Kaisersbach

Schwabenpark bleibt in der Familie: Zwei Generationen arbeiten an einem Ziel

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Drei Generationen (von links): Thomas, Sieghard und André Hudelmaier. © Markus Metzger

„Gut, dass es in der Familie bleibt“ - diesen Satz unterschreibt Thomas Hudelmaier voller Überzeugung. Der „Patron“ des beliebten Familienparks in Kaisersbach-Gmeinweiler und sein Sohn André Hudelmaier sind ein eingespieltes Team. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, rumpelt es fast nie oder höchstens sehr leise.

André Hudelmaier: Den Arbeitsplatz der Eltern als „Spielplatz“ erobert

Vor einigen Jahren hat Thomas Hudelmaier die Parkleitung an die nächste Generation übergeben. Der heute 26-jährige Sohn André will den Park weiterführen, weil er vom Lebenswerk seiner Vorfahren überzeugt ist. „Für mich gab’s nie was anderes, ich bin hier aufgewachsen und will, dass es weitergeht.“ Das sagt einer, der als Kind den Arbeitsplatz seiner Eltern als „Spielplatz“ erobern durfte. Was andere Kinder nur am Wochenende erleben durften, war für André Alltag.

Nach Schule und Hausaufgaben gab es für ihn nur eins: ab in den Park, zum Spielen und auch zum Mithelfen. Anfangs gingen kindgerechte Arbeiten wie das beliebte Tierefüttern und Stallputzen an ihn, aber „wenn’s mal klemmt hat“, so Thomas Hudelmaier, sei der Sohnemann auch mal am Zapfhahn gestanden und habe Limonaden eingeschenkt. Für André war der Arbeitsplatz seiner Eltern ein Paradies: „Mein ganzer Freundeskreis kam hierher, meist schon zum Mittagessen, für uns war nicht der Fußballplatz der Treffpunkt, sondern hier.“

Als Zweijähriger mit Schimpansen herumgetobt

Als im Affengehege des Parks eine Schimpansenmama Zwillinge zur Welt gebracht hat, bekam André sogar ungewöhnliche Spielkameraden. Familie Hudelmaier hat die Äffchen mit dem Fläschchen hochgepäppelt, und so ist der zweijährige André mit Schimpansen herumgetobt. „Die haben ab und zu auch seinen Schnuller gemopst und sind damit rumgesprungen“, berichtet der Vater lachend. Diese amüsante Episode erklärt Andrés empathischen und besonderen Bezug zu Tieren, den der heutige Parkleiter ebenso benötigt wie den technischen Background seiner Ausbildung.

Als 16-Jähriger hat er eine Ausbildung zum Sondermaschinenbau-Mechatroniker absolviert und später ein Fernstudium in Ökonomie abgeschlossen. Seinen technischen Berufshintergrund kann André heute im Park an allen Ecken und Enden gut einsetzen. Insbesondere in den Wintermonaten, wenn Reparaturen, Baustellen und Projekte anstehen. „Ich brauche keinen Ausgleich, weil mir der Job Spaß macht.“

„Wir hatten nie Urlaub, wir hatten dafür unsere Tiere“

Von seinem Vater und auch von seiner Mutter Silvia sei ihm das Verständnis für die Arbeit gut vermittelt worden. Darauf führt er seine Entscheidung für die Selbstständigkeit zurück. „Meine Eltern haben es positiv weitergetragen, das habe ich mit aufgesaugt.“ Ihn habe es nicht abgeschreckt, wie seine Eltern rund um die Uhr fürs „Gschäft“ da zu sein, weil sie mit den Tieren ganzjährig gebunden sind. „Wir hatten nie Urlaub, wir hatten dafür unsere Tiere“, sagt André. Vater Thomas Hudelmaier kennt es nicht anders. „Wir sind nie in Ferien gefahren, das konnten wir uns gar nicht leisten.“

Der heutige Senior war zwölf, als sein Vater Sieghard den Tierpark eröffnet hat. Hervorgegangen aus einem Geflügelzuchtbetrieb, habe er den Park von null an und ohne finanzielles Polster hochgezogen. Der Senior hat die Aufbauphase miterlebt, André hat den Fundus in die Wiege gelegt bekommen. „Für uns waren die Zeiten vielleicht noch härter“, so Thomas Hudelmaier. Wobei sie auch heute nicht unbelastet seien - „sie sind nur anders hart“.

Erste Fahrgeschäfte im Schwabenpark Ende der 70er

André muss weiterhin viel aufbauen, Entscheidungen für die Zukunft treffen, gestalten, Ideen haben. „Es gibt schon fast alles. Eine Achterbahn ist keine Sensation mehr, dessen sind wir uns bewusst“, sagt André Hudelmaier. Er könne an nichts mehr festhalten. „Wir müssen mitgehen im Wandel der Zeit, weil ich und unsere 150 Mitarbeiter weiterhin davon leben wollen.“ Die ersten Fahrgeschäfte nahmen Ende der 1970er Jahre den Betrieb auf. „Früher haben wir eine Attraktion angeboten und aufgestellt und es war gut genug. Heute erzählen wir eine Geschichte drum herum, die Besucher erwarten ein Erlebnis.“

Sein Unternehmen hat nun einen neuen Eigentümer und auf absehbare Zeit auch einen neuen Gesamtgeschäftsführer - der eigene Sohn. Wie ist das als Vater? „Ich habe mich gefreut und bin vor allem stolz, dass es in der Familie bleibt.“ André ist die neue Generation, sagt, er wolle und müsse „seine eigenen Fußstapfen gehen“.

Thomas Hudelmaier schaut auf sein Lebenswerk, das immer kontinuierlich nach der Devise gewachsen sei: Auf eins kommt zwei. Ein Schritt nach dem anderen. Gibt es nie Streit, wenn Familie, Beruf und Eigentum so eng verkettet sind? Nein, weil ein gemeinsames Ziel sie verbindet. „Vom großen Ganzen hat jeder dieselbe Vorstellung. Auch wenn man bei einzelnen Ideen mal nicht einig ist“, schildert Thomas Hudelmaier. Er gibt seinem Sohn viel Freiraum, den er selbst nicht hatte. Sein Vater habe mehr entschieden und auch mehr erwartet. „Ich habe mir gesagt, den Fehler mache ich nicht. Der Nachwuchs soll wissen, was Sache ist, dann wird es ausdiskutiert.“ André hat sich viel vom Vater abgeschaut. „Von ihm lerne ich Gelassenheit. Ihn bringt nichts aus der Ruhe, und er ist offen für vieles“, sagt er über den Vater. Der Senior bewundert „Andrés Agilität und dass er Dinge, die er anpackt, auch zu Ende bringt“. Seinen Junior müsse er manchmal zügeln in seiner Euphorie und seinem Gestaltungswillen. „Wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat, möchte er es genau so, er hört aber andere Meinungen an und überlegt es sich, aber wenn er am Ende der Überzeugung ist, dass seine Idee die bessere ist, lässt er sich nicht beirren.“

Weniger stürmisch hingegen geht Thomas Hudelmaier die Sachen an: „Er sagt immer erst mal, wir probieren es. Wenn es funktioniert, gut. Wenn nicht, dann haben wir was daraus gelernt“, beschreibt der Sohn André den Vater.

Große Aufgabe im Schwabenpark: Klimaneutralität

Beide Seiten wollen ihre Identität als Familienpark beibehalten, um auch in Zukunft zufriedene Gäste zu haben. Die Kundschaft schätze weiterhin die liebevollen Attraktionen ohne Glitzermentalität. „Das „Höher-Weiter-Schneller“ führt an unserem Publikum vorbei“, ist André Hudelmaier überzeugt. Ein Virtual-Reality-Experiment sei nach einer Saison kein Thema mehr gewesen. „Es passt einfach nicht zu uns“, bestätigt Thomas Hudelmaier. Zumal der Park mit mehreren prämierten Fahrgeschäften sowie Investitionen in Licht, Soundtrack und familientaugliche Events einen hohen Mehrwert hat und die Besucher keine ständig neuen Superlative erwarten.

Auch Hudelmaiers können steigenden Loopingzahlen wenig abgewinnen. Wichtig sei es, sich als Familie auf gemeinsame Werte zu einigen: „Wir können etwas nur gut verkaufen, weil wir selbst es auch gut finden.“ Die Herausforderungen und „Baustellen“ unter den Vorzeichen gestiegener Energie- und Rohstoffpreise lassen sich nicht mehr an einer Hand abzählen. Das Internet beschleunige vieles. Das Einzugsgebiet sei gewachsen, weil die Menschen bereit sind, weitere Strecken zu fahren. Eine große Aufgabe, die bereits begonnen hat im Schwaben-Park, ist der Weg zur Klimaneutralität. Für 2023 ist eine neue Attraktion geplant, über die noch Stillschweigen herrscht. Nur so viel kann schon gesagt werden: Es wird eine Weltneuheit, die den Park einzigartig macht.

Dieser Artikel ist zuerst am Donnerstag, 15. Dezember, in unserer Beilage "So stark ist der Rems-Murr-Kreis - die nächste Generation" erschienen.

„Gut, dass es in der Familie bleibt“ - diesen Satz unterschreibt Thomas Hudelmaier voller Überzeugung. Der „Patron“ des beliebten Familienparks in Kaisersbach-Gmeinweiler und sein Sohn André Hudelmaier sind ein eingespieltes Team. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, rumpelt es fast nie oder höchstens sehr leise.

André Hudelmaier: Den Arbeitsplatz der Eltern als „Spielplatz“ erobert

Vor einigen Jahren hat Thomas Hudelmaier die Parkleitung an die nächste Generation

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