Kernen

Ärger wegen erneutem Stromausfall

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Symbolbild. © Laura Edenberger

Kernen-Stetten.
Ein technischer Defekt an einer 10 kV-Leitung führte am Samstag gegen 20.36 Uhr zu einer Störung im 10 kV-Netz des Kernener Ortsteils Stetten. Betroffen war das komplette Gemeindegebiet. Nach Sonnenuntergang lag der Flecken stundenlang im Dunkeln, ausgenommen die Diakonie und die Freiwillige Feuerwehr, die beide über Notaggregate verfügen. Die Großbäckerei Wohlgemuth traf es mitten in der heißen Brotback-Phase, was für sie „wirtschaftlichen Schaden“ zur Folge hatte, wie Feuerwehrkommandant Andreas Wersch sagt. Die Handballer des TV Stetten mussten ihr Spiel abbrechen. Stettener Restaurants improvisierten. Nicht alle Gäste nahmen das auf die leichte Schulter. Im Hasen stellte man Kerzen und Windlichter auf und warf den Gaskocher an, wie SPD-Fraktionschef Hans-Peter Kirgis mitteilte.

Bürger beklagen das Krisenmanagement

„Es war draußen kuhfinster. Ich habe eine E-Mail bekommen, in der sich jemand beklagt, auf der Notrufnummer des Remstalwerks habe er niemand erreicht. Das kann nicht sein“, so Kirgis. Via Smartphone suchten die Stettener Rat und Infos auf der Homepage des Remstalwerks, Fehlanzeige. Er hätte erwartet, sagt Kirgis, dass der Remstäler Energieversorger über den Störfall und die Ursachen auf seiner Website rasch informiert. „Geschieht das nicht, ist das eine schlechte Werbung. Das sind Mindestanforderungen. Ziel ist es doch, möglichst viele Kunden zu finden.“ Auf Facebook brodelte es am Wochenende. Die Leute empörten sich über das Krisenmanagement, nachdem schon vor knapp einem Jahr in Stetten ein GAU Kritik ausgelöst hatte.

Remstalwerk muss erreichbar sein

Ohne Strom funktionierte auf dem Festnetz kein Notruf, und der Handyakku hält nicht ewig. Viele Stettener eilten aufgeregt zum Feuerwehrmagazin in der Bachstraße, das von einem Notaggregat erleuchtet war. Ihre erste Frage: Was ist los?

„Es war der zweite größere Stromausfall, seit wir beim Remstalwerk sind“, sagt Kommandant und CDU-Fraktionschef Wersch, „und die sagen, das seien die alten Leitungen der EnBW, die Leitungen die ja immer funktioniert haben.“ Stromausfälle habe es auch früher gegeben, wenn ein Bagger ein Kabel beschädigt hat. Die EnBW habe bei Eingabe der Postleitzahl zudem ein kundenfreundliches Infosystem vorgehalten. „Ich erwarte, dass das Remstalwerk telefonisch erreichbar ist“. Er, Wersch, kenne die Gründe für die Stromausfälle nicht, aber da sei „schon eine gewisse Häufigkeit festzustellen. Da war auch kein Hinweis auf der Homepage.“

Remstalwerk: "Störungen sind Normalität in Versorgungsunternehmen"

Laut Pressemitteilung des Kernener Rathauses ist der Stördienst des Remstalwerks unverzüglich vor Ort gewesen und habe mit der Fehlersuche begonnen. „Der Fehler konnte in der Kirchstraße lokalisiert werden, die ersten Netzkunden konnten bereits nach rund zwei Stunden wieder versorgt werden, die letzten nach rund vier Stunden. Das fehlerhafte Kabel wird umgehend repariert.“ Wie hatte Geschäftsführerin Gabriele Laxander vor einem Jahr im Gemeinderat gesagt? Fest stehe, dass „wir keine Versorgungssicherheit in Deutschland haben. Störungen sind Normalität in Versorgungsunternehmen.“ Wenn bei Stromausfall Kühlhäuser abschmierten, sei das nicht das Problem des Remstalwerks, sondern der betroffenen Betriebe, die „vielleicht ein Notsystem einrichten sollten“.