Kaisersbach

Expedition in den Urwald von morgen

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Impressionen von der Expedition im Bannwald. © Gabriel Habermann
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Impressionen von der Expedition im Bannwald. © Gabriel Habermann
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Impressionen von der Expedition im Bannwald. © Gabriel Habermann
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Impressionen von der Expedition im Bannwald. © Gabriel Habermann
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Impressionen von der Expedition im Bannwald. © Gabriel Habermann
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Impressionen von der Expedition im Bannwald. © Ramona Adolf
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Impressionen von der Expedition im Bannwald. © Ramona Adolf
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Impressionen von der Expedition im Bannwald. © Ramona Adolf
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Impressionen von der Expedition im Bannwald. © Ramona Adolf

Kaisersbach. Schuhabdrücke im Morast, strömender Sommerregen, anmutige Natur, 45 naturbegeisterte Wanderer. Stolpern, aufstehen, den Dreck von der Hose klopfen und weiter. Die Expedition in den Urwald von morgen zog Jung und Alt in ihren Bann.

Der Bannwald ist ein Naturschutzgebiet mit verschärften Regeln. Dort darf im Gegensatz zum Naturschutzgebiet kein Baum gefällt werden, umgestürzte Bäume dürfen nicht entfernt werden und ja, liebe Pilzsammler, das Sammeln der heiß begehrten Gewächse ist ebenfalls tabu. Der Sinn hinter dem auf sich allein gestellten Urwald ist der Prozessschutz und die damit verbundene Forschung an der Tier- und Pflanzenwelt.

Käferkunde am umgestürzten Baumstamm

Nach einer kurzen Ansprache des Forstrevierleiters Marco Astfalk, der gemeinsam mit seinem treuen Hund Aron die Expedition anführte, begann die Tour in das mystisch anmutige Waldgebiet zwischen Kaisersbach und Kirchenkirnberg. Die Route zum Bannwald führt über einen alten Schlittenweg, auf dem im 18. Jahrhundert in der Winterzeit Brennholz von Nestelberg zum Ebnisee transportiert und über die Wieslauf weiter nach Stuttgart geflößt wurde. Fernab jeglicher ausgebauter Wege, über Stock und Stein, entlang an umgestürzten, von Pilzen geschmückten Bäumen, ging es in Richtung „Steinhäusle“. An einem umgefallenen Baumstamm begann die große Käferkunde. Die Rinde wurde beäugt und der Ursprung der Löcher identifiziert.

Buchen könnten den Wald bald dominieren

Der Weg durch den Wald war gespickt von kleinen, aber faszinierenden Erscheinungen. Pilze in mannigfaltigen Ausführungen, Schnecken, die sich genüsslich an ihnen bedienen, und Farne, die sich ihren Weg durch den Boden bahnen und trotz des Schattens gedeihen. Mitten im Wald erreichte die Gruppe ein Regenschauer, der sich erst seinen Weg durch die dichten Buchenkronen bahnen musste. „Die Buchen fangen den Regen ab und erzeugen eine für Buchen ganz spezielle Resonanz“, so Dr. Gerhard Strobel, Kreisvorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Noch besteht der Wald aus einem Buchen- und Tannenmix, doch schon bald werden die Buchen die Tannen aus diesem Gebiet verdrängt haben. „Von Natur aus ist die Buche hier sehr dominant. Sie kann wie kaum eine andere Baumart im eigenen dunklen Schatten ihren Nachwuchs erziehen. Da sie jede Lücke mit ihrer plastischen Krone sofort schließt und anderen Baumarten das Licht nimmt, ist sie hier konkurrenzstark wie kaum eine andere“, erklärt Marco Astfalk.

Steinhäusle-Höhle schützt vor Regen

Der durchdringende warme Regen ließ keinen der Teilnehmer zögern, den Weg fortzusetzen. Nach mehreren steilen Abstiegen erreichte das Expeditionsteam um Marco Astfalk den Namensgeber des Bannwaldes. Inmitten des von Hängen und Klingen durchzogenen Waldgebietes findet sich das „Steinhäusle“, die namensgebende Felsformation, um die sich der 1970 gegründete, damals 22 Hektar große Bannwald zieht. „Vor einigen Jahren wurde er auf über 55 Hektar in der Größe verdoppelt“, erklärt Astfalk.

„Jetzt wissen Sie, woher dieser Name stammt“, lacht der Forstrevierleiter, als sich alle unter das schützende Regendach der Sand-„Steinhäusle“-Höhle drängen. Von dort aus ging es flinken Fußes zurück in Richtung Ausgangspunkt.

Unterschied zwischen unberührter und bewirtschafteter Natur

Nur wenige der Teilnehmer schafften den Auf- und Abstieg ohne Sturz, doch wer fiel, landete weich im dichten Laub. Die zweistündige Führung verging wie im Flug. Durchnässt, aber froh, informiert und begeistert, traf sich die Gruppe zurück an der Trögleshütte zum Debrief zusammen.

Das Steinhäusle bietet außer faszinierenden Einblicken in die Natur ein Bild davon, wie sehr sich die unberührte Natur von der bewirtschafteten unterscheidet. Jeder der Teilnehmer weiß nun, was sich hinter dem Begriff „Bannwald“ verbirgt und wie wichtig es ist, diesen zu schützen und die Natur im Alleingang gedeihen zu lassen.