Kernen

1,4 Millionen Euro für den Brandschutz

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Im Zuge der Brandschutzmaßnahmen an der Karl-Mauch-Schule soll auch ein strukturiertes IT-Netz mit Datenanschlüssen in allen Klassenräumen errichtet werden. © ZVW/Danny Galm

Kernen-Stetten. Rund 1,4 Millionen Euro muss die Gemeinde Kernen in den Brandschutz der Karl-Mauch-Schule in Stetten investieren – das sind fast 900 000 Euro mehr als geplant. Das Landratsamt hatte die Gemeinde aufgefordert, nachzubessern, die große Mehrheit im Gemeinderat stimmte dem aktualisierten Plan zähneknirschend zu. Für Diskussionen sorgt die Installation einer Überfall-Melde-Anlage an der Grundschule.

 

Sind die Brandschutzmaßnahmen übertrieben, die das Landratsamt von der Gemeinde Kernen für die Karl-Mauch-Schule verlangt? Diese Frage stellen sich Bürgermeister Stefan Altenberger und die Kernener Gemeinderäte beim Blick auf die Kostenentwicklung der Sanierung. Nein, lautet die Antwort des Sachverständigen Christof Backes, der die Gemeinde beim Brandschutz unterstützt: „Das Landratsamt hat eine schärfere Auffassung, diese ist aber genauso diskussionsfähig wie unser eigenes Brandschutzkonzept“, urteilt er. Der Kreis verfolge bei allen Rems-Murr-Schulen dieselbe strenge Linie.

Ein Beispiel: Backes und die Verwaltung halten eine Brandmeldeanlage ohne direkten Draht zur Feuerwehr für die Karl-Mauch-Schule für ausreichend, das Landratsamt aber nicht. Für die Gemeinde bedeutet diese „schärfere Auffassung“, auch in anderen Punkten: Sie muss tief in den Geldbeutel greifen. Mehr als 1,4 Millionen wird die brandschutztechnische Sanierung der Schule vorläufig kosten. Immerhin rechnet die Gemeinde mit 500 000 Euro aus Fördermitteln des Bundes. Umgesetzt werden sollen die Maßnahmen in den Jahren 2019 und 2020.

Falls etwas passiert, will niemand die Verantwortung übernehmen

Entgegen der vorherrschenden Meinung, sagte Brandschutzexperte Backes, seien die Brandschutzvorschriften in den vergangenen Jahren gar nicht sonderlich verschärft worden, es werde einfach nur genauer hingeguckt. Und: „Niemand will die Verantwortung übernehmen“ – falls doch etwas passiert. Dass in der Stettener Grundschule nachgebessert werden muss, steht fest. „Das Gebäude wurde in der Zeit der offenen Atrien gebaut, da hat man es mit den Rettungswegen nicht so genau genommen“, sagt Backes.

Bereits 2017 hatte Kernen die geplante Sanierung zur Genehmigung beim Landratsamt eingereicht. 530 000 Euro sollte das Maßnahmenpaket kosten, das vor allem auf die kritische Fluchtwege-Situation abzielt: Unter anderem müssen Foyer, Treppenhaus und Aula im Altbau der Schule von den Flur- und Aufenthaltsbereichen wie auch von den Klassenzimmern durch Brandschutzverglasung und feuerhemmende Trennwände isoliert werden – damit im Brandfall das Treppenhaus zum geschützten Korridor und Notausgang wird. Experte Backes: „Da geht es um das Mindestschutzniveau.“ Nach einer Besichtigung durch die Baurechtsbehörde sei deutlich geworden: Das Landratsamt verlangt mehr. Schwer ins Gewicht fallen werden unter anderem die geforderte Installation einer flächendeckenden Brandmeldeanlage in Alt- und Neubau, die Erneuerung der meisten Holzdecken, der Sicherheitsbeleuchtung und der Lautsprecheranlagen.

„Amoktaster“ in allen Klassenräumen – notwendig?

Für den zusätzlichen Einbau einer Notfallalarmierung als „Überfall-Melde-Anlage“ haben sich Schulleitung, Verwaltung und Planungsbeteiligte außerdem entschieden. Momentan kann nur im Rektorat ein Alarm ausgelöst werden. Nun sollen auch in den Klassenräumen „Amoktaster“ installiert werden. „Sowohl eine damit ausgelöste Gefahrenmeldung oder ein Feueralarm der Brandmeldeanlage als auch gewöhnliche Durchsagen der Schulleitung erfolgen dann über die Sprachalarmierungsanlage, die im gesamten Schulgebäude flächendeckend installiert wird“, heißt es in der Beschlussvorlage aus dem Hochbauamt.

Diese Überfall-Melde-Anlage halten nicht alle Gemeinderäte für notwendig. Matthias Kramer (OGL) fragt: „Wer will an einer Grundschule einen Amoklauf machen? Ich sehe das sehr kritisch, das könnten wir uns sparen.“ Ganz anderer Meinung ist Andreas Wersch (CDU). Die Anlage könne schließlich nicht nur im Amokfall genutzt werden, sondern auch bei anderen Gefahrenlagen, zum Beispiel familiärer Natur. „Sicherheit ist Lebensqualität“, spricht sich Wersch für die Anlage aus, „in der Hoffnung, dass wir sie nie brauchen.“


200 000 Euro für Digitalisierung

Im Zuge der Brandschutzmaßnahmen an der Karl-Mauch-Schule soll auch ein strukturiertes IT-Netz mit Datenanschlüssen in allen Klassenräumen errichtet werden – so können gemeinsame Leitungstrassen bzw. Wege genutzt werden. Diese Verkabelung der Schule wird rund 200 000 Euro kosten.

Gemeinderat Ebbe Kögel (PFB) sprach sich in der jüngsten Sitzung gegen diese Investition aus. Das Geld solle Kernen lieber in „lebensweltliche Erfahrungen statt in Bildschirme“ stecken. Andreas Wersch (CDU) hielt dagegen: „Die Kinder wachsen mit diesen Medien auf. Das findet mit oder ohne uns statt.“