Kernen

Ölspuren, Nägel und gefährliches Ausbremsen? Konflikt um Motorradlärm in Kernen

OrtseingangStetten
Die Stettener Ortseinfahrt aus Richtung Esslingen kommend. © Gaby Schneider

Die Motorrad-Saison ist in vollem Gange. Schönes Wetter und warme Temperaturen locken motorisierte Zweiradfahrer auf die Straßen im Rems-Murr-Kreis. In Stetten aber kehrt mit der Motorrad-Saison auch ein Dauerbrenner zurück: der Lärm.

Verursacht wird dieser durch den Straßenverkehr, etwa an der Landesstraße 1199, dem Ortsausgang Stetten in Richtung Esslingen. Im Fokus stehen aber nicht nur Motorradfahrer. „Man darf nicht alle über einen Kamm scheren“, schreibt Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch auf seiner Facebook-Seite. Bei einer Kreisputzete im März habe er mit jungen Motorradfahrerinnen und -fahrern sprechen können, die sich regelmäßig oberhalb von Stetten treffen. Damals machten die jungen Biker am Aussichtspunkt „Tor ins Remstal“ von sich aus sauber und sammelten Abfälle auf, so Bürgermeister Benedikt Paulowitsch.

„Diese Gruppe hat keine aufgemotzten Maschinen, sondern ärgert sich selber über sehr aggressive Fahrer, die sie in Verruf bringen“, schreibt der Bürgermeister weiter. „Ebenso sind es fast genauso viele sportliche Pkw, die für Lärm verantwortlich sind.“

Konflikt werde laut Verkehrsteilnehmern auf der Straße ausgetragen

Es kommen viele Faktoren zusammen, die zu dem hohen Lärmaufkommen in Stetten führen. Zum einen führe die Verbindung zwischen dem Landkreis Esslingen und Teilen der Schwäbischen Alb in den Rems-Murr-Kreis beziehungsweise weiter in Richtung Norden über den Schurwald durch Stetten, so der Bürgermeister: „Es ist eine der schönsten Strecken der Region“ – besonders gerne von Motorradfahrern und hochmotorisierten Fahrzeugen genutzt. Des Weiteren trägt die Lage der Gemeinde dazu bei, dass der Lärm weit zu hören ist. „Vom Schurwald hallen die Motorgeräusche verstärkt ins Tal hinein“, so der Bürgermeister.

In Kernen haben sich bereits Initiativen gegründet, die sich für Lärmschutz einsetzen. Außerdem misst ein 13 000 Euro teures Lärmdisplay seit Februar 2020 am Ortsausgang Stetten, welcher Belastung die Anwohner ausgesetzt sind. Doch der Konflikt scheint inzwischen auch auf der Straße angekommen zu sein. „Im Gespräch haben mir die jungen Motorradfahrer von mehreren Aktionen berichtet“, sagt Paulowitsch. Zwischenfälle, die nicht ungefährlich sind.

Ölspuren, Nägel auf der Straße und Ausbremsen

„Genannte Aktionen waren Ölspuren, die womöglich bewusst gelegt wurden, Nägel an Stellen, wo oft gewendet wird bis hin zum gefährlichen Ausbremsen mit dem  Pkw bei ausgeschaltetem Licht oder Werfen von Äpfeln“, so der Bürgermeister. Er verurteilt die geschilderten Handlungen auf Schärfste. „Solche Aktivitäten sind keine kleinen Delikte, sondern Straftaten, bei denen vollkommen zu Recht Haftstrafen drohen“, sagt Paulowitsch.

Er habe die jungen Menschen ausdrücklich dazu ermuntert, solche Zwischenfälle konsequent bei der Polizei zur Anzeige zu bringen. Im Polizeipräsidium Aalen seien bis dato aber noch keine Anzeigen eingegangen. Das bestätigte ein Pressesprecher der Polizei auf Nachfrage unserer Redaktion. Auch in der Polizeistelle in Fellbach seien dererlei Vorfälle nicht gemeldet worden.

Untätig bleiben möchte Kernens Rathauschef nicht. Er schließt ein weiteres Treffen mit der Gruppe junger Motorradfahrer nicht aus. „Es ist schon erstaunlich, wie dankbar diese Menschen waren, dass erstmals jemand mit ihnen anstatt über sie gesprochen hat“, so Paulowitsch.

Die Gruppe könne sich auch vorstellen, an einem Gespräch mit Anwohnern teilzunehmen.

Bürgermeister appelliert an Verständnis und gemeinsamen Dialog

„Daher kann ich mir vorstellen, dass wir nach dem nächsten Treffen ein Gespräch beispielsweise mit dem Verein K21 planen, welcher sich in der Vergangenheit immer wieder kritisch mit Motorradlärm auseinandergesetzt hat“, sagt Paulowitsch.

Ebenso sollen Mitglieder des Gemeinderats an den Gesprächen teilnehmen. „Ich denke, dass Dialog und Verständnis am Ende allen Beteiligten im Umgang mit den Konflikten helfen können“, findet er. Es sei ein Unterschied, sich in die Augen zu sehen und etwas ins Gesicht zu sagen, anstatt nur übereinander zu sprechen, so der Kernener Bürgermeister.

Dass der Dauerbrenner Lärm in Stetten irgendwann der Vergangenheit angehören wird und eine Lösung für das Problem in Sicht sein werde, daran glaubt der Bürgermeister nicht. „Nicht alle Konflikte sind in ihrer Absolutheit zu lösen und Verkehrslärm gehört hier definitiv dazu“, sagt er.

Einer der Fahrer der jungen Gruppe habe bei dem Gespräch während der Kreisputzete einen bemerkenswerten Satz gesagt, so Bürgermeister Paulowitsch. Er zitiert seinen Gesprächspartner: „Wir stehen in der Pflicht, andere Motorradfahrer mit deren Fehlverhalten zu konfrontieren, denn diese schaden mit ihrem Verhalten den Anwohnern und dadurch auch uns.“

Die Motorrad-Saison ist in vollem Gange. Schönes Wetter und warme Temperaturen locken motorisierte Zweiradfahrer auf die Straßen im Rems-Murr-Kreis. In Stetten aber kehrt mit der Motorrad-Saison auch ein Dauerbrenner zurück: der Lärm.

Verursacht wird dieser durch den Straßenverkehr, etwa an der Landesstraße 1199, dem Ortsausgang Stetten in Richtung Esslingen. Im Fokus stehen aber nicht nur Motorradfahrer. „Man darf nicht alle über einen Kamm scheren“, schreibt Kernens Bürgermeister

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