der europäischen Küchenmeister-Vereinigung Euro-Toques, immer geträumt hatte: dass über dem Ebnisee ein Michelin-Stern steht. Doch die Zeiten der abgelegenen Gourmetlokale neigte sich ihrem Ende entgegen. Von Jahr zu Jahr wurde es schwieriger, Feinschmecker aufs Land zu locken. Das Kur- und Sporthotel wurde nach einer Insolvenz verkauft und wird seit 2012 heute unter neuer Regie als „Naturpark Hotel Ebnisee“ betrieben.

Nach den öffentlich und erbittert ausgetragenen familiären Streitigkeiten bis hin zu Gerichtsverhandlungen kehrte Ernst-Ulrich Schassberger ins Wirtshaus zurück. Es geriet später aufgrund von Hygienemängeln in die Schlagzeilen. 2017 verkaufte Schassberger das Wirtshaus an Volker Reich.