Kaisersbach

Zwar gibt es in Kaisersbach weiterhin keinen Vollsortimenter als Bäcker, doch die Holzofenbrot-Profis erweitern ihr Angebot

MobileBaeckerei
Im Gespräch, das die Welzheimer Zeitung mit Dorothee Weller von der Holzofenbäckerei in Cronhütte zur Schließung der Bäckerei Doderer führte, entstand die Idee, mit dem mobilen Verkaufswagen den nun unterversorgten Nachbarort anzufahren. © Gaby Schneider

Im 2500-Einwohner-Ort Kaisersbach steppt der Bäcker: Der eine schließt, der nächste öffnet. Seit sich die Bäckerei Doderer Anfang November als Vollsortimenter verabschiedet hat, teilen sich drei Bäcker die Brotversorgung. Das Angebot ist nicht von schlechten Eltern: zwei verschiedene Holzofenbrote, Dinkelprodukte, Brezeln, süße Stückle, Kuchen, Hefezopf. Im Frühling kommt eine Spezialität dazu, an die manch Kaisersbacher noch „grieselige“ Erinnerungen haben dürfte.

Im Gespräch, das die Welzheimer Zeitung mit Dorothee Weller von der Holzofenbäckerei in Cronhütte zur Schließung der Bäckerei Doderer führte, entstand die Idee, mit dem mobilen Verkaufswagen den nun unterversorgten Nachbarort anzufahren. „Mein Mann war skeptisch, ich dachte mir, wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, meint die Bäckermeisterin. Seit Dezember treffe sie auf dankbare Kundschaft: „Viele warten am Gehweg, noch bevor ich den Wagen geparkt habe“, erzählt sie lachend. „Am Anfang sind sie superfrüh gekommen, weil sie befürchtet haben, dass es gegen später ihre gewünschten Sachen nicht mehr gibt“, sagt sie. Seit sie den Kunden erklärt hat, dass sie alles an Bord habe - egal wann jemand kommt, habe sich die Schlangenbildung merklich entspannt.

„Ich kann jederzeit Nachschub holen, mir henns ja nedd weit.“ Obwohl nur drei Minuten Fahrzeit entfernt, entdecken ihrer Beobachtung nach viele die Holzofenbäckerei erst jetzt. Zu umständlich sei der Schlenker. „Wir liegen in der falschen Richtung, hier ist man mehr Richtung Welzheim orientiert“, erklärt sie.

Nun, da das Cronhütte-Sortiment vor die Haustüre gerollt kommt, gehen die Kaisersbacher auf Tuchfühlung mit dem neuen Sortiment, zu dem auch Hefezopf und Kuchen gehören, die seit Schließung von Doderer von vielen vermisst werden. „Die Erwartungen sind übertroffen worden“, zieht sie ein Fazit. „Die Kaisersbacher probieren sich schön einmal durch.“ Zur Vorweihnachtszeit sei viel jüngeres Publikum auf den Geschmack gekommen. Viele Einkäufer versorgen gleich mehrere Haushalte, sie verkaufe mehr große als kleine Laibe, und: „Sehr viel im Dinkelbereich“.

Kunden, die Weizen nicht vertragen, freuen sich über die Alternative, die sie jahrelang bei Doderer gekauft hätten. Einmal pro Woche, eine Stunde lang, steht Dorothee Weller auf der gemeindeeigenen Fläche neben der Kirche vor dem alten Feuerwehrgerätehaus - damit können die Holzofenbrot-Platzhirsche leben: „Konkurrenz belebt das Geschäft, jeder hat seine Kundschaft“, sagt Sibylle Huter, die an drei Tagen im eigenen Backhaus ihr Holzofenbrot verkauft.

Schon immer ziehe der Ort viele Auswärtige an, der kleine „Hotspot“ für gutes Brot vom Land habe sich bis in die Landeshauptstadt herumgesprochen. Auch sie lebe überwiegend von der über Jahrzehnte gewachsenen Stammkundschaft, die es auf die eine einzige Sorte Brot abgesehen habe, die Huters im Holzbackofen herstellen, an den nur sie und ihre Schwägerin Adelheid randürfen, auf einer Glut aus Bachbriegeln und Spreißelholz vom Wald, nach altem Familienrezept und auf Basis des Natursauerteigs ihrer Mutter Helene, die in den 1970er Jahren aus dem landwirtschaftlichen Betrieb heraus mit dem Backen begonnen habe.

Bleibt noch die Brezel-Frage. Die sind aktuell bei Metzgermeister Martin Grau im Spar-Markt zu bekommen, der von Joos mit Brezeln und mit einer Basisauswahl an Broten und süßen Stückle beliefert wird. Momentan steckt allen noch der Weihnachtstrubel in den Knochen, der im Corona-Jahr einige Besonderheiten gezeigt habe. Dorothee Weller sagt, sie habe noch nie so viel Früchtebrot verkauft - nicht nur in Kaisersbach, sondern auch auf den Wochenmärkten und auch im eigenen Backlädle.

„Man konnte keins auf den Weihnachtsmärkten essen oder in einem Café, weil alles geschlossen war, das haben wir gemerkt“, so Dorothee Weller. Auch Sibylle Huter und ihre Schwägerin sind kaum nachgekommen mit dem Backen. „Man merkt, dass die Leute daheim sind, an den größeren Mengen pro Einkauf.“ Das große Backen dürfte weitergehen: Im März will die Bäckerei Doderer wieder (teig-)rührig werden. Anfang November hatte sie den bisherigen Betrieb aufgegeben; als Dinkel-Spezialitätenbäckerei möchte sie zurückkehren in ihre Backstube am vertrauten Ort. Geplant seien ein kleines Sortiment und halbe geöffnete Tage, „so dass es zu zweit gut zu stemmen ist“, sagt Elke Doderer.

Aktuell wird die Backstube auf Vordermann gebracht: „Nach der langen Zeit muss einiges renoviert werden“, so Elke Doderer. Ein alter Ofen sei entfernt worden, dadurch auch der Fliesenboden, der jetzt erneuert werde. Ihr Sortiment sei in Planung, noch stehe nicht alles fest, vermutlich wird es auch Brezeln geben. Einstellen könne sich die Kundschaft auf jeden Fall schon mal auf ein Wiedersehen und Wiederschmecken mit dem Kirbekuchen: Die Hausspezialität, die es bisher saisonal zur Herbstzeit gab, will sie künftig ganzjährig machen. Das Rezept stamme von ihrer Schwiegermutter und basiere auf Milch vom Bauernhof, aus der Elke Doderer die eigene Sauermilch herstellt. Dann mengt sie der rahmigen Masse Gewürze bei, auch Safran ist drin in dem besonderen Schmandkuchen, der fürs „Grieselige, Krumige“ bekannt sei. Wer sich nicht erinnern kann: Voraussichtlich ab Mitte März kann in der Spezialitätenbäckerei Doderer wieder reingebissen werden.

Öffnungszeiten

Holzofenbrotverkauf bei Familie Huter: Dienstag, Donnerstag und Freitag ab 8 Uhr.

Mobiler Verkaufswagen von Weller & Munz: Dienstagnachmittags von 14.30 bis 15.30 Uhr. Von Montag, 28.12.2020, bis Montag, 11.01.2021, sind Winterferien. Ab Dienstag, 12.01.2021, ist wieder geöffnet.

Im 2500-Einwohner-Ort Kaisersbach steppt der Bäcker: Der eine schließt, der nächste öffnet. Seit sich die Bäckerei Doderer Anfang November als Vollsortimenter verabschiedet hat, teilen sich drei Bäcker die Brotversorgung. Das Angebot ist nicht von schlechten Eltern: zwei verschiedene Holzofenbrote, Dinkelprodukte, Brezeln, süße Stückle, Kuchen, Hefezopf. Im Frühling kommt eine Spezialität dazu, an die manch Kaisersbacher noch „grieselige“ Erinnerungen haben dürfte.

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