Kaisersbach

Schassberger: Imageschaden für den Ebnisee?

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Verschimmelte Torten in der Auslage, stark keimbelastete Kartoffeln im Kühlraum oder verdorbenes Fischfilet, das auf den Tellern der Gäste landete: Systematisch wurde in der Küche des Hotels Ebnisee von Ernst Ulrich Schassberger Gammelware verarbeitet, stellte das Amtsgericht Schorndorf fest. © Palmizi / ZVW

Kaisersbach/Welzheim. „Der Blick aufs Wasser macht glücklich“, heißt es auf der Internetseite des Hotels Ebnisee. Der Blick in die Küche nicht. Die Rede ist von katastrophalen hygienischen Zuständen. Dafür erhielt Gastronom Ernst-Ulrich Schassberger eine Bewährungsstrafe. Während des Sommers hatte das Restaurant geschlossen, der Hotelbetrieb ging weiter – mit Frühstücksbuffet und Kioskbetrieb. Einige Fragen sind daher noch offen – auch die Zukunft des Gasthauses.

Bereits im Mai vergangenen Jahres wurden dem Wirt bei einer planmäßigen Routineuntersuchung der Küche des Hotels Ebnisee gravierende Mängel attestiert. Ergebnis: ein Bußgeld – und weitere Kontrollen. Viel sauberer wurde es anscheinend nicht. Nun wurde Wirt Ernst-Ulrich Schassberger am Amtsgericht Schorndorf zu einer Bewährungsstrafe („eine Gesundheitsgefahr für die Verbraucher“) verurteilt (wir haben berichtet). Der Restaurant-Betrieb wurde am 1. Mai eingestellt. Doch frühstücken konnten Hotelgäste weiterhin. Auch beim Kiosk unterhalb des Hotels gab es – zwar wohl nur noch unregelmäßig – Pommes, Rote und mehr. Hätte man den Laden nicht komplett schließen müssen, wenn derartige hygienische Versäumnisse nachgewiesen werden? Nachgefragt beim Landratsamt.

Zuständigkeiten der Behörden

Der Betrieb des Hotels am Ebnisee wurde durch das Veterinäramt und Lebensmittelüberwachung anlässlich der Kontrolle vom 5. August 2015 bis zum 8. August geschlossen, teilt das Amt mit. „Das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch ermächtigt die Lebensmittelüberwachungsbehörden nur zum vorübergehenden Verbieten des Inverkehrbringens von Lebensmitteln“, erläutert Sandra Weiss von der Pressestelle des Landratsamts. „Nämlich nur so lange, bis die lebensmittel- und betriebshygienischen Voraussetzungen zum weiteren Inverkehrbringen wieder vorliegen. Nachdem also die Betriebsräume, Ausrüstungsgegenstände und Geräte gereinigt waren, die verdorbenen Lebensmittel entsorgt wurden und keine Gesundheitsgefahr mehr für den Verbraucher gegeben war, bestand kein Grund mehr, den Betrieb geschlossen zu halten.“ Weiterhin sei die Gaststättenbehörde dafür zuständig, die Zuverlässigkeit des Gewerbetreibenden zu prüfen und gegebenenfalls die Gaststättenerlaubnis zu entziehen. Diese Behörde sei aber nicht für den Hotelbetrieb zuständig. „Von der Schließung des Restaurants im Hotel Schassberger zum 1. Mai wurden wir nicht informiert. Es ist davon auszugehen, dies war eine eigene Entscheidung von Herrn Schassberger.“

Und der hatte als Wirt am Ebnisee nicht mehr den besten Ruf. Einer, der sich auskennt, ist Konrad Jelden, Vorsitzender des Ebniseevereins. Der war schon seit vielen Jahren nicht mehr im Restaurant essen, was wohl schon als kleiner kulinarischer Fingerzeig zu deuten ist. Auch habe man mit Schassberger kaum Kontakt gehabt, schildert Jelden. Seit einigen Jahren würden viele Gäste dieses Restaurant meiden, hat er beobachtet – „und das ist jammerschade“. Er beschreibt kurz die lange Historie des Anwesens. Das sei mal ein renommierter Gasthof gewesen. Heute nicht mehr.

„Jemanden finden, der sich der Tradition verpflichtet fühlt“

Was bedeutet dieser kulinarische und auch gastronomische Nackenschlag für den Ebnisee, die Kommunen und den Ebniseeverein? Zwar befürchtet Jelden keinen Imageschaden oder gar sinkende Besucherzahlen für den Ebnisee, „der Perle des Schwäbischen Waldes“, aber es ärgert ihn, dass ein Gastronom nicht das Bewusstsein habe und nicht das Engagement zeige, „im Geiste dieses Hauses“ dort etwas Gutes zu machen. Dabei ist sich Jelden sicher, das Haus könne wieder „zu einem Schmuckstück“ werden. Doch leider fehle dazu wohl die Initiative. Sein Wunsch ist es, dass sich bald jemand findet, der sich wieder der Tradition dieses „geschichtsträchtigen Ensembles“ verpflichtet fühle. Haben die Verantwortlichen des Ebniseevereins irgendetwas darüber gehört, dass es auch beim Kiosk des Hotels hygienische Probleme gegeben haben könnte? Über die hygienischen Zustände könne er nichts sagen. Der Kiosk habe auch nur „ab und zu“ aufgehabt. Beim Verein habe sich niemand beschwert. Lediglich darüber, dass Ebnisee-Besucher oft nicht auf die Hoteltoiletten gehen durften und sich unfreundlich behandelt vorkamen.

Auch die Stadt Welzheim, auf ihrer Gemarkung steht das Hotel, ist nicht erfreut. „Negative Meldungen über touristische Einrichtungen sind nie positiv“, hält der Beigeordnete der Stadt Reinhold Kasian fest. Derartige Berichte lese man mit Sorge. Hat die Stadt von den Problemen gewusst? Ernst-Ulrich Schassberger habe sich nicht bei der Stadt gemeldet, die ja gerne bereit gewesen wäre, das Hotel indirekt zu unterstützen. Gebe es nur Probleme in einzelnen Teilbereiche, hätte man das ja vielleicht wieder auf eine vernünftige Basis stellen können. Die Stadt hätte gegebenenfalls Fördertöpfe auftreiben können.

Das Anwesen biete großes Potenzial

Genau wie Konrad Jelden ist sich Reinhold Kasian sicher, dass man mit dieser „ausgezeichneten Lage und der sehr hohen Besucherfrequenz“ mehr aus dem Betrieb machen könnte. Ob und wie viel Geld investiert werden müsste, darüber können und wollen die beiden Herren keine Spekulationen anstellen. Potenzial sehen sie jedoch – und den Wunsch, die Region mit einem besseren Angebot zu stärken. Denn die gesamte Umgebung, Einrichtungen und Kommunen, würden von Touristen und Übernachtungsgästen profitieren.

Katja Müller, die Bürgermeisterin von Kaisersbach, gibt an, von der Kontrolle im August habe man gewusst. Und bei den eingeschränkten und eingestellten Öffnungszeiten 2015/16 habe man „eins und eins zusammenzählen können“. Für die Region seien derlei Schlagzeilen bedauerlich. Doch gebe es ja rund um den See und in den Kommunen genügend kulinarische Angebote.

Wie es mit dem Hotel weitergeht, ob es Interessenten oder neue Geschäftsmodelle gibt, darüber können weder Katja Müller noch Konrad Jelden oder Reinhold Kasian etwas sagen.

Das Ende einer Dynastie: 2012 wurde das Romantikhotel Schassberger am Ebnisee verkauft. Nachdem der Betrieb 256 Jahre in Familienhand war.

Wenige Monate zuvor verließ der Sternekoch Ernst Karl Schassberger den Familienbetrieb: Überm Ebnisee sinkt ein Stern.

Mäusekot

Meika Bakker, stellvertretende Geschäftsführerin des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald, betont, dass es wichtig sei, dass Erholungssuchende bessere Zustände vorfinden. Leute, die den Naturpark aufsuchen, wollten „Qualität“ vorfinden, hält sie fest.

Man wolle ja nicht, dass Besucher einmal kommen – und dann abgeschreckt werden. Sie sollen gerne wiederkommen, die Region bekannt machen. Mäusekot auf dem Küchenboden, kontaminierte Forellenfilets und verschimmelte Torten sind da ganz sicher kontraproduktiv.